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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

Lakestar SPAC1 und Anlegerschutz bei SPAC-Börsengängen in der Bundesrepublik

Fraktion

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ressort

Bundesministerium der Finanzen

Datum

30.04.2021

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 19/2810430.03.2021

Lakestar SPAC1 und Anlegerschutz bei SPAC-Börsengängen in der Bundesrepublik Deutschland

der Abgeordneten Dr. Danyal Bayaz, Anja Hajduk, Lisa Paus, Stefan Schmidt, Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn, Sven-Christian Kindler, Markus Kurth und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Vorbemerkung

SPAC steht für „Special Purpose Acquisition Company“. Es handelt sich um eine Mantelgesellschaft, die an der Börse Geld einsammelt, um damit Unternehmen mit operativem Geschäft zu übernehmen. Aktuell wurde mit Lakestar SPAC1 erfolgreich eine Unternehmenshülle an die Börse gebracht, die das Ziel hat, bei der europäischen Wagniskapitalbeschaffung eine „historische Wende“ einzuläuten (https://www.handelsblatt.com/technik/it-internet/ipo-des-lakestar-spacs-erster-mantel-boersengang-in-frankfurt-das-will-investor-hommels-erreichen/26931980.html?ticket=ST-6308873-VEftEznEmPN5SUE6NfXD-ap1).

Untersuchungen zu Kursentwicklungen in den USA zu SPACs haben ergeben, dass die Aktienkurse nach dem Börsengang der Unternehmensmäntel deutlich heruntergegangen sind. Somit sind sie nach Ansicht der Fragestellenden für Anlegerinnen und Anleger ein schwieriges Investment (https://www.tagesschau.de/wirtschaft/finanzen/das-geschaeft-mit-leeren-boersenhuellen-101.html; https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=3720919).

Die Finanzaufsicht steht nach Wirecard, Greensill und P&R unter besonderer Beobachtung, wie sie auf neue Entwicklungen an den Finanzmärkten reagiert. In den genannten Fällen geben viele Anlegerinnen und Anleger der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) eine Mitschuld an ihren Vermögensverlusten. Gleichzeitig ist die Bundesregierung bemüht, die aus ihrer Sicht unzureichende Möglichkeit der Wagnisfinanzierungen in der Bundesrepublik zu verbessern. In diesem Spannungsfeld schwappt der SPAC-Boom vom US-Finanzmarkt auf die europäischen Finanzmärkte.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen22

1

Wie viele SPAC-Börsengänge an deutschen Börsenplätzen ab 2017 sind der Bundesregierung und der ihr unterstellten Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht bekannt, wie hoch war das durchschnittliche Emissionsvolumen dieser SPACs (in den jeweiligen Jahren), und was waren die SPACs mit dem jeweils höchsten Emissionsvolumen?

2

Wie viele SPAC-Börsengänge ab 2017 an Börsenplätzen in der Europäischen Union exklusive Großbritannien sind der Bundesregierung und der ihr unterstellten Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht bekannt, an welchen Finanzplätzen fanden sie statt, wie hoch war das durchschnittliche Emissionsvolumen dieser SPACs?

3

Wie viele SPAC-Börsengänge ab 2017 an der Londoner Börse sind der Bundesregierung und der ihr unterstellten Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht bekannt, wie hoch war das durchschnittliche Emissionsvolumen dieser SPACs?

4

Wie viele SPAC-Börsengänge ab 2017 an der Schweizer Börse sind der Bundesregierung und der ihr unterstellten Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht bekannt, wie hoch war das durchschnittliche Emissionsvolumen dieser SPACs?

5

Welche gesetzlichen und regulatorischen Vorgaben gelten für SPAC-Börsengänge in der Bundesrepublik, und wie unterscheiden sich diese von herkömmlichen Börsengängen?

6

Welche Behörden und Institutionen überwachen die Einhaltung der regulatorischen Vorgaben für SPACs?

7

Rechnet die Bundesregierung damit, dass sich SPAC-Börsengänge in Deutschland und Europa ähnlich dynamisch entwickeln wie in den USA (bitte begründen), und wie bewertet sie dies?

8

Plant die Bundesregierung angesichts des kolportierten Überschwappens der SPAC-Welle aus den USA auf Europa (https://www.institutional-money.com/news/maerkte/headline/ex-commerzbank-chef-blessing-plant-spac-fuer-finanz-ma-in-europa-204453/) eine tiefergehende Analyse oder Anpassung der regulatorischen Anforderungen von und für SPACS?

9

Sieht die Bundesregierung die Gefahr einer SPAC-Blasenbildung an den globalen Finanzplätzen (https://www.ft.com/content/e64c3e5e-b990-4904-adfe-139e41a5845b) (bitte begründen)?

10

Sieht die Bundesregierung eine erhöhte Gefahr für Geldwäsche und Anlegerbetrug bei SPACs gegenüber herkömmlichen Börsengängen (bitte begründen)?

11

Welche Risiken und welche Chancen für Anlegerinnen und Anleger sieht die Bundesregierung in SPAC-Börsengängen?

12

Welche regulatorischen Vorgaben im Bereich Anlegerinnen- und Anlegerschutz gibt es für SPACs, sieht die Bundesregierung hier Handlungsbedarf für eine Nachsteuerung (bitte begründen)?

13

Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die Anteilseignerstruktur von SPACs nach ihren Börsengängen?

14

Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung darüber, welche deutschen Firmen von SPACs aus dem In- und Ausland übernommen wurden, wie sich diese Unternehmen entwickelt haben (Umsatz, Börsenwert, Gewinn) und in welchen Branchen sie aktiv sind?

15

Sieht die Bundesregierung eine Hürde in der Prospektpflicht und anderer Voraussetzungen für Börsengänge von jungen Wachstumsunternehmen und damit einen Grund für die mutmaßliche Attraktivität von SPACSs für Start-ups, wenn ja, plant die Bundesregierung hier Änderungen (bitte unter der Maßgabe Kosten und Bürokratie bewerten)?

16

Sieht die Bundesregierung SPACs als hilfreiches Vehikel an, um Wagnisfinanzierungen in der Bundesrepublik und der EU zu tätigen bzw. auszuweiten, welche Vorzüge oder Nachteile sieht die Bundesregierung gegenüber herkömmlichen Venture Capital Fonds bzw. VC-Finanzierungen?

17

Inwiefern plant die Bundesregierung in diesem Bereich gesetzgeberische Initiativen?

18

Welche Chancen und Risiken sieht die Bundesregierung für institutionelle Investoren bei möglichen Anlagen in SPACs?

19

Sind SPACs nach Bewertung der Bundesregierung dazu geeignet, institutionellen Investoren eine Anlage in Wachstumsunternehmen zu ermöglichen, welche Chancen und Risiken sieht sie an dieser Stelle?

20

Welche Vergütungsstrukturen sind nach Kenntnis der Bundesregierung für Initiatoren bzw. das Management bzw. die Sponsoren der SPACs üblich? Können nach Auffassung der Bundesregierung hierdurch Interessenkonflikte bestehen?

21

Welche Gefahren sieht die Bundesregierung in dem schnellen Wachstum der Anzahl an SPACs für Investoren?

22

Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über Häufungen von Short-Positionen gegenüber SPACs, und welche Schlüsse zieht die Bundesregierung daraus (https://www.ft.com/content/321400c1-9c4d-40ac-b464-3a64c1c4ca80)?

Berlin, den 23. März 2021

Katrin Göring-Eckardt, Dr. Anton Hofreiter und Fraktion

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