Stand der Gebäudesanierung in Deutschland
der Abgeordneten Hagen Reinhold, Frank Sitta, Grigorios Aggelidis, Renata Alt, Nicole Bauer, Jens Beeck, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Dr. Marco Buschmann, Dr. Marcus Faber, Daniel Föst, Otto Fricke, Thomas Hacker, Reginald Hanke, Peter Heidt, Markus Herbrand, Torsten Herbst, Dr. Gero Clemens Hocker, Dr. Christoph Hoffmann, Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Olaf in der Beek, Pascal Kober, Dr. Lukas Köhler, Konstantin Kuhle, Ulrich Lechte, Dr. Martin Neumann, Frank Schäffler, Dr. Wieland Schinnenburg, Judith Skudelny, Dr. Hermann Otto Solms, Bettina Stark-Watzinger, Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Benjamin Strasser, Katja Suding, Linda Teuteberg, Stephan Thomae, Manfred Todtenhausen, Dr. Florian Toncar, Gerald Ullrich, Sandra Weeser, Nicole Westig und der Fraktion der FDP
Vorbemerkung
Um die Klimaschutzziele 2030 im Gebäudesektor zu erreichen, sind umfassende Sanierungen im Gebäudebestand in den nächsten zehn Jahren nötig. Eine der größten Herausforderungen ist die Steigerung der Sanierungsquote, die derzeit mit ca. 1 Prozent viel zu niedrig liegt, um signifikante Fortschritte bei der Energieeffizienz im Gebäudesektor zu erreichen. Um die Quote zu erhöhen und die Gebäudesanierung in Deutschland voranzutreiben, hat die die Bundesregierung in ihrem Klimaschutzprogramm 2030 verschiedene Maßnahmen und Programme reformiert und neu aufgesetzt (https://www.bundesregierung.de/resource/blob/975226/1679914/e01d6bd855f09bf05cf7498e06d0a3ff/2019-10-09-klima-massnahmen-data.pdf?download=1). Bereits an den Investitionszahlen der vergangenen zehn Jahre ist nach Ansicht der Fragesteller abzusehen, dass auch in den nächsten zehn Jahren enorme Kosten auf den Staat und die Eigentümer des Gebäudebestandes zukommen. Auch in Rückblick auf die bisher geringen Einspareffekte in der Gebäudesanierung muss der bisherige Weg nach Ansicht der Fragesteller kritisch betrachtet werden (https://www.focus.de/finanzen/news/konjunktur/klimaschutz-absurd-umsonst-gedaemmt-energiewende-wird-im-gebaeude-bereich-zum-milliarden-grab_id_12490652.html).
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen19
Wie haben sich die CO2-Emissionen im Gebäudesektor in den Jahren 2019 und 2020 im Vergleich zum jeweiligen Vorjahr entwickelt?
Mit welchen CO2-Einsparpotenzialen rechnet die Bundesregierung bis zum Jahr 2030 bei Wohngebäuden insgesamt sowie spezifisch durch
a) die Dämmung der Gebäudehülle,
b) den Einbau effizienter Fenster oder anderer Fassadenbauteile,
c) die luftdichten Herstellung von Gebäuden,
d) die Modernisierung der Heizung,
e) die Modernisierung der Kühlung,
f) die Modernisierung der Licht- und Beleuchtungstechnik, und
g) wie schätzt die Bundesregierung die realistische Erreichbarkeit dieser Ziele nach heutigem Kenntnisstand ein, und was wird sie unternehmen, wenn die absehbar nicht erreicht werden können?
Mit welchen Gesamtinvestitionsvolumen rechnet die Bundesregierung bis zum Jahr 2030 bei Wohngebäuden insgesamt sowie spezifisch bei
a) der Dämmung der Gebäudehülle,
b) dem Einbau effizienter Fenster oder anderer Fassadenbauteile,
c) der luftdichten Herstellung von Gebäuden,
d) der Modernisierung der Heizung,
e) der Modernisierung der Kühlung,
f) der Modernisierung der Licht- und Beleuchtungstechnik?
Mit welchen CO2-Einsparpotenzialen rechnet die Bundesregierung bei Nichtwohngebäuden bis 2030
a) bei wirtschaftlich betriebenen Gebäuden (unterteilt nach Wirtschaftszweigen),
b) bei privaten Nichtwohngebäuden,
c) bei Bundesgebäuden,
d) bei Gebäuden der Länder und Kommunen?
Mit welchen Gesamtinvestitionsvolumen rechnet die Bundesregierung bei Nichtwohngebäuden bis 2030
a) bei wirtschaftlich betriebenen Gebäuden (unterteilt nach Wirtschaftszweigen),
b) bei privaten Nichtwohngebäuden,
c) bei Bundesgebäuden,
d) bei Gebäuden der Länder und Kommunen?
Mit welchen CO2-Einsparpotenzialen hat die Bundesregierung in den letzten zehn Jahren gerechnet, und zu wie viel Prozent wurden die zugrunde gelegten Einsparpotenziale erreicht?
Wie hoch waren die Investitionskosten für die erreichten Einsparungen?
Hat die Bundesregierung Kenntnis über die Altersstruktur der Eigentümer von Gebäuden, bundesweit und pro Bundesland,
a) bei Häusern mit ein oder zwei Wohnungen, und wenn ja, wie stellt diese sich da?
b) bei Häusern mit mehr als zwei Wohnungen, und wenn ja, wie stellt diese sich da?
c) bei wirtschaftlich genutzten Gebäuden?
Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, wie viele Eigentumswechsel bei Gebäuden durchschnittlich in den nächsten zehn Jahren anstehen werden?
Wie hoch schätzt die Bundesregierung das durch den Eigentümerwechsel anstehende Investitionsvolumen pro Jahr, welches durch die gesetzlichen Vorgaben zur energetischen Sanierung beim Eigentümerwechsel entstehen wird?
Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, wie hoch die jährlichen Emissionen durch die „Rebound- & Backfire“-Effekte in den letzten zehn Jahren waren (bitte pro Jahresscheibe)?
Wenn ja, hat die Bundesregierung Kenntnis über eine Bilanz von eingesparten Emissionen durch Sanierung zu den danach eintretenden „Rebound- und Backfire“-Effekte?
Mit welchem Investitionsvolumen rechnet die Bundesregierung pro Jahr bis 2030 für die Modernisierung und ggf. Umrüstung
a) der Stromnetze,
b) der Wärmenetze,
c) der Gasnetze?
Wie hat sich die Sanierungsquote deutschlandweit und pro Bundesland in den letzten zehn Jahren entwickelt?
Wie müsste sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Sanierungsquote entwickeln, um die Klimaschutzziele 2030 und 2050 zu erreichen?
Wie ist der gegenwärtige Stand der geförderten Pilotprojekte in der seriellen Sanierung im Rahmen des Klimaschutzprogramms 2030?
a) Wie viele Projekte wurden gefördert, und wie hoch war die Förderung pro Projekt?
b) Welche Projekte oder Projektschwerpunkte wurden gefördert?
c) Welche Ziele und Ergebnisse sollen mittels der Projekte erreicht werden (Steigerung der Sanierungsquote, Kostenreduktion der Gebäudesanierung, usw.?)
d) Welche Projekte haben sich als praxistauglich erwiesen und fanden den Weg in den freien Markt?
Hat die Bundesregierung Kenntnisse über Forschungs- und/oder Pilotprojekte zur vollständigen Abbildung aller CO2-Emissionen pro Gebäude vom Baubeginn bis zum Abriss?
Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, wie sich die Beheizungsstruktur in den letzten zehn Jahren deutschlandweit und pro Bundesland entwickelt hat?
Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Energieverbrauch im Industriebereich?
Hat die Bundesregierung bei der energetischen Gebäudesanierung in den letzten zehn Jahren Fälle von Marktversagen wie beispielsweise Informationsasymmetrien festgestellt?
Wenn ja, welche Fälle waren das, und wie wurden sie behoben?
Welche Kosten entstehen dem Bund für die Kampagne „Deutschland macht’s effizient“?
Werden die Ergebnisse der Kampagne regelmäßig evaluiert, und wenn ja, welche Ergebnisse kann die Bundesregierung durch die Kampagne vorweisen?
Wie hoch sind die kalkulierten Projektträgerkosten für die Bundesförderung energieeffiziente Gebäude (BEG)?
Wie hat sich der Gebäudeenergiebedarf bei Bundesliegenschaften seit 1990 entwickelt (bitte Veränderungen durch umgesetzte Energieeffizienzmaßnahmen, durch Aufgabe von Liegenschaften sowie durch die Nutzung zusätzlicher Liegenschaften differenziert angeben)?