Marktbeherrschende Stellung und Hinweise auf intransparente Preispolitik im Ticketvertrieb
der Abgeordneten Jan Korte, Jörg Cézanne, Anke Domscheit-Berg, Dr. André Hahn, Gökay Akbulut, Clara Bünger, Nicole Gohlke, Ina Latendorf, Cornelia Möhring, Petra Pau, Sören Pellmann, Heidi Reichinnek, Martina Renner, Dr. Petra Sitte, Kathrin Vogler und der Gruppe Die Linke
Vorbemerkung
In den letzten Jahren hat sich der Ticketvertrieb für kulturelle und sportliche Veranstaltungen stark konsolidiert, wobei die Plattformen CTS Eventim und Ticketmaster eine nahezu monopolistische Stellung eingenommen haben. Diese beiden Anbieter dominieren den Markt und kontrollieren den Großteil des Ticketverkaufs in Deutschland und anderen europäischen Ländern. Durch ihre Marktmacht haben sie die Möglichkeit, erhebliche Gewinne zu erzielen, wie das Beispiel CTS Eventim im zweiten Quartal 2024 zeigt: Das Unternehmen verzeichnete ein Umsatzwachstum von 21,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und steigerte seinen Gewinn (gemessen am EBITDA (Earnings Before Interest and Taxes), sprich dem Ergebnis vor Zinsen und Steuern) um 23,3 Prozent auf 110 Mio. Euro. Diese Zahlen verdeutlichen die enormen finanziellen Gewinne, die aus der dominanten Marktstellung resultieren (vgl. Backstagepro, 2024).
Die Monopolstellung der beiden Anbieter und die mit ihr einhergehenden Preisstrategien wirken sich somit nicht nur nachteilig auf die Verbraucherinnen und Verbraucher aus, sondern beeinträchtigen auch die kulturelle Vielfalt und den Zugang zu Veranstaltungen. Für kleinere, unabhängige Veranstalterinnen und Veranstalter und aufstrebende Künstlerinnen und Künstler wird es zunehmend schwieriger, im Wettbewerb zu bestehen, da die Marktkonditionen durch die beiden Großanbieter bestimmt werden. Gleichzeitig weisen Verbraucherorganisationen und Künstlerinnen und Künstler immer wieder auf die intransparenten Gebührenstrukturen hin, die von Service- und Bearbeitungsgebühren bis hin zu Preisaufschlägen reichen, deren Zusammensetzung für die Verbraucherinnen und Verbraucher oft nicht nachvollziehbar ist (vgl. www.watson.de/unterhaltung/rap/918934068-eventim-premium-tickets-und-gebuehren-so-funktioniert-die-konzert-abzocke; www.zdf.de/nachrichten/ratgeber/ticketpreise-konzerte-preise-eventim-ticketmaster-100.html).
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob und inwiefern die Bundesregierung plant, die bestehenden Strukturen im Ticketvertrieb zu überprüfen und gegebenenfalls Maßnahmen zu ergreifen, um den Wettbewerb zu fördern und faire Bedingungen für alle zu schaffen. Weiterhin bedarf es aus Sicht der Fragestellenden einer Prüfung, ob und in welcher Form Maßnahmen zur Regulierung des Wiederverkaufs von Tickets zu überhöhten Preisen auf Drittplattformen sowie zur Verbesserung der Transparenz bei der Preisaufschlüsselung getroffen werden sollen. Dies schließt auch die Frage ein, wie die Rechte der Verbraucherinnen und Verbraucher bei abgesagten oder verschobenen Veranstaltungen besser geschützt werden können, insbesondere hinsichtlich der vollständigen Rückerstattung des Ticketpreises ohne Gutscheinlösungen.
Zudem ist es aus Sicht der Fragestellenden im digitalen Zeitalter erforderlich, Datenschutz und Datensicherheit im Ticketvertrieb sicherzustellen. Die wachsende Nutzung von Apps und anderen digitalen Tools birgt Risiken für die persönlichen Daten der Käuferinnen und Käufer, die bei der Buchung hinterlegt werden.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen14
Wie bewertet die Bundesregierung die bestehende Monopolstellung weniger Anbieter im Ticketvertrieb, und werden Maßnahmen ergriffen, um den Wettbewerb zu fördern und Monopolstrukturen aufzubrechen, und wenn ja, welche?
Welche rechtlichen Maßnahmen nutzt oder plant die Bundesregierung gegebenenfalls, um den Wiederverkauf von Tickets zu stark überhöhten Preisen zu regulieren, und wie plant die Bundesregierung, den Schutz der Verbraucher in diesem Bereich zu stärken?
Wird die Bundesregierung Maßnahmen prüfen, um gemeinwohlorientierte und nichtkommerzielle Ticketvertriebsplattformen zu fördern und zu unterstützen, und wenn ja, inwiefern?
Sieht die Bundesregierung Handlungs- und Regelungsbedarf im Hinblick auf die Praxis der dynamischen Preisgestaltung, um sicherzustellen, dass Verbraucherinnen und Verbraucher vor übermäßigen Preisschwankungen geschützt werden, und wenn ja, inwiefern?
Plant die Bundesregierung Maßnahmen, um die Transparenz bei der Aufschlüsselung von Ticketpreisen zu verbessern, sodass Verbraucherinnen und Verbraucher klar nachvollziehen können, welche Kosten von Veranstaltern, Künstlerinnen und Künstlern und Ticketanbietern erhoben werden, und wenn ja, welche?
Welche Auswirkungen haben die gestiegenen Ticketpreise nach Einschätzung der Bundesregierung auf die soziale Teilhabe an kulturellen Veranstaltungen, insbesondere für einkommensschwache Haushalte, und welche Schlussfolgerungen zieht sie daraus?
Wird die Bundesregierung Maßnahmen ergreifen, um den Weiterverkauf von Tickets über Drittplattformen zu regulieren und Spekulationen mit überhöhten Preisen einzudämmen, und wenn ja, in welcher Form, und wenn nein, warum nicht?
Wie beabsichtigt die Bundesregierung, die Rechte der Konsumenten bei abgesagten oder verschobenen Veranstaltungen zu schützen, insbesondere hinsichtlich der vollständigen Rückerstattung des Ticketpreises und der Vermeidung von Gutscheinlösungen?
Erachtet die Bundesregierung den Datenschutz und die Datensicherheit beim Ticketverkauf, insbesondere bei der Verwendung von Apps und anderen digitalen Tools, die persönliche Daten der Käufer erheben, als ausreichend?
a) Wenn ja, bitte begründen?
b) Wenn nein, welche zusätzlichen datenschutzrechtlichen Regelungen könnten und sollten eingeführt werden, und wann wird dies geschehen?
Sieht die Bundesregierung eine Notwendigkeit für gesetzliche Obergrenzen bei Service- und Bearbeitungsgebühren im Ticketverkauf, um Preistreiberei zu verhindern, wenn ja, wie könnten diese aussehen, und wenn nein, warum nicht?
Welche Auswirkungen sieht die Bundesregierung durch die Monopolisierung im Ticketvertrieb auf die kulturelle Vielfalt und den Zugang zu kleineren, unabhängigen Veranstaltungen und Künstlerinnen und Künstlern (bitte erläutern)?
Gibt es Pläne, kleinere und regionale Veranstalter durch gezielte Maßnahmen oder finanzielle Unterstützung zu fördern, um ihnen bessere Marktchancen zu bieten, wenn ja, wie sehen diese konkret aus, und wenn nein, warum nicht?
Kennt die Bundesregierung erfolgreiche internationale Modelle zur Regulierung des Ticketverkaufs (wie z. B. Preisdeckel in Frankreich oder Großbritannien), und wenn ja, inwiefern zieht sie diese in Betracht, um ähnliche Regelungen in Deutschland einzuführen (bitte erläutern)?
Beabsichtigt die Bundesregierung, mehr Transparenz in Bezug auf exklusive Vereinbarungen zwischen Veranstaltern und Ticketplattformen zu schaffen, um unfaire Marktpraktiken zu verhindern, wenn ja, in welcher Form soll dies geschehen, und wenn nein, warum nicht?