Verankerung von KI-Kompetenzen in der Hochschulbildung und Konsequenzen des Programmendes „KI in der Hochschulbildung“
der Abgeordneten Ayse Asar, Dr. Andrea Lübcke, Claudia Müller, Dr. Anja Reinalter, Misbah Khan, Rebecca Lenhard und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Vorbemerkung
Künstliche Intelligenz (KI; Artificial Intelligence [AI]) hat längst Einzug in den Lern- und Lehralltag von Hochschulen gefunden. Das aktuell vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt geförderte Programm „KI in der Hochschulbildung“ läuft zum Jahresende 2025 aus. Gleichzeitig zeigen aktuelle Erhebungen, dass KI bereits fester Bestandteil des Studienalltags geworden ist: Laut einer Befragung des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) aus dem Wintersemester 2024/2025 nutzen 65 Prozent der Studierenden KI-Tools wöchentlich oder täglich für Recherchen, Brainstorming, als Lernpartner oder für Übersetzungen. Trotz dieser intensiven Nutzung besteht eine erhebliche Diskrepanz zwischen der Praxis und den institutionellen Angeboten: Die Hochschulen bieten nach Einschätzung der Studierenden keine flächendeckenden Lernangebote zum Erwerb von KI-Kompetenzen an. Die bestehenden Angebote werden im Durchschnitt mit nur 2,7 von 5 Sternen bewertet. Studierende erwarten klare ethische Richtlinien, transparente Regelungen zum Datenschutz und eindeutige Vorgaben für den Einsatz von KI in Prüfungen. Erwartungen, denen die Hochschulen derzeit nicht ausreichend gerecht werden.
Die Fragestellerinnen und Fragesteller sehen in dieser Gemengelage aus wachsendem Bedarf der Studierenden, fehlenden institutionellen Angeboten und neuen rechtlichen Anforderungen durch den EU AI Act eine zentrale hochschulpolitische Herausforderung: Ohne gezielte Förderung drohen ungleiche Lernvoraussetzungen, ein unkritischer Umgang mit KI-Systemen sowie eine Gefährdung der Chancengleichheit im Studium. Die curriculare Verankerung von KI-Kompetenzen, die Entwicklung fachspezifischer didaktischer Konzepte sowie die Schaffung rechtlicher und ethischer Rahmenbedingungen erfordern eine langfristige und koordinierte Unterstützung durch den Bund. Ohne die rechtzeitige Ankündigung und Implementierung eines Nachfolgeprogramms droht mit dem Auslaufen der Förderung Ende 2025 eine Lücke, die die dringend notwendige Weiterentwicklung der KI-Kompetenzen an Hochschulen gefährdet.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen27
Plant die Bundesregierung ein Nachfolgeprogramm für „KI in der Hochschulbildung“ nach dessen Auslaufen zum Jahresende 2025, wenn ja, in welchem zeitlichen Rahmen, mit welcher inhaltlichen Ausrichtung, und mit welchem Fördervolumen?
Wenn kein Nachfolgeprogramm geplant ist, wie begründet die Bundesregierung diese Entscheidung angesichts der nachgewiesenen Lücken in der KI-Kompetenzförderung an Hochschulen?
Welche alternativen Maßnahmen plant die Bundesregierung, um die Hochschulen bei der Integration von KI-Kompetenzen in die Curricula zu unterstützen, und mit welchem Fördervolumen?
Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse darüber vor, wie viele Hochschulen derzeit systematische Angebote zum Erwerb von KI-Kompetenzen in ihre Studiengänge integriert haben?
Welche Schlussfolgerung zieht die Bundesregierung aus der in der CHE-Befragung dokumentierten, durchschnittlichen Bewertung von 2,7 von 5 Sternen für die bestehenden Angebote zum Erwerb von KI-Kompetenzen?
Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um die Qualität der KI-bezogenen Lehrangebote an Hochschulen zu verbessern?
Teilt die Bundesregierung die Einschätzung der Fragestellenden, dass die unterschiedliche Nutzung und ungleichen Zugangsmöglichkeiten zu KI-Tools zu ungleichen Lernvoraussetzungen und damit zu einer Gefährdung der Chancengleichheit im Studium führen können?
Plant die Bundesregierung Maßnahmen, um einen chancengerechten Zugang zu KI-Tools für alle Studierenden sicherzustellen, wenn ja, wie, und wenn nein, warum nicht?
Wie kann aus Sicht der Bundesregierung sichergestellt werden, dass alle Studierenden grundlegende KI-Kompetenzen erwerben können, unabhängig von der finanziellen Ausstattung ihrer Hochschule?
Wie steht die Bundesregierung zu Ideen, die Digitalisierung der Hochschullehre strukturierter und systematischer zu stärken, etwa durch eine Digitalisierungspauschale pro Studierenden, wie von der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) vorgeschlagen, oder einen Digitalpakt Hochschule, wie er in Hessen beispielsweise schon 2020 als Landesprogramm aufgesetzt wurde?
Plant die Bundesregierung gemeinsam mit den Ländern die Entwicklung bundesweiter Leitlinien oder Empfehlungen für den ethischen Umgang mit KI in der Hochschulbildung, insbesondere im Hinblick auf Datenschutz, Urheberrecht, Transparenz und Chancengleichheit?
Plant die Bundesregierung Unterstützung für Hochschulen bei der Entwicklung klarer ethischer Richtlinien und transparenter Datenschutzregelungen zum Einsatz von KI in Prüfungen, wenn ja, welche, und wenn nein, warum nicht?
Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse über fachspezifische Unterschiede in der Nutzung von KI-Tools durch Studierende vor, und wenn ja, welche?
Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse über geschlechterspezifische Unterschiede in der Nutzung von KI-Tools und im Erwerb von KI-Kompetenzen unter Studierenden und Lehrenden vor, und welche Maßnahmen plant sie, um bestehende Gender-Gaps zu schließen, z. B. durch Gleichstellungsziele oder Gender-Monitoring im möglichen Nachfolgeprogramm „KI in der Hochschulbildung“?
Plant die Bundesregierung Maßnahmen, um fachspezifische didaktische Konzepte für den Einsatz von KI in der Hochschullehre zu fördern?
Plant die Bundesregierung, die Integration von KI-Kompetenzen in die wissenschaftliche Methodenlehre verschiedener Fachrichtungen zu unterstützen, wenn ja, wie, und wenn nein, warum nicht?
Plant die Bundesregierung eine systematische Erhebung und Auswertung von Daten zur Nutzung von KI durch Studierende und Lehrende an deutschen Hochschulen?
Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung aus der Evaluation des auslaufenden Programms „KI in der Hochschulbildung“ gewonnen, und wie fließen diese in künftige Planungen ein?
Wie beabsichtigt die Bundesregierung, die langfristigen Auswirkungen der KI-Nutzung auf Lernprozesse, Prüfungsformate und Kompetenzerwerb wissenschaftlich begleiten zu lassen?
Plant die Bundesregierung Initiativen zur Förderung innovativer KI-basierter didaktischer Methoden in der Hochschullehre, und welche Rolle misst die Bundesregierung hierbei beispielsweise der Stiftung Innovationen in der Hochschullehre zu?
Plant die Bundesregierung, Hochschulen dabei zu unterstützen, das Potenzial von KI für personalisierte Lernansätze und systematisches Feedback zu erschließen, wenn ja, wie, und wenn nein, warum nicht?
Welche Rolle spielt die flächendeckende Förderung von KI-Kompetenzen bei Lehrenden in den Planungen der Bundesregierung?
Welche Rolle spielen die vom Bund im Rahmen der KI-Strategie geförderten KI-Kompetenzzentren und KI-Professuren, und gibt es Pläne, bei den genannten Förderprogrammen einen stärkeren Fokus auf den Transfer zu legen und mehr Disziplinen, wie beispielsweise Geistes- und Sozialwissenschaften, einzubinden?
Inwieweit berücksichtigt die Bundesregierung bei der Förderung von KI-Kompetenzzentren und KI-Professuren Gleichstellungsziele und Maßnahmen zur Erhöhung des Frauenanteils in der KI-Forschung?
Wie bewertet die Bundesregierung die ggf. derzeitig bestehende Abhängigkeit deutscher Hochschulen von kommerziellen KI-Anbietern?
Plant die Bundesregierung Maßnahmen zur Stärkung der digitalen Souveränität von Hochschulen im Bereich KI, insbesondere durch die Förderung eigener datenschutzkonformer Infrastrukturen und Open-Source-Lösungen?
Welche Unterstützung bietet die Bundesregierung den Hochschulen bei der Umsetzung der Anforderungen des EU AI Act, insbesondere im Hinblick auf hochriskante KI-Systeme im Bildungsbereich?