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Kleine AnfrageWahlperiode 21Noch nicht beantwortet

Einfuhr von Jagdtrophäen geschützter Arten

(insgesamt 33 Einzelfragen)

Fraktion

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Datum

23.04.2026

Aktualisiert

29.04.2026

Deutscher BundestagDrucksache 21/555123.04.2026

Einfuhr von Jagdtrophäen geschützter Arten

der Abgeordneten Harald Ebner, Dr. Jan-Niclas Gesenhues, Dr. Zoe Mayer, Stefan Schmidt, Matthias Gastel, Lisa Badum, Julia Schneider und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Vorbemerkung

Die Einfuhr von Jagdtrophäen zum persönlichen Gebrauch ist in Deutschland erlaubt, auch wenn es sich um bedrohte und international geschützte Wildtiere handelt. Die Anträge auf Einfuhr werden in Deutschland vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) geprüft, sofern es sich um geschützte und genehmigungspflichtige Arten handelt. Im Jahr 2025 wurden nach Deutschland insgesamt 651 Trophäen geschützter Arten eingeführt. Zudem stehen die Importe von 50 genehmigten, aber noch nicht eingeführten Jagdtrophäen aus. Damit bleiben die Zahlen auf einem anhaltend hohen Niveau. Gleichzeitig wurde beispielsweise auf der Messe Jagd und Hund im Januar 2026 wieder offensiv von Reiseanbietern sowie von afrikanischen Ländern für Trophäenjagden geworben mit dem mutmaßlichen Effekt, dass diese Zahlen künftig sogar noch ansteigen könnten.

Die EU ist weltweit der zweitgrößte Importeur von Jagdtrophäen auf der Welt (www.humaneworld.org/sites/default/files/uploads/2021/06/HSI_Trophaenjagd-in-Zahlen_Die-Bedeutung-der-Europaischen-Union-bei-der-Trophaenjagd-im-globalen-Kontext.pdf). Aber auch innerhalb Europas finden Trophäenjagden auf FFH-geschützte Tierarten, zum Beispiel auf Braunbären in Kroatien und Rumänien statt. Einige Länder der EU, wie beispielsweise Belgien, Finnland, die Niederlande und Frankreich, haben Einfuhrverbote für Jagdtrophäen bestimmter geschützter Arten beschlossen.

Trophäenjagden sind nicht nur aus tierschutzrechtlicher Sicht umstritten. Weltweit werden jedes Jahr zehntausende Tiere von Trophäenjägern getötet und so in den Wildtierbestand eingegriffen. Neben Wilderei und Veränderungen durch den Klimawandel mit seinen schwerwiegenden Folgen für den Artenerhalt, wie u. a. Hitze, Wasserknappheit und sich verändernder Vegetation, tragen Trophäenjagden daher zu einer weiteren Gefährdung der Arten bei. Da im Fokus von Trophäenjägern insbesondere Individuen mit herausragenden physischen Eigenschaften, wie z. B. langen Stoßzähnen, großen Hörnern oder prächtigen Mähnen stehen, die in der Regel mit guten genetischen Anlagen einhergehen, werden durch die Trophäenjagd überwiegend Schlüsselindividuen einer Art erlegt, die überproportional zu gesunden überlebensfähigen Wildbeständen und damit zum dauerhaften Arterhalt beitragen. Dies ist umso problematischer, als dass die Datenlage zu Populationsgröße, genetischer Vielfalt und Populationstrend bei vielen betroffenen Arten nicht ausreichend ist.

Als Argument für die Trophäenjagd wird häufig angeführt, dass sie der lokalen Bevölkerung zugutekomme und Einnahmen für den Artenschutz sowie für Gemeinden in den Herkunftsländern generiere. Nach Einschätzung vieler Kritikerinnen und Kritiker profitieren jedoch in den meisten Fällen nicht die lokalen Gemeinschaften in nennenswertem Umfang von diesen Einnahmen. Stattdessen fließen die größten Teile der Gewinne an (häufig ausländische) Jagdreiseveranstalter, private Großgrund- oder Farmbesitzer sowie lokale Eliten.

Nach Auffassung der Fragestellerinnen und Fragesteller muss sich die Frage der Einfuhr von Jagdtrophäen nach Deutschland u. a. an den Gesichtspunkten der Populationserhaltung und Förderung der Koexistenz Mensch-Wildtier, aber auch tierschutz-ethischen Gesichtspunkten ausrichten.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen33

1

Wie viele Einfuhren für Jagdtrophäen aus welchen Ländern gab es nach Kenntnis der Bundesregierung in den Jahren 2023, 2024 und 2025 nach Deutschland von Arten, die in den Anhängen A bis C der EU-Artenschutzverordnung 338/97 enthalten sind (bitte nach dem jeweiligen Einfuhrjahr und der Tierart sowie den jeweiligen Ausfuhrländern aufschlüsseln)?

2

Wie viele Anträge zur o. g. Einfuhr wurden nach Kenntnis der Bundesregierung genehmigt, wie viele wurden abgelehnt und wie viele Entscheidungen erfolgten nach Einzelfallprüfung (bitte die Anzahl der Anträge, Einzelfallprüfungen, Genehmigungen und Ablehnungen jeweils nach Jahr und Tierart aufschlüsseln)?

3

Welche Tatsachen, Informationen und Gründe haben nach Kenntnis der Bundesregierung zu der Ablehnung von o. g. Anträgen geführt?

4

Welche Daten liegen der Bundesregierung für die Jahre 2023, 2024, 2025 hinsichtlich Verstöße gegen Artenschutzbestimmungen im Zusammenhang mit der Einfuhr von Jagdtrophäen international geschützter Arten vor und wie viele dieser Verstöße wurden jeweils sanktioniert?

Bitte auflisten und nach Art der Sanktion unterscheiden.

5

Welche Konsequenzen hinsichtlich des Ziels des internationalen Artenschutzes zieht die Bundesregierung daraus, dass sich die Einfuhr von Trophäen von geschützten Tierarten auf einem hohen Niveau von rund 700 Trophäen im Jahr 2025 (Einfuhr von 651 Trophäen plus 50 genehmigte, aber noch nicht erfolgte Einfuhren) stabilisieren?

6

Welche Meinung hat die Bundesregierung bezüglich der Jagd auf und die Einfuhr von Trophäen aus in Gefangenschaft gezüchteten geschützten Tierarten hinsichtlich des Ziels des internationalen Artenschutzes, und wie viele Trophäeneinfuhren von gezüchteten, bzw. nicht wildlebenden Tieren wurden 2023, 2024 und 2025 nach Deutschland eingeführt, welche Arten umfassen diese Einfuhren und unter welchen CITES Source Code (C – captive-bred, D – artificially propagated, F – born in captivity, R – ranched) wurden diese eingeführt?

7

Inwiefern wird nach Kenntnis der Bundesregierung bei der Überprüfung der Unbedenklichkeit der Einfuhr sichergestellt, dass nicht die stärksten, gesündesten und für den Fortbestand der Population besonders wichtigen Tiere von Trophäenjägern geschossen werden, und wenn ja, wie erfolgt die Überprüfung?

8

Sind der Bundesregierung aktuelle wissenschaftliche Publikationen bekannt (https://elephantswithoutborders.org/site/wp-content/uploads/2025-EWB-Hunting_Report-Web-compressed.pdf), denen zufolge die Abschussquoten für Elefanten in Botswana zu hoch angesetzt und damit nicht, wie gefordert, nachhaltig sind und die Erhaltung der Elefantenpopulation langfristig gefährdet wird und welche Meinung hat die Bundesregierung hierzu?

9

Ist der Bundesregierung bekannt, dass Botswana die Abschussquoten u. a. für Elefanten und Leoparden seit 2019 in jedem Jahr erhöht hat, welche Kenntnisse hat die Bundesregierung zu der Frage, welche Bestandsentwicklungen unter solchen anhaltenden Abschussregimen realistisch zu erwarten sind und welche Konsequenzen zieht die Bundesregierung auch ihren Kenntnissen?

10

Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die enge Zusammenarbeit der Organisation Conservation Force, die sich für die Förderung der Trophäenjagd als Naturschutzinstrument einsetzt, mit der botswanischen Regierung <www.pressreader.com/botswana/botswana-guardian/20251107/281676851165174> und deren maßgeblichen Beitrag zur Erstellung für Managementpläne für Elefanten und Leoparden sowie der Unbedenklichkeitsbescheinigungen (Non-detriment Findings), die u. a. auch für die Einfuhrgenehmigung der Trophäen nach Deutschland relevant sind, insbesondere in Bezug auf die wissenschaftliche Zuverlässigkeit verabschiedeter Jagdquoten, die Bewertung der Tierbestände und die Einhaltung der CITES-Bestimmungen zum Artenerhalt, und welche Konsequenzen zieht die Bundesregierung aus ihren Kenntnissen?

11

Hat die Bundesregierung Kenntnisse darüber, dass Herkunftsländer geschützter Tierarten auf der diesjährigen Messe Jagd und Hund in Dortmund mit Delegationen für den Ausbau der Partnerschaft mit Deutschland bei Trophäenjagden geworben haben und wenn ja, wie steht die Bundesregierung hierzu?

12

Ist der die Bundesregierung bekannt, dass u. a. auf der Messe Jagd und Hund offensiv für Reisepakete zu Trophäenjagden auf geschützte Arten geworben wird, welche Konsequenzen zieht die Bundesregierung hieraus in Bezug auf das Ziel des internationalen Artenschutzes, und welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die prognostizierten Auswirkungen auf Populationen geschützter Arten sollte die offensiver Werbung für Trophäenjagden erfolgreich sein und Trophäenjagden weiter zunehmen?

13

Sind der Bundesregierung aktuelle juristische Einschätzungen (www.prowildlife.de/wp-content/uploads/2026/01/rechtsgutachten-2026-messeangebote.pdf) bekannt zu der Frage, inwiefern Trophäenjagdangebote rechtssicher von Messen ausgeschlossen werden können, welche Meinung hat die Bundesregierung hierzu und inwiefern zieht die Bundesregierung auf dieser Grundlage bundesweite Regelungen in Betracht?

14

Inwieweit hat die Bundesregierung Kenntnisse oder Schätzungen über die Größe und das Umsatzvolumen des Reisemarktes für Jagdreisen sowie über die Gesamtzahl der dazugehörigen Reiseanbieter in Deutschland und wenn ja, welchen Anteil am Gesamtmarkt nimmt dieser Bereich insgesamt ein?

15

Wie bewertet die Bundesregierung die kommerzielle Vermarktung von FFH-geschützten Tierarten für Trophäenjagd in Europa, beispielsweise Trophäenjagd auf Braunbären in Kroatien und Rumänien und liegen der Bundesregierung hierzu Einfuhrzahlen nach Deutschland für die Jahre 2023, 2024 und 2025 vor?

Wenn ja, bitte nach Anzahl, Art und Herkunftsland aufschlüsseln.

16

In welchen Ländern und Gebieten hat die Bundesregierung Mittel für Artenschutzprojekte bewilligt, die auch auf Einnahmen aus Trophäenjagd zielen?

Wie hoch sind die bewilligten Fördermittel dieser Projekte, wie lange sind deren Laufzeiten und mit welchen Partnern werden sie umgesetzt (bitte tabellarisch aufschlüsseln)?

17

Welche finanziellen Mittel werden für nicht-konsumtive Artenschutzprojekte in den Empfängerländern investiert, welche auch Förderungen für Projekte mit Trophäenjagdkomponente erhalten?

Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung zur Auswirkung der Projekte auf die Bestandszahlen und Populationsgefüge geschützter Arten vor Ort?

18

Welche Auswirkungen hat die Trophäenjagd nach Kenntnisstand der Bundesregierung auf von ihr geförderte Naturschutzprojekte?

19

Über welche Erkenntnisse verfügt die Bundesregierung darüber, auf welchem Anteil von Privatland bzw. Gemeinschaftsland die Trophäenjagd erfolgt und wie sich die geschossenen Tiere prozentual auf diese Flächen verteilen?

20

Wie verteilt sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Wertschöpfung aus der Trophäenjagd auf die verschiedenen Beteiligten (Jagdfarmbesitzer, Jagdreisevermittler – bitte sofern möglich nach In- und Ausland aufschlüsseln – lokale Gemeinschaften)?

21

Über welche Kenntnisse verfügt die Bundesregierung hinsichtlich der Verteilung der Wertschöpfung und Wohlfahrtsgewinne (u. a. Verdienst- und Beschäftigungsmöglichkeiten, Finanzierung Gesundheits- und Bildungsstrukturen) für lokale Gemeinschaften bei jagdfreien Tourismusangeboten in wildreichen Regionen?

22

Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung, um nachhaltige und gemeinschaftsbezogene Alternativen zur Trophäenjagd international geschützter Tierarten zu fördern?

23

Gibt es Bestrebungen der Bundesregierung wieder in die Organisation CIC – International Council for Game and Wildlife Conservation einzutreten?

Wenn ja, mit welchem Ziel?

Wie konkret sind die Planungen bzw. gibt es dazu bereits Vorgespräche und Vorbereitungen?

24

Plant die Bundesregierung angesichts der aktuellen Beschlüsse Belgiens und anderer EU-Staaten, ebenfalls ein Importverbot für Trophäen gefährdeter Arten (z. B. Elefant, Löwe, Nashorn, Gepard) zu prüfen oder umzusetzen, und wenn nein, warum nicht?

25

Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung darüber, ob Deutschland aufgrund von Importverboten in anderen europäischen Ländern als Einfallstor für Jagdtrophäen genutzt wird?

26

Plant die Bundesregierung anderweitige Änderung an den bestehenden Einfuhrbestimmungen?

Wenn ja, welche und wenn nein, aus welchen Gründen nicht?

27

Hat die Bundesregierung Kenntnisse über aktuelle Debatten auf EU-Ebene zu Trophäenjagden und mit welchen konkreten Schritten setzt sich die Bundesregierung auf EU-Ebene für ein EU-einheitliches Vorgehen in Bezug auf Trophäenjagden bzw. möglichen Importverboten für Jagdtrophäen geschützte Arten ein?

28

Welche Konsequenzen zieht die Bundesregierung aus der Forderung nach einer allgemeinen Importgenehmigungspflicht (bzw. die Rücknahme der Ausnahme von der Importgenehmigungspflicht) für alle Anhang-B-Arten auf EU-Ebene und inwiefern setzt sich die Bundesregierung für eine Umsetzung dieser Forderung ein?

29

Welche Studien oder Erhebungen kennt die Bundesregierung auf deutscher und EU-Ebene, welche die gesellschaftliche Akzeptanz von Trophäenjagd messen und wie stellen sich die Ergebnisse im Zeitverlauf seit 2015 dar?

30

Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse vor, wie Trophäenjagden in den Herkunftsländern von der lokalen Bevölkerung bewertet werden?

Wenn ja, welche und wenn ja, wie sehen diese aus?

31

Welche Maßnahmen abseits der Trophäenjagd unterstützt die Bundesregierung in von ihr geförderten Naturschutzprojekten weltweit zur Verbesserung der Einkommenssituation, zur Stärkung des Lebensunterhalts von lokalen Gemeinschaften sowie zum Management von Mensch-Tier-Konflikten?

32

Welche Meinung vertritt die Bundesregierung in der Frage, ob die Trophäenjagd aus tierschutzrechtlicher Sicht unethisch sind und in Bezug auf den Grundsatz, dass kein Tier ohne vernünftigen Grund getötet werden darf?

33

Plant die Bundesregierung, das Abgeben oder Feilbieten von Tieren, die keine Nutztiere oder Pferde sind, auf öffentlich zugänglichen Straßen, Wegen oder Plätzen zu untersagen?

Berlin, den 25. März 2026

Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion

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