Aktuelle Forschung zum chronischen Botulismus
der Abgeordneten Friedrich Ostendorff, Cornelia Behm, Bärbel Höhn, Hans-Josef Fell, Oliver Krischer, Undine Kurth (Quedlinburg), Dorothea Steiner, Dr. Anton Hofreiter, Stephan Kühn, Markus Tressel, Dr. Valerie Wilms und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Vorbemerkung
Bereits seit vielen Jahren wird angesichts eines tiermedizinisch bisher nicht eindeutig zugeordneten Krankheitsgeschehens über das Auftreten des chronischen Botulismus als neue Erkrankung bei Rindern diskutiert. Insbesondere von Seiten der Betriebe, die von diesem Krankheitsgeschehen betroffen sind, wird die nur schleppende Aufklärung der Ursachen dieser Tiererkrankungen beklagt.
Mit Förderung des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) wurden im Forschungsverbund Botulinum unter Leitung von Prof. Dr. Dr. Helge Böhnel, Georg-August-Universität Göttingen, zwischen 2007 bis 2010 bereits verschiedene Fragestellungen bearbeitet.
Um weitere Fragen zu klären, fördert das BMELV ein weiteres Forschungsprojekt der Stiftung Tierärztliche Hochschule (TiHo) Hannover unter Leitung von Prof. Dr. Martina Hoedemaker und in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Tiergesundheit, dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI). Dieses untersucht seit Februar 2012 die mögliche Bedeutung des Bakteriums Clostridium botulinum für die Milchleistung von Kühen.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen32
Welche Fragestellung enthält dieses Forschungsprojekt, und welche Ziele bzw. Fragestellung bearbeitet welche Institution?
Inwieweit ist es zur ausreichenden Klärung des Krankheitsgeschehens geeignet, und inwieweit ist absehbar, dass dazu weitere Forschungsprojekte erforderlich sind?
Welcher Mittelanteil entfällt auf welche Institution?
Welche Erfahrungen bezüglich der Fragestellungen des Forschungsprojekts können die Institutionen vorweisen, und aufgrund welcher Kriterien wurden sie ausgewählt?
Gab es Änderungen in der Höhe der bereitgestellten Forschungsmittel, und wenn ja, in welcher Höhe und warum?
Wurden die zusätzlich bereitgestellten Forschungsmittel in einem Ausschreibungsverfahren vergeben?
Wenn nein, warum nicht?
Welches Gremium bzw. welche Personen haben über die Vergabe der Forschungsmittel entschieden?
Trifft es zu, dass die erste Ausschreibung für das aktuelle Forschungsprojekt zurückgezogen wurde?
Wenn ja, wann, und hat sich die TiHo Hannover hier ebenfalls beworben?
Trifft es zu, dass der Forschungsverbund Botulinum bereits eine Fall-Kontroll-Studie durchgeführt hat und in diesem Rahmen auch eine Definition des „Chronischen Botulismus“ geliefert hat?
Haben die Forschungsergebnisse des Forschungsverbundes Botulinum die Voraussetzungen geliefert, betroffene von nicht betroffenen Betrieben zu unterscheiden?
Trifft es zu, dass im Rahmen des nun angelaufenen Forschungsprojekts der TiHo Hannover und dem FLI ebenfalls eine Fall-Kontroll-Studie durchgeführt wird?
Falls ja, welchen Mehrwert verspricht sich die Bundesregierung davon, zweimal Gelder in die gleiche Aufgabenstellung zu stecken, und worin liegen
a) die Gemeinsamkeiten und
b) die Unterschiede
beider Forschungsprojekte?
Falls das Ziel die Untersuchung von einer größeren Anzahl betroffener Tiere und Bestände ist, welche Gründe haben dann dagegen gesprochen, dem schon mit der Materie befassten Forschungsverbund Botulinum den Zuschlag für die Fortsetzung des Forschungsverbundes zu geben?
Sind die durchführenden Institutionen des aktuellen Forschungsprojekts angehalten, die Forschungsergebnisse des bereits 2007 bis 2010 durchgeführten Forschungsverbunds Botulinum zur Grundlage des aktuellen Forschungsvorhabens zu machen?
Falls ja, in welcher Form fließen diese in das aktuelle Forschungsprojekt ein, und falls nein, warum nicht?
Wie viele Betriebe werden im Rahmen des aktuellen Forschungsberichts untersucht, und welche Projektdauer ist hier vorgesehen?
Auf welcher Grundlage bzw. nach welchen Kriterien werden die Betriebe für das aktuelle Forschungsprojekt ausgesucht?
Wie viele Proben sollen im Rahmen des aktuellen Forschungsberichts untersucht werden (bitte nach Proben pro Betrieb, Tier und Substrat aufschlüsseln), und hält die Bundesregierung den Beprobungsplan und die Ressourcen der beteiligten Institutionen für ausreichend für eine zügige Klärung?
Ist im Rahmen des Projekts eine Zusammenarbeit mit den Labors geplant, die derzeit die Diagnostik durchführen, und wenn ja, in welcher Form, und wenn nein, warum nicht?
Sieht die Bundesregierung einen Konflikt in der im November 2011 erfolgten Berufung von Prof. Dr. Hans-Joachim Bätza als Honorarprofessor an die TiHo Hannover und der fast gleichzeitigen Vergabe der Fall-Kontroll-Studie an die TiHo Hannover?
Wenn nein, wie will die Bundesregierung die Unabhängigkeit der Vergabe der Forschungsmittel sowie der Forschungsergebnisse sicherstellen?
Trifft es zu, dass im Rahmen des Forschungsverbundes Botulinum, u. a. vom Rindergesundheitsdienst der Tierseuchenkasse Mecklenburg-Vorpommern, Daten in einer Fall-Kontroll-Studie erhoben wurden?
Wenn ja, was sind die Hauptergebnisse dieses Studienteils, und welche Rolle spielen die Ergebnisse in der nun angelaufenen Studie der TiHo Hannover?
Welches Testverfahren werden TiHo und FLI zum Nachweis des Toxins anwenden?
Liegt das durch die Bundesregierung beim FLI in Auftrag gegebene Protokoll zur Standardisierung des diagnostischen Prozederes vor?
Welche neuen Erkenntnisse gibt es zum Auftreten des chronischen Botulismus beim Menschen?
Plant die Bundesregierung hierzu ein Forschungsvorhaben, und wenn nein, warum nicht?
Welche Zwischenergebnisse des Forschungsprojektes „Abundanz und Vielfalt von Clostridien in landwirtschaftlichen Biogasanlagen unter besonderer Berücksichtigung von Clostridium botulinum“ des Thünen-Instituts für Regionalentwicklung e. V. und der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Göttingen (Laufzeit 2011 bis 2014) liegen derzeit vor?
Sind seitens der Bundesregierung die von den Tierhaltern zum Nachweis von Clostridium botulinum beauftragten privaten Labore in der Vergangenheit nach deren Ergebnissen befragt worden, bzw. werden aktuell Ergebnisse angefragt?
Wenn ja, welche Rückmeldungen hat die Bundesregierung erhalten?
Wenn nein, warum nicht?
Um wie viele private Labore handelt es sich nach Schätzung der Bundesregierung?
Welche Fortschritte sind in Bezug auf eine alternative Nachweismethode gemacht worden, über den Maus-Bioassaytest hinaus, und welche konkreten Maßnahmen hat die Bundesregierung hier ergriffen?
In welchen Ländern in der EU und darüber hinaus sind nach aktueller Kenntnis der Bundesregierung Fälle von möglichem chronischen Botulismus aufgetreten, und welche Maßnahmen wurden ggf. in jenen Ländern vorgenommen?
Liegen der Bundesregierung neue Erkenntnisse vor in Bezug auf den Zusammenhang zwischen Rückständen von Glyphosat im Darm von Menschen und Tieren und dem Auftreten der Rinderkrankheit, die im Verdacht steht, chronischer Botulismus zu sein?
Wurden die im vergangenen Herbst an das FLI gemeldeten möglichen Fallzahlen aus den Ländern weiter ausgewertet, und wenn ja, welche Einschätzung ergab sich daraus, und wenn nein, warum nicht?
Ist über die bereits im vergangenen Herbst an das FLI aus den Ländern gemeldeten möglichen Fallzahlen hinaus, eine kontinuierliche Sammlung möglicher Fälle erfolgt, und wenn ja, welche Zahlen haben sich hier ergeben, und wenn nein, warum nicht?