Programm zur Verbesserung der Lehrerbildung
der Abgeordneten Kai Gehring, Ekin Deligöz, Katja Dörner, Agnes Krumwiede, Monika Lazar, Tabea Rößner, Krista Sager, Ulrich Schneider und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Vorbemerkung
Das Image der Lehrer in Deutschland hat sich verbessert. In der Studie „Lehre(r) in Zeiten der Bildungspanik“ des INSTITUT FÜR DEMOSKOPIE ALLENSBACH Gesellschaft zum Studium der öffentlichen Meinung mbH, die im April 2012 veröffentlicht wurde, landeten die Lehrer auf der Beliebtheitsskala auf Platz vier – hinter Ärzten, Krankenschwestern und Polizisten. In derselben Studie beklagten sich die Hälfte der befragten Lehrkräfte, dass sie sich durch ihre Ausbildung nur unzureichend vorbereitet fühlen. Unter den jungen Lehrern, die bis zu fünf Jahre im Beruf sind, waren es sogar 62 Prozent. 20 Prozent aller Lehrer empfanden den Einstieg ins Berufsleben als Praxisschock.
Mängel und Probleme in der Lehramtsausbildung wollen Bund und Länder mit einem Programm zur Verbesserung der Lehrerbildung beheben. Während die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Dr. Annette Schavan, in Richtung einer „Exzellenzinitiative Lehrerbildung“ gehen will, schlägt die Kultusministerkonferenz (KMK) ein breiter ausgerichtetes Programm zur Verbesserung der Ausbildung von Lehrkräften vor. Nach dem KMK-Beschluss für eine „Bund-Länder-Initiative Lehrerbildung“ vom 8. März 2012 sollen der Praxisbezug während des Studiums, die Studienberatung und -begleitung, die Strukturen des Studiums und Fortentwicklung der Lehrerbildung in Bezug auf die Anforderungen der Heterogenität und Inklusion zentrale Ziele der Initiative sein. Die Förderung geeigneter Projekte an den einzelnen Hochschulen soll dabei in einem wettbewerblichen Verfahren stattfinden.
Die Länder haben sich im Rahmen der KMK auf Eckpunkte geeinigt, welche inhaltliche Ausrichtung die Initiative haben soll.
Wir fragen wir die Bundesregierung:
A. Vorstellungen der Bundesregierung für eine Initiative zur Lehrerbildung
Fragen29
Auf wie viele Jahre ist die Bund-Länder-Initiative Lehrerbildung angelegt, und ist eine Verstetigung oder eine Verlängerung angedacht?
Wann soll die Förderung der ersten Projekte starten?
Wie will die Bundesregierung sicherstellen, dass die geförderten Projekte auch langfristig bestehen können?
Inwiefern wird innerhalb des wettbewerblichen Verfahrens eine regional ausgewogene Verteilung der Mittel berücksichtigt?
Wie viele Projekte sollen nach Auffassung der Bundesregierung insgesamt gefördert werden?
In welchem Verhältnis wird die Gesamtförderungssumme auf die einzelnen Projekte umgelegt, und nach welchen Kriterien entscheidet sich die Festsetzung der einzelnen Fördersummen?
Gibt es Ober- und Untergrenzen für die Einzelförderungssummen (bitte Fragen einzeln beantworten)?
Wie hoch ist das vorgesehene Gesamtbudget der Initiative, und wie gliedert es sich auf die einzelnen Haushaltsjahre auf?
Wie hoch wird der Finanzierungsanteil des Bundes an der Initiative liegen, und nach welchem Schlüssel erfolgt die Finanzierung durch die Länder?
Werden für die Initiative zusätzliche Haushaltsmittel zur Verfügung gestellt, oder werden die Mittel durch Kürzungen in anderen Bereichen erwirtschaftet?
Wenn die Mittel durch Kürzungen erwirtschaftet werden müssen, welche Bereiche soll es betreffen?
Ist nach Umsetzung der Initiative eine Evaluierung geplant?
Wenn ja, wann wird diese stattfinden, und welche Kriterien werden für die Evaluation zugrunde gelegt werden?
Anhand welcher Kriterien wird die Bundesregierung über eine Verlängerung der Initiative entscheiden?
Was macht aus Sicht der Bundesregierung eine qualitativ herausragende Lehrerausbildung aus?
Welche Mängel bestehen aktuell in den praktischen Studienphasen der Lehrerausbildung aus Sicht der Bundesregierung?
Gibt es entsprechende Untersuchungen bzw. Studien in diesem Bereich, und wenn ja, zu welchen Ergebnissen sind diese Untersuchungen gekommen?
Sollen im Rahmen der Initiative nach Ansicht der Bundesregierung auch die Lehrämter für die Sekundarstufe II (berufliche Fächer) und für die beruflichen Schulen einbezogen werden?
Sollen im Rahmen der Initiative auch Projekte zur Einrichtung einer „Jobrotation“, d. h. konkret eines zeitlich befristeten Angebots eines gegenseitigen Berufsaustausches, gefördert werden?
Wenn nein, warum nicht?
Welche Konsequenzen zieht die Bundesregierung aus dem KMK-Beschluss „Bund-Länder-Initiative Lehrerbildung“ vom 8. März 2012, und wie passt er zu den Planungen des BMBF für eine wettbewerbliche Ausrichtung nach dem Muster einer Exzellenzinitiative Lehrerbildung?
Hält die Bundesregierung die fünf von den Ländern genannten Schwerpunkte „1. Profilierung und Optimierung der Strukturen der Lehrerbildung an den Hochschulen; 2. Qualitätsverbesserung des Praxisbezuges in der Lehrerbildung; 3. Verbesserung der professionsbezogenen Beratung und Begleitung der Studierenden in der Lehrerausbildung; 4. Fortentwicklung der Lehrerbildung in Bezug auf die Anforderungen der Heterogenität und Inklusion; 5. Fortentwicklung der Fachlichkeit, Didaktik und der Bildungswissenschaften“ für die zentralen Modernisierungsbereiche?
Welche eigenen Schwerpunkte wird die Bundesregierung in die Verhandlungen einbringen?
Welche Gewichtung soll nach Auffassung der Bundesregierung den im KMK-Beschluss vom 8. März 2012 genannten fünf Themenkomplexen als Bewertungskriterium für die Förderfähigkeit eines Antrages im Verhältnis untereinander zukommen?
Welche Rahmenvorgaben erachtet die Bundesregierung für die Qualifizierung schulischer Mentoren für die Praxisphasen als wichtig?
Anhand von welchen zentralen Fragestellungen soll die im KMK-Beschluss vom 8. März 2012 angestrebte Evaluierung der verschiedenen Praxisformate der Lehrerausbildung geschehen?
Welche Akteure sollen hierzu konkret befragt werden, und wer soll die Evaluation durchführen?
Wer soll über die Auswahl der Bewerber entscheiden?
Nach welchem Schlüssel werden Bund und Länder die Mitglieder des Auswahlgremiums besetzen?
Liegen der Bundesregierung aktuelle Zahlen zur Inlandsmobilität von Lehramtsstudierenden vor, und wenn ja, wie hoch war die Zahl der Studierenden, die in letzten fünf Jahren im Rahmen ihres Lehramtsstudiums das Bundesland gewechselt haben (Anzahl und prozentualer Anteil)?
Liegen der Bundesregierung Zahlen über die Anerkennung in einem anderen Bundesland erworbener Studienleistungen vor, und wie bewertet sie diese?
Soll im Rahmen der Initiative auch die Mobilität von Lehramts-Lehrenden an Hochschulen gefördert werden?
Wenn ja, wie?
Wenn nein, warum nicht?
Wo liegen aus Sicht der Bundesregierung aktuell Defizite in der Studienberatung für die Lehramtsausbildung?
Gibt es hierzu entsprechende Studien/Erhebungen, und wenn ja, zu welchen Ergebnissen sind diese Studien gekommen?
Liegen der Bundesregierung Statistiken über die Nachfrage nach Studiengängen für Quer- und Seiteneinsteiger vor?
Wenn ja, wie hoch war in den letzten fünf Jahren die Zahl der Interessenten für solche Studiengänge, und wie viele Studienplätze standen hierfür in welchem Bundesland zur Verfügung (bitte nach Fächern und Schultypen ausdifferenzieren einschließlich der beruflichen Schulen)?
Aus welchen Berufsfeldern kamen die Studierenden dieser Studiengänge, und welches waren zuvor ihre Einsatzorte?
Welche Ergebnisse der empirischen Bildungsforschung aus dem Bereich der „Zukunftswerkstatt Hochschullehre“ fließen in die Ausgestaltung der Initiative ein?
Etwa aus „GenderMathematik – Genderkompetenz als innovatives Element der Professionalisierung der Lehrer-/Lehrerinnenausbildung für das Fach Mathematik“ oder „LehrOptim – Effizienz und Effektivität der neuen gestuften Lehrerbildung – curriculare und Lehr-Lern-Prozess-Gestaltung, Kompetenzerwerb und Effektverstetigung im Master of Education“ oder anderen?