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Kleine AnfrageWahlperiode 17Beantwortet

Zwischenbilanz der Charta für Holz

Gesamtbilanz seit 2004, Umsetzung der Teilziele : Steigerung der Nachfrage nach heimischem Holz, qualitative und quantitative Optimierung des Holzangebots, Forschung und Entwicklung sowie Aus- und Fortbildung im Forst-, Holz- und Holzproduktbereich; Charta-Management<br /> (insgesamt 45 Einzelfragen)

Fraktion

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ressort

Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Datum

12.09.2012

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 17/1056128. 08. 2012

Zwischenbilanz der Charta für Holz

der Abgeordneten Cornelia Behm, Hans-Josef Fell, Bettina Herlitzius, Bärbel Höhn, Oliver Krischer, Undine Kurth (Quedlinburg), Friedrich Ostendorff, Dorothea Steiner, Markus Tressel, Dr. Valerie Wilms und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Vorbemerkung

Die im Jahr 2004 von der Bundesregierung beschlossene Charta für Holz verfolgte als Hauptziel die Steigerung des Pro-Kopf-Verbrauchs von Holz und Holzprodukten in Deutschland um 20 Prozent. Dabei ging es vor allem um die stoffliche Verwertung von Holz, insbesondere im Baubereich.

Seither haben sowohl die Holzeinschläge in Deutschland als auch der Holzverbrauch, insbesondere zur Erzeugung von Wärme und Strom, erheblich zugenommen. Laut Inventurstudie 2008 sind im Zeitraum von 2002 bis 2008 bereits 93 Prozent des Zuwachses durch Holzeinschlag und natürlichen Abgang abgeschöpft worden. Spätestens die Bundeswaldinventur III wird zeigen, inwieweit dieser Anteil weiter gestiegen ist und ob womöglich bereits eine Trendwende zum Vorratsabbau stattgefunden hat. Experten haben prognostiziert, dass im Jahr 2020 die Holzbereitstellung in Deutschland jährlich mehr als 30 Millionen Kubikmeter unter dem Bedarf liegen könnte (sog. Holzlücke).

Acht Jahre nach Verabschiedung der Charta für Holz durch die Bundesregierung ist daher eine Zwischenbilanz überfällig, um zu überprüfen, welche der gesetzten Ziele erreicht, welche Maßnahmen in welchem Maße umgesetzt wurden, und ob und welche Ungleichgewichte es bei der Entwicklung des Holzverbrauchs gegeben hat. Vor allem aber ist es nötig zu überprüfen, welche der Ziele heute noch aktuell sind, welche Ziele durch die Entwicklungen der letzten Jahre nicht mehr weiterverfolgt werden sollten, um einer Übernutzung und nichtnachhaltigen Nutzung der Wälder rechtzeitig entgegenwirken zu können, und wo gegebenenfalls weiter an der Umsetzung gearbeitet werden sollte.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen45

1

Welche Gesamtbilanz zieht die Bundesregierung acht Jahre nach Verabschiedung der Charta für Holz?

2

Welche der quantitativen und der qualitativen Ziele konnten im Wesentlichen erreicht bzw. welche Maßnahmen im Großen und Ganzen umgesetzt werden, und welche nicht?

3

Welche der nicht erreichten Ziele und nicht umgesetzten Maßnahmen hält die Bundesregierung in Anbetracht der Entwicklung der letzten Jahre nicht mehr für zeitgemäß bzw. ihre Umsetzung nicht mehr für erforderlich?

4

An welchen nicht erreichten Zielen und nicht umgesetzten Maßnahmen sollte aus ihrer Sicht festgehalten werden?

5

Welche wesentlichen Ziele und Maßnahmen fehlen aus heutiger Sicht in der Charta für Holz, die man bei einer heute zu formulierenden Charta aufnehmen sollte?

6

In welchem Maß wurde das erste Teilziel, den Pro-Kopf-Verbrauch von Holz und Holzprodukten aus nachhaltiger Erzeugung in Deutschland um 20 Prozent von 1,1 Kubikmetern auf 1,3 Kubikmeter zu steigern, erreicht?

Erstes Teilziel: Nachfrage nach heimischem Holz steigern

7

Wie bewertet die Bundesregierung diese Entwicklung angesichts der aktuellen Diskussion über den knapper werdenden Rohstoff Holz und von Prognosen, dass im Jahr 2020 die Holzbereitstellung in Deutschland jährlich mehr als 30 Millionen Kubikmeter unter dem Bedarf liegen könnte?

8

In welchen Verwendungsbereichen (Energie, Holzbau und sonstige stoffliche Verwertung) ist der Holzverbrauch nach Kenntnis der Bundesregierung in welchem Maß gestiegen?

9

Wie bewertet die Bundesregierung diese Entwicklung? Sieht sie darin ein Ungleichgewicht? Wenn nein, warum nicht?

10

In welchem Maß haben Bund und nach Kenntnis der Bundesregierung Länder und Gemeinden mit dem Bau repräsentativer, holzbetonter öffentlicher Bauten Signale gesetzt?

11

In welchem Maß und durch welche Maßnahmen haben Bund und nach Kenntnis der Bundesregierung Länder und Gemeinden durch öffentlichkeitswirksames Eintreten für eine stärkere Holzverwendung Vorbildfunktion entfaltet?

12

In welchem Maß und durch welche Maßnahmen haben Bund und nach Kenntnis der Bundesregierung Länder und Gemeinden die Beschaffungsregeln so ausgestaltet, dass eine präferierte Verwendung von Holz unter Beachtung des Grundsatzes der Wirtschaftlichkeit im konkreten Fall erreicht wird?

13

In welchem Maß und durch welche Maßnahmen konnten bestehende Hemmnisse im Bereich Bauen mit Holz durch den Bund und nach Kenntnis der Bundesregierung die Länder und die Kommunen abgebaut und zukünftige verhindert werden?

14

In welchem Maß und durch welche Maßnahmen konnten bestehende Hemmnisse im Bereich Heizen mit Holz durch den Bund und nach Kenntnis der Bundesregierung die Länder und die Kommunen abgebaut und zukünftig verhindert werden?

15

Konnte der Abschluss einer freiwilligen Selbstverpflichtungserklärung des Holzhandels zum Ausschluss illegal eingeschlagenen Holzes erreicht werden?

16

In welchem Maß und durch welche Maßnahmen haben nach Kenntnis der Bundesregierung die umfassenden Vorteile von Holz als moderner, nachhaltiger Rohstoff stärker Eingang in die Öffentlichkeitsarbeit der Länder, der beteiligten holz- und forstwirtschaftlichen Verbände und der Holz- und Forstwirtschaft gefunden?

17

In welchem Maß konnte nach Kenntnis der Bundesregierung die verstärkte Einbindung bzw. Schaffung von unabhängigen Beratungseinrichtungen (z. B. Verbraucherzentralen, Holzkompetenzzentren) auf regionaler Ebene erreicht werden?

18

In welchem Maß wurden überzeugende Referenzobjekte zum Bauen mit Holz stärker in die Öffentlichkeitsarbeit für eine verstärke Holzverwendung eingebunden?

19

In welchem Maß und durch welche Maßnahmen konnte das zweite Teilziel, das Holzangebot qualitativ und quantitativ zu optimieren, insgesamt erreicht werden?

Zweites Teilziel: Holzangebot qualitativ und quantitativ optimieren

20

In welchem Maß und durch welche Maßnahmen konnten die Bereitstellungskosten für Holz gesenkt werden?

21

In welchem Maß und durch welche Maßnahmen konnte die Kooperation zwischen Forst- und Holzwirtschaft verbessert werden?

22

In welchem Umfang und durch wen wurde dazu eine Analyse der regionalen Ressourcen und Kapazitäten (Clusteranalyse) vorgenommen?

23

In welchem Umfang wurde darauf aufbauend ein Clustermanagement für Modellregionen entwickelt?

24

In welchem Maß und mit welchen Maßnahmen wurde der Prozess der Standardisierung und Qualitätssicherung fortgeführt, um mit dem Roh- und Werkstoff Holz breitere und neue Märkte zu erschließen?

25

In welchem Maß und mit welchen Maßnahmen wurde die Holznormung z. B. im Bereich des konstruktiven und chemischen Holzschutzes an den Stand von Wissenschaft und Technik angepasst?

26

In welchem Maß und durch welche Maßnahmen konnten zur Qualitätssicherung vorhandene Zeichen stärker genutzt und durch weitere Informationselemente angereichert werden?

27

Konnten zur Verbesserung der Logistik ein Navigations- und Routingsystem „Forst“ (Geodat) fertiggestellt und die Anwender entsprechend geschult werden?

28

In welchem Maß und durch welche Maßnahmen konnte eine europaweite Angleichung der Transportbedingungen für Holz erreicht werden?

29

In welchem Maß und durch welche Maßnahmen konnten zur Optimierung der Holzbereitstellung die Organisationseinheiten im Kleinprivatwald nach Kenntnis der Bundesregierung vergrößert werden?

30

In welchem Maß und durch welche Maßnahmen konnte die Holzvermarktung durch forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse nach Kenntnis der Bundesregierung erleichtert werden?

31

In welchem Maß und durch welche Maßnahmen konnte das Betriebsmanagement in der Forstwirtschaft zur Optimierung der Holzbereitstellung nach Kenntnis der Bundesregierung professionalisiert werden?

32

In welchem Maß und durch welche Maßnahmen wurden zur Optimierung der Holzbereitstellung selbstständige Existenzen z. B. im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ gefördert (bitte nach Jahren, Fördermitteln, Projekten aufschlüsseln)?

33

Welche gemeinsamen Anstrengungen zur Motivation und Schulung der privaten Waldbesitzer mit dem Ziel der Optimierung der Holzbereitstellung gab es nach Kenntnis der Bundesregierung? Mit welchem Ergebnis?

34

In welchem Maß und durch welche Maßnahmen wurde nach Kenntnis der Bundesregierung die Forsttechnik zur bedarfsgerechten und kostengünstigen Holzbereitstellung weiterentwickelt und ihre Akzeptanz verbessert?

35

In welchem Maß und durch welche Maßnahmen ist das Ziel insgesamt erreicht worden, Forschung und Entwicklung im Forst-, Holz- und Holzproduktbereich zu intensivieren?

Drittes Teilziel: Forschung, Entwicklung und Bildung

36

In welchem Maß ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Forschung zu Ökobilanzen und zur CO2-Bilanzierung verstärkt worden?

37

Wie viele spezielle Lehrstühle für den Holzbau sind nach Kenntnis der Bundesregierung eingerichtet worden?

38

Welche Maßnahmen sind nach Kenntnis der Bundesregierung im Bereich der Aus- und Fortbildung für Architekten ergriffen worden?

39

Welche Maßnahmen sind nach Kenntnis der Bundesregierung im Bereich der Aus- und Fortbildung im Bereich der Bioenergie ergriffen worden?

40

Welche Maßnahmen sind nach Kenntnis der Bundesregierung für den Lernort Wald ergriffen worden? Mit welchem Ergebnis?

41

In welchem Maß und durch welche Maßnahmen ist das Ziel erreicht worden, innovative Einkommensquellen für die Forstwirtschaft zu erschließen?

42

Hat die Steuerungsgruppe, die zur Umsetzung der Charta für Holz eingesetzt werden sollte, wie geplant die Mitglieder der Managementgruppen für die einzelnen Maßnahmenblöcke und den jeweiligen hauptverantwortlichen Akteur benannt? Wenn nein, warum nicht?

Umsetzung (Charta-Management)

43

In welchem Maß haben die Managementgruppen wie geplant die Umsetzung der Maßnahmen gemeinsam organisiert und vorangebracht und zielorientierte Umsetzungskonzepte mit entsprechenden Zeitplänen erarbeitet und die konkrete Umsetzung bis zum Abschluss begleitet?

44

Hat die Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft mindestens alle zwei Jahre den Pro-Kopf-Verbrauch von nachhaltig erzeugtem Holz und von nachhaltig erzeugten Holzprodukten in Deutschland berechnet und der Steuerungsgruppe vorgelegt, und wenn ja, wie lauteten diese Zwischenergebnisse? Wenn nein, warum nicht?

45

Hat die Steuerungsgruppe die vorgelegten Daten bewertet und gegebenenfalls über Anpassungen entschieden? Wenn ja, wie wurden diese Daten bewertet, und welche Anpassungen wurden beschlossen? Wenn nein, warum nicht?

Berlin, den 28. August 2012

Renate Künast, Jürgen Trittin und Fraktion

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