Toxikologische Bewertung bleifreier Jagdmunition
der Abgeordneten Cornelia Behm, Undine Kurth (Quedlinburg), Dorothea Steiner, Harald Ebner, Bärbel Höhn, Sylvia Kotting-Uhl, Nicole Maisch, Friedrich Ostendorff, Markus Tressel und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Vorbemerkung
Die Verwendung bleihaltiger Jagdmunition steht seit Langem in der Kritik, weil sie zu einem vermeidbaren Eintrag von Blei in die Umwelt und so zu tödlichen Vergiftungen insbesondere von aasfressenden Wildtieren und zu Bleibelastungen beim Konsum von Wildbret führt bzw. führen kann. Ein Verbot bleihaltiger Jagdmunition ist aus diesen Gründen und angesichts vorhandener Alternativen überfällig.
Gegenüber einem Verbot bleihaltiger Jagdmunition und einer Einführung bleifreier Jagdmunition gibt es jedoch bis heute Widerstände. Die vorgebrachten Sicherheitsbedenken konnten mittlerweile ausgeräumt werden. Bedenken im Hinblick auf die unzureichende Tötungswirkung alternativer Geschosse werden derzeit in einem Gutachten geprüft, mit dessen Ergebnissen demnächst zu rechnen ist. Es lässt sich aber bereits heute aufgrund praktischer Erfahrungen sagen, dass es möglich ist, auch mit geeigneter bleifreier Munition tierschutzgerecht zu töten.
Ins Feld geführt werden auch Bedenken in Bezug auf die mögliche Toxizität alternativer Geschossmaterialien. Zwar reichen diese nach Expertenmeinung nicht aus, um als Argument gegen ein Verbot bleihaltiger Jagdmunition dienen zu können, da die Toxizität von Blei auf jeden Fall höher einzuschätzen ist als die der tatsächlich in Betracht kommenden alternativen Geschossmaterialien. Sie weisen dennoch zu Recht darauf hin, dass auch bei alternativen Geschossmaterialien abgeschätzt und geprüft werden müsse, ob sie möglicherweise aus toxikologischer Sicht als Ersatz für Bleimunition ungeeignet sind. In diesem Zusammenhang wird deutlich, wie problematisch es ist, dass es bisher keine Prüf- und Zulassungsverfahren für Jagdmunition gibt.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen12
Welche Bestandteile enthält nach Kenntnis der Bundesregierung die herkömmliche bleihaltige Jagdmunition, und wie verhalten sich diese Stoffe in der Umwelt und im Wildkörper?
Wie verhalten sich nach Kenntnis der Bundesregierung alternative Geschossmaterialien wie Zinn, Zink, Weicheisen, Wolfram, Wismut, Messing oder Kupfer in der Umwelt und im Wild?
Wie ist dieses Verhalten jeweils im Vergleich zu Blei zu bewerten?
Wie sind diese alternativen Geschossmaterialien im Vergleich zu Blei bezüglich ihrer toxikologischen Auswirkungen auf den Menschen und ihrer ökotoxikologischen Auswirkungen auf Flora und Fauna zu bewerten?
In welchem Ausmaß ist bei alternativen Geschossmaterialien mit Rückständen im Wildbret zu rechnen?
Wie sind diese alternativen Geschossmaterialien als mögliche Auslöser von Allergien beim Menschen zu bewerten?
Welches ist in der Gesamtsicht das nach Kenntnis der Bundesregierung aus toxikologischer Sicht am besten geeignete alternative Geschossmaterial?
Welche Materialien sind außerdem geeignet?
Welche sind ungeeignet?
Welche Mechanismen könnten und sollten geschaffen werden, um neben Blei gegebenenfalls auch andere ungeeignete Geschossmaterialien auszuschließen?
Wird die Bundesregierung für Jagdmunition ein Prüf- und Zulassungsverfahren schaffen, und wenn nein, warum nicht?
Wie sind die aus toxikologischer und technischer Sicht geeigneten Geschossmaterialien aus Sicht des Ressourcenschutzes bzw. -verbrauchs sowie in Bezug auf die mit ihrer Gewinnung verbundenen Umweltbelastungen und -schäden zu bewerten?
Sind nach Kenntnis der Bundesregierung bei der Verwendung alternativer Geschossmaterialien mit einem geringeren spezifischen Gewicht gegenüber Blei grundsätzlich größere Kaliber bzw. Geschossdurchmesser notwendig, um eine adäquate und tierschutzgerechte Jagdausübung zu gewährleisten?
Welche Umrüstungen der vorhandenen Schießstätten sind nach Auffassung der Bundesregierung bei einem Verbot bleihaltiger Jagdmunition unter Sicherheitsaspekten erforderlich?
Welche Übergangsfristen sind nach Auffassung der Bundesregierung bei einem Verbot bleihaltiger Jagdmunition notwendig, um in einem angemessenen Zeitraum eine Umrüstung der Jagdausübenden, der Schießstätten usw. zu ermöglichen?