Langzeitarbeitslosigkeit
der Abgeordneten Brigitte Pothmer, Beate Müller-Gemmeke, Markus Kurth, Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn, Birgitt Bender, Katrin Göring-Eckardt, Britta Haßelmann, Priska Hinz (Herborn), Sven-Christian Kindler, Maria Klein-Schmeink, Oliver Krischer, Dr. Tobias Lindner, Elisabeth Scharfenberg, Dr. Gerhard Schick und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Vorbemerkung
In Deutschland ist nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) fast die Hälfte der Arbeitslosen länger als ein Jahr ohne Job. Damit liegt der Anteil der Langzeitarbeitslosen hierzulande deutlich über dem OECD- und dem EU-Durchschnitt.
Langzeitarbeitslosigkeit stellt für die Betroffenen eine große Belastung dar. Sie werden häufig ausgegrenzt, kaum gefördert und bleiben beruflich abgehängt. Je länger Arbeitslosigkeit dauert, umso geringer ist die Chance auf einen neuen Job.
Häufig verfügen Langzeitarbeitslose über keine abgeschlossene Berufsausbildung oder haben gesundheitliche Probleme. Viele von ihnen sind alleinerziehend oder älter als 50 Jahre. Diese Menschen profitieren kaum vom Aufschwung. Nur 15 Prozent derjenigen, die im vergangenen Jahr ihre Langzeitarbeitslosigkeit beenden konnten, haben einen Job am ersten Arbeitsmarkt gefunden.
Um auch dem sogenannten harten Kern der Langzeitarbeitslosen neue berufliche Optionen zu eröffnen, bedarf es einer Intensivierung der individuellen Unterstützung, der Ausweitung von Weiterbildungsangeboten und eines sozialen Arbeitsmarktes. Die Bundesregierung hat aber die Mittel für die Arbeitsförderung, also für die Unterstützung und Qualifizierung Arbeitsloser, in den vergangenen Jahren erheblich reduziert. Im Haushaltsplanentwurf 2013 sind zudem weitere Kürzungen bei der Bundesagentur für Arbeit und bei den Jobcentern vorgesehen.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen25
Wie viele Menschen waren in den Jahren 2009, 2010 und 2011 durchschnittlich langzeitarbeitslos?
Wie viele von ihnen waren weiblich, wie viele männlich (Angaben bitte in absoluten Zahlen und in Prozent)?
Wie viele von ihnen waren alleinerziehend (Angaben bitte in absoluten Zahlen und in Prozent)?
Wie viele von ihnen waren 15 bis unter 25 Jahre bzw. 50 Jahre und älter (Angaben bitte in absoluten Zahlen und in Prozent)?
Wie viele von ihnen waren Deutsche, wie viele Ausländer (Angaben bitte in absoluten Zahlen und in Prozent)?
Wie viele von ihnen hatten keine abgeschlossene Berufsausbildung (Angaben bitte in absoluten Zahlen und in Prozent)?
Wie viele von ihnen waren Menschen mit Behinderung (Angaben bitte in absoluten Zahlen und in Prozent)?
Wie viele von ihnen waren gesundheitlich eingeschränkt (Angaben bitte in absoluten Zahlen und in Prozent)?
Wie viele von ihnen gehörten zum Rechtskreis des Zweiten Buches Sozialgesetzbuch (SGB II) bzw. des SGB III (Angaben bitte in absoluten Zahlen und in Prozent)?
Wie hat sich die Langzeitarbeitslosigkeit im Vergleich zur Arbeitslosigkeit insgesamt in den Jahren 2009, 2010 und 2011 entwickelt (Angaben bitte als Anstieg/Rückgang der absoluten Zahlen bzw. der Arbeitslosen-/ Langzeitarbeitslosenquote und nach Rechtskreisen differenzieren)?
Wie hätten sich die Anzahl der Langzeitarbeitslosen und der Anteil der Langzeitarbeitslosen an allen Arbeitslosen in den Jahren 2009, 2010 und 2011 entwickelt, wenn, anders als in § 53a SGB II geregelt, erwerbsfähige Leistungsberechtigte, die nach Vollendung des 58. Lebensjahres mindestens für die Dauer von zwölf Monaten Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende bezogen haben, ohne dass ihnen eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung angeboten worden ist, weiterhin als arbeitslos gelten würden (Angaben bitte in absoluten Zahlen und in Prozent)?
Wie hätte sich, bezogen auf den Rechtskreis des SGB II, die Langzeitarbeitslosigkeit im Vergleich zur Arbeitslosigkeit in den Jahren 2009, 2010 und 2011 entwickelt, wenn, anders als in § 53a SGB II geregelt, erwerbsfähige Leistungsberechtigte, die nach Vollendung des 58. Lebensjahres mindestens für die Dauer von zwölf Monaten Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende bezogen haben, ohne dass ihnen eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung angeboten worden ist, weiterhin als arbeitslos gelten würden (Angaben bitte als Anstieg/Rückgang der absoluten Zahlen bzw. der Arbeitslosen-/Langzeitarbeitslosenquote und nach Rechtskreisen differenzieren)?
Wie viel Prozent derjenigen, die ihre Langzeitarbeitslosigkeit in den Jahren 2009, 2010 und 2011 beenden konnten, haben einen Arbeitsplatz am ersten Arbeitsmarkt gefunden (Angaben wenn möglich aufgeschlüsselt nach sozialversicherungspflichtiger und geringfügiger Beschäftigung sowie nach den in den Fragen 1a bis 1h genannten Gruppen)?
Wie viele der Menschen, die ihre Langzeitarbeitslosigkeit in den Jahren 2009, 2010 und 2011 beenden konnten und einen Arbeitsplatz am ersten Arbeitsmarkt gefunden haben, waren nach drei, sechs bzw. zwölf Monaten erneut arbeitslos?
Wie viele der Langzeitarbeitslosen waren in den Jahren 2009, 2010 und 2011 länger als 24 bzw. 36 Monate und länger arbeitslos (Angaben bitte in absoluten Zahlen sowie relativ zu allen Langzeitarbeitslosen)?
Wie viele Langzeitarbeitslose haben in den Jahren 2009, 2010 und 2011 eine Maßnahme der geförderten beruflichen Weiterbildung mit dem Ziel eines Berufsabschlusses begonnen bzw. mit einem Berufsabschluss beendet, und wie hoch war in den jeweiligen Jahren der Anteil Langzeitarbeitsloser an den Eintritten in Maßnahmen der geförderten beruflichen Weiterbildung mit dem Ziel eines Berufsabschlusses bzw. an denjenigen, die eine solche Maßnahme mit einem Berufsabschluss beendeten (Angaben wenn möglich aufgeschlüsselt nach den in den Fragen 1a bis 1h genannten Gruppen)?
Wie viele Langzeitarbeitslose haben in den Jahren 2009, 2010 und 2011 eine mit dem Eingliederungszuschuss geförderte Beschäftigung begonnen, und wie hoch war der Anteil Langzeitarbeitsloser in den jeweiligen Jahren an den Personen, die eine mit dem Eingliederungszuschuss geförderte Beschäftigung begonnen haben (Angaben wenn möglich aufgeschlüsselt nach den in den Fragen 1a bis 1h genannten Gruppen)?
Für wie viele Langzeitarbeitslose wurde in den Jahren 2009, 2010 und 2011 Einstiegsgeld bei abhängiger sozialversicherungspflichtiger Erwerbstätigkeit nach §16b SGB II bewilligt, und wie hoch war der Anteil Langzeitarbeitsloser an allen Personen, für die in den jeweiligen Jahren Einstiegsgeld bei abhängiger sozialversicherungspflichtiger Erwerbstätigkeit bewilligt wurde?
Wie viele Langzeitarbeitslose haben in den Jahren 2009, 2010 und 2011 eine mit dem Einstiegsgeld geförderte selbstständige Erwerbstätigkeit nach §16b SGB II begonnen, und wie hoch war der Anteil Langzeitarbeitsloser an den Personen, die in den jeweiligen Jahren eine mit dem Einstiegsgeld geförderte selbstständige Erwerbstätigkeit begonnen haben?
Für wie viele Langzeitarbeitslose wurde in den Jahren 2009, 2010 und 2011 eine Förderung der Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit mit dem Gründungszuschuss nach § 93 SGB III bewilligt, und wie hoch war der Anteil Langzeitarbeitsloser in den jeweiligen Jahren an allen neu bewilligten Förderungen über den Gründungszuschuss?
Wie viele Langzeitarbeitslose haben in den Jahren 2009, 2010 und 2011 eine Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung bzw. in der Entgeltvariante begonnen, und wie hoch war der Anteil Langzeitarbeitsloser an allen Personen, die in den jeweiligen Jahren eine Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung bzw. in der Entgeltvariante begonnen haben?
Wie viele Langzeitarbeitslose haben in den Jahren 2009, 2010 und 2011 Leistungen zur beruflichen Rehabilitation erhalten, und wie beurteilt und unterstützt die Bundesregierung die Zusammenarbeit der Rehabilitationsträger zur Sicherung der Verknüpfung der medizinischen Rehabilitation?
Wie viele Personen wurden in den Jahren 2009, 2010 und 2011 mit dem Beschäftigungszuschuss gefördert?
Wie viele Langzeitarbeitslose haben derzeit einen sogenannten Bürgerarbeitsplatz, wie hoch ist der Anteil der Langzeitarbeitslosen an den „Bürgerarbeitern/Bürgerarbeiterinnen“, und wie viele Langzeitarbeitslose waren in die der eigentlichen Bürgerarbeit vorgeschalteten „Aktivierungsphase“ einbezogen, bzw. wie hoch war der Anteil der Langzeitarbeitslosen an allen in die „Aktivierungsphase“ einbezogenen Arbeitslosen?
Wie beurteilt die Bundesregierung die Chancen Langzeitarbeitsloser am Arbeitsmarkt, und welche Maßnahmen wird die Bundesregierung ergreifen, um die beruflichen Perspektiven für Langzeitarbeitslose zu verbessern und so auch dem zunehmenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken?