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Kleine AnfrageWahlperiode 18Beantwortet

Rückgang von Bestäuber-Insekten, insbesondere Wildbienen

Entwicklung der Situation von Bestäuber-Insekten (Wildbienen, Schmetterlinge) seit den 1980er Jahren, gefährdete Arten, Ursachen der Populationsrückgänge, Einfluss des landwirtschaftlichen Herbizideinsatzes (Glyphosat), Düngungseffekte im Grünland auf Blütenarmut als Nahrungsangebot, Einfluss der Grünlandbewirtschaftung auf Pflanzenarten und Bienenbestände, Auswirkungen des Bestäuber-Insekten-Rückgangs auf Ökosysteme und Nahrungsmittelproduktion, Kosten bzw. gesamtwirtschaftlicher Schaden, Maßnahmen gegen das Aussterben, Wildbienenmonitoring, umweltpolitische Maßnahmen der EU-Agrarpolitik<br /> (insgesamt 16 Einzelfragen)

Fraktion

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ressort

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

Datum

25.02.2016

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 18/749208.02.2016

Rückgang von Bestäuber-Insekten, insbesondere Wildbienen

der Abgeordneten Steffi Lemke, Harald Ebner, Annalena Baerbock, Matthias Gastel, Bärbel Höhn, Oliver Krischer, Christian Kühn (Tübingen), Nicole Maisch, Peter Meiwald, Friedrich Ostendorff, Markus Tressel, Dr. Julia Verlinden und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Vorbemerkung

Die Zahl und Vielfalt bestäubender Insekten wie Wild- und Honigbienen, aber auch Käfer, Fliegen und Schmetterlinge, die ebenso bei der Bestäubung von Pflanzen eine Rolle spielen, geht seit einigen Jahrzehnten dramatisch zurück. Dies hat gravierende Folgen für die Biodiversität und auch für die Produktion unserer Nahrungsmittel.

Vier Fünftel der bei uns heimischen Nutz- und Wildpflanzen sind auf die Arbeit von Honig- und Wildbienen angewiesen, von Obstbäumen über Erdbeeren bis hin zu Sonnenblumen (www.biodiversity.de/index.php/ipbes/news). Dabei haben gerade die Wildbienen eine bisher unterschätzte Rolle: Eine optimale Bestäubungsleistung und somit auch hohe landwirtschaftliche Erträge können nur durch Honig- und Wildbienen zusammen erreicht werden.

Allerdings haben vor allem die Wildbienen in den letzten Jahren Rückgänge in ihrer Artenvielfalt zu verzeichnen, welche vor allem auf die Fragmentierung und Isolation ihrer Lebensräume, Intensivierung der Landwirtschaft und Landnutzungsänderungen zurückzuführen sind, so dass den Wildbienen Nahrungsquellen und Nistmöglichkeiten fehlen.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen16

1

Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Situation von Bestäuber-Insekten, vor allem von Wildbienen und Schmetterlingen in Deutschland seit den 1980er Jahren entwickelt?

a) Wie viele heimische Wildbienen- und Schmetterlingsarten sind seit den 1980er Jahren ausgestorben?

b) Wie stark war der Rückgang der Individuenzahlen der einzelnen Arten?

2

Welche Arten von Bestäuber-Insekten, insbesondere Wildbienen und Schmetterlinge befinden sich in einem kritischen Zustand, der kurz- bis mittelfristig den Erhalt der Art gefährdet?

a) Welche sind stark bedroht, welche bedroht, und welche gefährdet?

3

In welchen Landschaftsarten sind die höchsten Populationsrückgänge zu beobachten? Welche Ursachen sind hier ausschlaggebend?

4

Gibt es regionale Unterschiede bei den Populationsrückgängen zu beobachten? Wenn ja, welche Ursachen sind hier ausschlaggebend?

5

Welchen Einfluss hat nach Kenntnis der Bundesregierung der landwirtschaftliche Einsatz von Herbiziden, insbesondere der breite Einsatz des Totalherbizids Glyphosat auf der Stoppel und vor der Saat, auf das Nahrungsangebot von Bestäuber-Insekten bzw. Wildbienen und damit auf deren Bestand?

6

Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über Effekte von Düngung im Grünland auf die Blütenarmut als das Nahrungsangebot von Bestäuber-Insekten insbesondere Wildbienen und damit auf deren Bestände vor?

7

Welche wissenschaftlichen Kenntnisse liegen der Bundesregierung über den Einfluss der Grünlandbewirtschaftung (Nutzungshäufigkeit/Anzahl der Schnitte, Düngemitteleinsatz) auf die Anzahl der Pflanzenarten und Bienenbestände vor?

8

Welche Auswirkungen hat nach Kenntnis der Bundesregierung der Rückgang der Zahl der Bestäuber-Insekten auf die Ökosysteme?

9

Welche Auswirkungen hat nach Kenntnis der Bundesregierung der Rückgang der Bestäuber-Insekten, vor allem von Wildbienen bisher auf die deutsche Nahrungsmittelproduktion und in Zukunft, wenn der Rückgang nicht gestoppt wird?

10

Welche Kosten bzw. welchen gesamtwirtschaftlichen Schaden verursacht nach Kenntnis der Bundesregierung der Rückgang der Bestäuber-Insekten für die Nahrungsmittelproduktion bisher bzw. in der Zukunft, wenn der Rückgang nicht gestoppt wird? Plant die Bundesregierung diese Kosten zu evaluieren, falls diese bisher nicht ermittelt wurden?

11

Welche konkreten Maßnahmen unternimmt die Bundesregierung, um das Aussterben der Bestäuber-Insekten, vor allem der Wildbienen, zu verhindern bzw. zu minimieren (bitte konkrete Zahlen bzw. Projekte aufführen)?

12

Plant die Bundesregierung die Einrichtung eines eigenständigen Wildbienenmonitorings, und wenn nein, warum nicht?

13

Wie bewertet die Bundesregierung die umweltpolitischen Maßnahmen der EU-Agrarpolitik, insbesondere vor dem Hintergrund der Broschüre des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft aus dem Jahr 2015 „Bienen – unverzichtbar für Natur und Erzeugung“?

14

Hält die Bundesregierung die umweltpolitischen Maßnahmen, insbesondere in Bezug auf das Aussterben der Bestäuber-Insekten, der EU-Agrarpolitik für ausreichend? Plant die Bundesregierung bereits im Jahr 2017 auf Änderungen der EU-Agrarpolitik hinzuwirken, und Mittel aus der sogenannten 1. Säule in die Förderung der ländlichen Entwicklung umzuschichten?

15

Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse sind der Bundesregierung über schädliche Auswirkungen des Einsatzes von Pestiziden auf Insekten als Nichtzielorganismen, insbesondere hinsichtlich Honig- und Wildbienen, bekannt?

16

Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse sind der Bundesregierung hinsichtlich indirekter ökologischer Auswirkungen der flächendeckend verbreiteten Ausbringung von Pestiziden, insbesondere auf Vögel und andere Tierarten in Kulturlandschaften, die auf Insekten als Nahrungsquelle angewiesen sind, bekannt?

Berlin, den 5. Februar 2016

Katrin Göring-Eckardt, Dr. Anton Hofreiter und Fraktion

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