Zukunft der Wetterstationen des Deutschen Wetterdienstes
der Abgeordneten Stephan Kühn (Dresden), Annalena Baerbock, Matthias Gastel, Tabea Rößner, Markus Tressel, Dr. Valerie Wilms und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Vorbemerkung
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) plant bis zum Jahr 2021 die Vollautomatisierung der Wetterbeobachtung. Noch arbeiten Beschäftigte auf den Wetterstationen als Wetterbeobachter. Durch die beschlossene Neustrukturierung des Messnetzes sollen die Beschäftigten in anderen Bereichen eingesetzt werden, wo eine Automatisierung nicht möglich ist. Zweifel bestehen, ob durch die Automatisierung eine vergleichbare Messgenauigkeit insbesondere für die langfristigen Klimareihen gesichert werden kann. Diese sind ein wichtiger Beitrag zur internationalen Klimaforschung. Der DWD kann zum Beispiel Schneehöhen, Schnee-Wasser-Äquivalent und Bedeckungsgrad derzeit technisch noch nicht vollautomatisiert erfassen.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen25
Wie viele Beschäftigte arbeiten derzeit auf den Wetterstationen des DWD (bitte einzeln nach Wetterstation darstellen)?
Welche Wetterstationen sind bereits heute vollautomatisiert und werden ohne hauptamtliche Wetterbeobachter betrieben?
Welche Wetterstationen sollen bis 31. Dezember 2019 auf automatischen Betrieb umgestellt werden?
Unter welchen Bedingungen können einzelne Wetterstationen des DWD auch über das Jahr 2020 hinaus mit eigenem Personal vor Ort erhalten bleiben?
Welche Aufgaben sollen die Beschäftigten der betroffenen Wetterstationen nach Umstellung auf den vollautomatisierten Betrieb übernehmen?
Welche Ziele werden mit der Umstellung der Wetterstationen auf vollautomatischen Betrieb verfolgt?
Können lokale Extremwetterereignisse zuverlässig identifiziert und entsprechende Warnungen durch den automatisierten Betrieb sichergestellt werden?
Welche finanziellen Auswirkungen hat diese Strukturentscheidung?
Wie wird bei den auf vollautomatischen Betrieb umgestellten Wetterstationen die Fortführung aller bisher erfassten Datenreihen für die Wettervorhersage sowie für die Klimaforschung sichergestellt?
Wie werden Zuverlässigkeit und Qualität bei der vollautomatisierten Erfassung der Datenreihen für die Wettervorhersage sowie für die Klimaforschung sichergestellt?
Wie stellt der DWD sicher, dass alle benötigten Daten für andere Behörden und Forschungseinrichtungen auch weiterhin mit der nötigen methodischen Verlässlichkeit und Lückenlosigkeit für die Klimaforschung zur Verfügung stehen?
Wie und von wo erfolgt die personelle Betreuung der technischen Messfelder an nicht mehr mit Personal besetzten Wetterstationen (bitte konkrete Zuordnung bei den jeweiligen Standorten angeben)?
Innerhalb welcher Reaktionszeit sollen technische Defekte und sonstige Ausfälle behoben werden? Wie wird die Datenerfassung in der Zwischenzeit sichergestellt und dokumentiert, sodass eine methodisch belastbare Lückenlosigkeit der Datenreihen gewährleistet wird?
Wann kam es in den vergangenen fünf Jahren an welchen Standorten jeweils zu Ausfällen in der Datenerfassung, und wären diese durch den zumindest zeitweisen Einsatz von Personal vor Ort vermeidbar gewesen?
Welche Messabweichungen von den tatsächlichen Verhältnissen sind bei rein technisch erfassten Daten in den letzten fünf Jahren zu verzeichnen gewesen, und wie erfolgt die ständige Plausibilitätskontrolle an den Standorten, die nicht mit Personal besetzt sind?
Wie viele Wetterstationen in Deutschland haben aus welchen Gründen jeweils den Status einer Klimareferenzstation?
Werden alle aktuellen Klimareferenzstationen über das Jahr 2025 hinaus bestehen bleiben? Wenn nein, warum jeweils nicht?
Bei welchen Stationen liegen ununterbrochene Datenreihen seit dem Jahr 1917 vor, und an welchen Standorten werden diese bei gleichbleibender Datendichte und Datenqualität fortgesetzt?
Wann wird die Erprobungsphase für die rein technische Erfassung von Bedeckungsgraden abgeschlossen sein? Wann rechnet der DWD mit dem Einsatz im automatisierten Regelbetrieb?
Wann wird die Erprobungsphase für die rein technische Erfassung von Schneehöhen abgeschlossen sein? Wann rechnet der DWD mit dem Einsatz im automatisierten Regelbetrieb?
Wann wird die Erprobungsphase für die rein technische Erfassung vom Schnee-Wasser-Äquivalent abgeschlossen sein? Wann rechnet der DWD mit dem Einsatz im automatisierten Regelbetrieb?
Ist beabsichtigt, solange Personal auf den Wetterstationen einzusetzen bis die Erprobungsphasen für diese drei Parameter mit einem zufriedenstellenden Ergebnis abgeschlossen sind? Wenn nein, warum nicht?
Welche Immobilien des DWD werden durch die Umstellung des Messnetzes auf automatisierte Datenerfassung nicht mehr benötigt (bitte nach Standorten getrennt darstellen)? Was ist mit diesen Objekten geplant (bitte nach Standorten getrennt darstellen)?
Wie hat sich der Personalbestand beim DWD zwischen den Jahren 2006 und 2016 entwickelt, und wie soll sich der Personalbestand gemäß mittelfristiger Finanzplanung entwickeln?
Wie viele technische Assistenten für Meteorologie hat der DWD in den vergangenen zehn Jahren jeweils ausgebildet, und wie viele sollen zukünftig jährlich ausgebildet werden?