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Kleine AnfrageWahlperiode 18Beantwortet

Stummer Frühling - Verlust von Vogelarten

Bestandsentwicklung der Brutvögel sowie Vogelpopulationen im Bereich Agrarland seit Mitte der 90er Jahre, ausgestorbene bzw. gefährdete Arten, Informationen zur aktuellen Roten Liste Brutvögel und zum Agrarvogelindex, Ursachen des Bestandrückgangs, Studien zu Auswirkungen von Pestiziden, Wirkungen der Gemeinsamen Agrarpolitik, Folgen der Flächenversiegelung auf Vogelpopulationen<br /> (insgesamt 16 Einzelfragen)

Fraktion

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ressort

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit

Datum

02.05.2017

Antwortdauer

34 Tage

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 18/1187729.03.2017

Stummer Frühling – Verlust von Vogelarten

der Abgeordneten Steffi Lemke, Harald Ebner, Annalena Baerbock, Bärbel Höhn, Sylvia Kotting-Uhl, Oliver Krischer, Christian Kühn (Tübingen), Peter Meiwald, Dr. Julia Verlinden, Matthias Gastel und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Vorbemerkung

Der Artenreichtum unserer Erde schwindet rasant. Die planetare Grenze ist beim Artensterben bereits weit überschritten. Damit steigt – wie bei der Klimakrise – die Gefahr, dass ökosystemare Kipppunkte erreicht und die Folgen für Mensch und Umwelt unkontrollierbar werden.

Deutschland hat sich in vielerlei Abkommen verpflichtet, das Artensterben und den Rückgang der Vogelpopulation im Besonderen zu stoppen. Dennoch ist die Vogelpopulation weltweit und in Deutschland stark rückläufig. In den vergangenen 30 Jahren hat sie sich halbiert (Vögel in Deutschland, Sudfeldt, C. R. Dröschmeister, W. Frederking, K. Gedeon, B. Gerlach, C. Grüneberg, J. Karthäuser, T. Langgemach, B. Schuster, S. Trautmann & J. Wahl (2013): Vögel in Deutschland – 2013. DDA, BfN, LAG VSW, Münster).

Die Artenvielfalt ist wie ein Netz. Mit jedem Teil, das verschwindet, wird die Stabilität und Tragfähigkeit dieses Netzes geschwächt. Am Beispiel der Vögel wird dies besonders deutlich, so schreibt der Indikatorenbericht Biologische Vielfalt 2014, „Da neben Vögeln auch andere Arten an eine reichhaltig gegliederte Landschaft mit intakten, nachhaltig genutzten Lebensräumen gebunden sind, bildet der Indikator indirekt auch die Entwicklung zahlreicher weiterer Arten in der Landschaft und die Nachhaltigkeit der Landnutzung ab.“ (Indikatorenbericht Biologische Vielfalt 2014, S. 9). Der Rückgang von Vogelpopulation weist dementsprechend auf die Naturzerstörung insgesamt hin. Hauptgrund für das Artensterben ist die industrielle Agrarlandschaft.

Tatsächlich findet auf landwirtschaftlichen Flächen ein Großteil des deutschen Vogelartensterbens statt (Dröschmeister et al. 2012). Die Ursachen des Rückgangs liegen in der industrialisierten Landwirtschaft, dabei vor allem in den ausgeräumten Agrarlandschaften, dem massiven Einsatz von Pestiziden und dem Verlust von Offenlandschaften und intaktem Grünland (Hötker et al. 2013).

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen16

1

Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Bestände der Brutvögel in den letzten zwei Jahrzehnten entwickelt?

2

Wie bewertet die Bundesregierung die Situation der Vogelpopulationen im Bereich Agrarland?

Welche Entwicklung der Vogelarten- und -bestände liegen hierzu in den letzten zwei Jahrzehnten vor?

3

Welche Vogelarten sind nach Kenntnis der Bundesregierung ausgestorben, vom Aussterben bedroht, stark gefährdet oder gefährdet?

Welcher Anzahl von Vögeln entspricht dieser Status jeweils?

Welcher Anzahl von Vogelarten entspricht das jeweils?

4

Wie bewertet die Bundesregierung die Rote Liste Brutvögel 2016, und welche Schlussfolgerungen zieht sie daraus?

5

Wie viele Vogelarten der Offenlandarten werden nach Kenntnis der Bundesregierung mindestens als gefährdet eingestuft, und welche Konsequenzen zieht die Bundesregierung daraus?

6

Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung der europäische Farmland Bird Index/Agrarvogelindex seit dem Jahr 1980 entwickelt?

Welche Entwicklung gab es seitdem in Deutschland?

Welche drei Vogelarten des aktuellsten Indexes bzw. der Roten Liste zeigen die größten negativen Trends?

Welcher Anzahl von Vögeln entspricht dies jeweils?

7

Welche Trenddaten enthält nach Kenntnis der Bundesregierung der Farmland Bird Index/Agrarvogelindex, und wie beurteilt die Bundesregierung diese neuesten Zahlen?

8

Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Kiebitzbestände in Deutschland seit dem Jahr 1990 verändert?

9

Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Bestände der Feldlerche seit dem Jahr 1990 in Deutschland verändert?

10

Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Bestände des Rebhuhns seit dem Jahr 1990 in Deutschland verändert?

11

Welche Kenntnisse liegen dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit über die Ursachen des Bestandsrückgangs der Agrarvögel vor?

12

Welche Studien und andere Erkenntnisse über einen Zusammenhang zwischen abnehmenden Vogelbeständen und dem Einsatz von Pestiziden liegen dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit vor?

13

Plant das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit einen möglichen Zusammenhang zwischen abnehmenden Vogelbeständen und dem Rückgang an Insektenbiomasse infolge des Einsatzes von Neonikotinoiden wissenschaftlich untersuchen zu lassen, was laut Einschätzung von Entomologen und Naturschutzverbänden eine Erklärung für abnehmende Insektenvorkommen auch in Naturschutzgebieten darstellt?

Wenn nein, warum nicht?

14

Wie bewertet das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit die Forderung des Bundesrates 6 Prozent der Mittel von der ersten in die zweite Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik umzuschichten, und wird die Bundesregierung dieser Forderung nachkommen?

Wenn nein, warum nicht?

15

Wie schätzt das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit die Wirkung der Förderkulisse der ersten und zweiten Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik für die Vogelbestände ein (bitte für die jeweiligen Säulen getrennt sowie in der Gesamtbilanz beantworten)?

16

Welche Entwicklung erwartet die Bundesregierung beim Ausmaß der Versiegelung von Flächen im Bereich Siedlungen, und welche Entwicklung erwartet sie für die Vogelpopulation im Bereich Siedlungen?

Berlin, den 28. März 2017

Katrin Göring-Eckardt, Dr. Anton Hofreiter und Fraktion

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