Stand der umweltmedizinischen Versorgung und toxikologischen Forschung in Deutschland
der Abgeordneten Peter Meiwald, Annalena Baerbock, Bärbel Höhn, Sylvia Kotting-Uhl, Oliver Krischer, Christian Kühn (Tübingen), Steffi Lemke, Dr. Julia Verlinden, Matthias Gastel und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Vorbemerkung
Seit den 1970er Jahren ist der Zusammenhang zwischen schädigenden Umweltbelastungen und gesundheitlichen Beeinträchtigungen immer stärker in das öffentliche Bewusstsein gerückt. Die Zahl der Bürgerinnen und Bürger, die umweltmedizinische Beratung und Behandlung suchen, ist deutlich gewachsen. Allerdings kritisieren viele Umwelterkrankte, dass trotz der gestiegenen öffentlichen Aufmerksamkeit die umweltmedizinische Gesundheitsversorgung noch unzureichend sei. Vielmehr ist ein Abbau von Expertise festzustellen, da weitere Einrichtungen geschlossen wurden bzw., wie aktuell in Kiel, geschlossen werden sollen (https://schleswig-holstein.nabu.de/news/2017/22303.html). Im Jahr 2015 warnte die deutsche Gesellschaft für Toxikologie e. V. vor gefährlichen Lücken im Gesundheits- und Umweltschutz (www.faz.net/aktuell/wissen/forschungpolitik-1/toxikologie-im-niedergang-die-expertise-fuers-gift-geht-verloren-13473493.html). Schon in der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN auf Bundestagsdrucksache 16/4657 vor zehn Jahren war ein deutlicher Rückgang der berufstätigen Ärztinnen und Ärzte mit der Gebietsbezeichnung Hygiene und Umweltmedizin abgebildet.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen18
Wie viele Ärztinnen und Ärzte mit umweltmedizinischer Qualifikation gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung bundesweit, und wie viele sind davon für die Behandlung von gesetzlich krankenversicherten Patientinnen und Patienten zugelassen?
Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil der Hausärztinnen und Hausärzte, die über eine umweltmedizinische Qualifikation verfügen?
Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der umweltmedizinisch tätigen Ärztinnen und Ärzte seit 1991 entwickelt?
Wie verteilen sich diese Ärztinnen und Ärzte nach Kenntnis der Bundesregierung auf das Bundesgebiet?
Wie viele umweltmedizinische Ambulanzen, Beratungsstellen und umweltmedizinische Zentren gibt es derzeit in der Bundesrepublik Deutschland?
In welchen Trägerschaften befinden sich diese Einrichtungen nach Kenntnis der Bundesregierung, bzw. an welche Institutionen sind sie angebunden?
Sieht die Bundesregierung Handlungsbedarf für eine bessere Versorgungsstruktur? Wenn ja, welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung, um die umweltmedizinische Versorgung der Patientinnen und Patienten sicherzustellen bzw. zu verbessern?
Wie bewertet die Bundesregierung den Stand der Qualitätssicherung in der Umweltmedizin?
Welche Weiterentwicklungen hält die Bundesregierung ggf. für erforderlich, und welche Maßnahmen wird sie dafür ergreifen
Wo sieht die Bundesregierung noch Forschungs- und Wissensdefizite mit Blick auf Diagnostik und Therapie im umweltmedizinischen Bereich, und was gedenkt sie für deren Behebung zu unternehmen?
Welche Schwerpunkte setzt die Bundesregierung im Rahmen der Forschungsförderung des Bundes?
Wie bewertet die Bundesregierung den Zustand des Faches Toxikologie an den Hochschulen?
Wie hat sich die Anzahl der toxikologischen Institute nach Kenntnis der Bundesregierung seit 1991 entwickelt?
Wie hat sich die Anzahl der Lehrstühle nach Kenntnis der Bundesregierung seit 1991 entwickelt?
Wie hat sich die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Lehrstühlen nach Kenntnis der Bundesregierung seit 1991 entwickelt?
Welche toxikologischen Institute wurden nach Kenntnis der Bundesregierung seit 1991 auf einen anderen Schwerpunkt ausgerichtet?
Wie war die Entwicklung von Ausbildungsplätzen für akademisch aus- und weitergebildete Toxikologen nach Kenntnis der Bundesregierung seit 1991?
Für welche toxikologischen Institute wurden nach Kenntnis der Bundesregierung zukünftige Einsparungen ihres Bereichs bzw. in ihrem Bereich (Wegfall oder Umwidmung der Lehrstühle) angekündigt?