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Kleine AnfrageWahlperiode 16Beantwortet

Bildungs- und Entwicklungschancen von Jungen

<span>Förderung eines erweiterten und reflektierten Rollenspektrums für Jungen, Anteil der Männer in Kindertagesstätten und Schulen, Projekte zur Förderung von Jungen mit Migrationshintergrund, unterschiedliche Leistungsmotive von Jungen und Mädchen, Erfolge von Programmen gegen Schulverweigerung, Auswirkung der verkürzten Gymnasialzeit (G8) auf Bildungserfolge von Jungen, Forschungsbedarf u. a. hinsichtlich der Leistungsunterschiede zwischen Jungen und Mädchen und ihrer unterschiedlichen Sozialisation, Anzahl gewalttätiger Auseinandersetzungen, Auswirkung der Berufsbezeichnung auf Berufswahl, vom BMFSFJ unterstützte Tagungen zur Jungenförderung, Boys´ Day, Erhöhung des Männeranteils bei frauentypischen Studiengängen, veränderte Vaterrolle (Elternzeit), Maßnahmen auf Länderebene, geringere Erfolgschancen der Mädchen im Berufsleben</span>

Fraktion

FDP

Datum

17.12.2008

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 16/1097612. 11. 2008

Bildungs- und Entwicklungschancen von Jungen

der Abgeordneten Miriam Gruß, Patrick Meinhardt, Ina Lenke, Sibylle Laurischk, Jens Ackermann, Christian Ahrendt, Uwe Barth, Rainer Brüderle, Angelika Brunkhorst, Ernst Burgbacher, Jörg van Essen, Otto Fricke, Horst Friedrich (Bayreuth), Dr. Edmund Peter Geisen, Hans-Michael Goldmann, Joachim Günther (Plauen), Dr. Christel Happach-Kasan, Heinz-Peter Haustein, Elke Hoff, Birgit Homburger, Dr. Werner Hoyer, Michael Kauch, Hellmut Königshaus, Dr. Heinrich L. Kolb, Jürgen Koppelin, Heinz Lanfermann, Harald Leibrecht, Michael Link (Heilbronn), Markus Löning, Dr. Erwin Lotter, Horst Meierhofer, Jan Mücke, Burkhardt Müller-Sönksen, Dirk Niebel, Hans-Joachim Otto (Frankfurt), Detlef Parr, Cornelia Pieper, Dr. Konrad Schily, Marina Schuster, Dr. Hermann Otto Solms, Dr. Max Stadler, Dr. Rainer Stinner, Florian Toncar, Dr. Daniel Volk, Christoph Waitz, Dr. Claudia Winterstein, Dr. Volker Wissing, Hartfrid Wolff (Rems-Murr), Dr. Guido Westerwelle und der Fraktion der FDP

Vorbemerkung

Die deutsche Kinder- und Jugendpolitik und insbesondere der Kinder- und Jugendplan 2001 orientieren sich am Grundsatz der Gleichstellung von Jungen und Mädchen. Das Projekt „Neue Wege für Jungs“ (www.neue-wege-fuer-jungs.de), das durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und den Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert wird, unterstützt und vernetzt bundesweit Initiativen und Projekte, die jungengerechte Angebote zur Berufs- und Lebensplanung durchführen. Es richtet sich an Lehrkräfte, soziale Fachkräfte, Fachkräfte der Jungenarbeit, Berufsberatende sowie Eltern. Angesichts dessen, dass geschlechtsbezogene und -typische Verhaltensweisen bereits in der Kindheit und Jugend angeeignet werden, sollten männliche Identitätsbildungsprozesse bereits in den frühen Lebensphasen begleitet werden. Dies gilt sowohl für den Bereich der Elternkompetenz als auch für Kindertageseinrichtungen, die Tagespflege, die Schule wie auch die außerschulische Kinder- und Jugendarbeit. Jungen sollte ein erweitertes und reflektiertes Rollenspektrum angeboten werden, um ihnen möglichst vielfältige Perspektiven für ihre individuelle Lebensplanung zu eröffnen. Ein gutes Bildungs- und Ausbildungssystem muss Jungen und Mädchen gleichermaßen fördern.

Das Thema „Jungen“ war insbesondere nach der Vorstellung der PISA-Studie (PISA – Programme for International Student Assessment), in der die geschlechtsspezifischen Leistungsunterschiede zwischen Mädchen und Jungen aufgezeigt wurden, Gegenstand öffentlicher Diskussionen (vgl. auch die Kleine Anfrage auf Bundestagsdrucksachen 15/3516 und 15/3607). Das Deutsche Jugendinstitut legte im Februar 2007 die Untersuchung „Jungen und junge Männer in Deutschland. Lebenssituationen – Problembereiche – Maßnahmen“

Drucksache 16/10976 – 2 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode(Autorinnen: Dr. Inken Tremel, PD Dr. Waltraud Cornelißen) vor, in der festgestellt wurde, dass Jungen sich schon vor der Schulzeit etwas langsamer als Mädchen entwickeln und später schulreif sind (a. a. O., S. 15 m. w. N.). Die Studie weist auch darauf hin, dass sich die Situation vieler Jungen dadurch verschärft, dass die an traditionellen Männlichkeitsbildern orientierten Überlegenheitsvorstellungen mit ihrer unterlegenen Rolle als Lernende kollidieren, noch dazu als Lernende mit oft schlechteren Leistungen (a. a. O., S. 18). Viele Studien zeigten, dass Jungen eine höchst heterogene Leistungsgruppe bilden: Unter Jungen fänden sich häufiger als unter Mädchen Personen mit extrem hoher und solche mit extrem niedriger Intelligenz (a. a. O., S. 16 m. w. N.). Das BMFSFJ veröffentlichte im November 2007 eine Broschüre „Mädchen und Jungen in Deutschland. Lebenssituationen – Unterschiede – Gemeinsamkeiten“; das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) publizierte 2008 Band 23 zur Bildungsforschung „Bildungs(miss)erfolge von Jungen und Berufswahlverhalten bei Jungen/männlichen Jugendlichen“ (Autor: Dr. Jürgen Budde). Zu den wichtigsten Aussagen zählt, dass Jungen häufiger eine Klasse wiederholten als ihre Mitschülerinnen. Besonders ungünstig sei der Bildungsverlauf bei Jungen mit Migrationshintergrund. Sie müssten in der Grundschule wesentlich öfter eine Klasse wiederholen und erreichten niedriger qualifizierte Abschlüsse. Jungen orientierten sich in ihren Berufswünschen an tradierten Geschlechterbildern und entschieden sich für Berufe im handwerklichen und industriellen Bereich, was sich aufgrund des Wandels zur Dienstleistungsgesellschaft zunehmend als riskante Strategie erweisen könne. In der beruflichen Laufbahn hingegen würden junge Männer aufgrund der Entscheidung für meist besser bezahlte und karriereorientierte Berufe häufig erfolgreicher abschneiden. Einige junge Männer hätten sehr große Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt. Für Migranten verstärke sich dieser Effekt (BMBF, a. a. O.). Der Bildungsbericht 2008 spricht in der Zusammenfassung von einer „Erfolgsgeschichte der Mädchen und Frauen“, die allerdings im Verlauf der Berufstätigkeit teilweise abbreche; das Risiko von Jungen und jungen Männern im Bildungssystem zu scheitern, nehme zu. Dies gelte insbesondere für jene mit Migrationshintergrund (Autorengruppe Bildungsberichterstattung [Hrsg.], Bildung in Deutschland 2008. Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zu Übergängen im Anschluss an den Sekundarbereich I, 2008, S. 11 f.). Bei der 18. Konferenz der Gleichstellungs- und Frauenministerinnen und -minister, - senatorinnen und -senatoren der Länder (GFMK) am 23. und 24. Oktober 2008 in Karlsruhe stand das Thema „Chancengerechtigkeit durch geschlechtersensible Erziehung, Bildung und Ausbildung“ im Mittelpunkt.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen44

1

Welchen Anteil stellen Männer in Kindertagesstätten und Grundschulen an der Gesamtzahl der Beschäftigten nach Kenntnis der Bundesregierung in den einzelnen Bundesländern, und in welchem Umfang nehmen sie Aufgaben im Bereich Verwaltung oder mit Leitungsfunktion wahr?

2

Welches sind nach Auffassung der Bundesregierung die Ursachen dafür, dass Männer nach Angaben des Statistischen Bundesamtes vom 1. April 2008 nur 3 Prozent aller in Tageseinrichtungen Tätigen und 3 Prozent aller Tagespflegepersonen stellen und dass Männer in Tageseinrichtungen der neuen Bundesländer mit 1,5 Prozent besonders selten vertreten sind, ihre Quote in den Stadtstaaten Bremen und Hamburg hingegen bei 9 Prozent bzw. 7,9 Prozent liegt, und wie verteilt sich der Anteil der Beschäftigten auf Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigte?

3

Welche Maßnahmen wurden seitens der Bundesregierung bzw. der Bundesländer angesichts eines zunehmenden Personalbedarfs beim Ausbau der Kindertagesbetreuung bis 2013 ergriffen, um den Anteil von Tagesvätern und Erziehern im Rahmen des Ausbaus der Kindertagesbetreuung und bei der Ausbildung von Grundschullehrern zu erhöhen?

4

Wie beurteilt die Bundesregierung die These, das Fehlen von männlichen Bezugspersonen (DJI a. a. O., S. 16 m. w. N.) in Kindertagesstätten und Grundschulen sowie die zunehmende Zahl von alleinerziehenden Müttern sei ursächlich für die Situation der Jungen im Bereich Bildung, und wie wird dieser Entwicklung, ggf. mit welchen Maßnahmen, wirksam begegnet?

5

Welchen Anteil stellen Männer am Lehreranteil in welchen Fächern, in welchen Schulformen (staatliche Einrichtungen und solche in freier Trägerschaft) und in welchen Funktionen?

6

Inwieweit werben Bund und Länder dafür, dass sich verstärkt Männer – auch mit Migrationshintergrund – für den Beruf des Grundschullehrers entscheiden?

7

Welche Modellprojekte gibt es, um verstärkt „Förderväter“ (Gössling, Die Männlichkeitslücke, 2008, S. 125) bzw. andere männliche Bezugspersonen bei der vorschulischen Kindertagesbetreuung einzubeziehen?

8

Welche Erkenntnisse liegen über die Auswirkungen auf die Entwicklung von Kindern aufgrund dessen vor, dass nach einer Meldung vom Juli 2008 eine dreistellige Zahl von jungen Männern ihren Zivildienst in Kindertageseinrichtungen absolviert, welche Aufgaben übernehmen Zivildienstleistende, und wie werden diese auf ihre Aufgabe unter Genderaspekten vorbereitet?

9

Inwieweit gehen die Bildungspläne der Bundesländer für die Kindertagesstätten sowie die Lehrpläne für die Schulen speziell auf die Förderung von Jungen, sei es bei Vorliegen einer Hochbegabung/besonderen Begabung oder einer Teilleistungsschwäche, ein?

10

Welche Erkenntnisse gibt es hinsichtlich der Gründe, warum Kinder mit Migrationshintergrund für das erste und zweite Kindergartenjahr geringere Besuchsquoten als deutsche Kinder aufweisen, und welche Maßnahmen werden ergriffen, um den Anteil dieses Personenkreises zu erhöhen?

11

Welche Standards bzw. Methoden und Evaluierungen von Projekten gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung hinsichtlich der Förderung von Jungen mit Migrationshintergrund in öffentlichen Kindertagesstätten und Schulen und solcher in freier Trägerschaft in den Bundesländern?

12

Nach welchen Altersgruppen, Herkunftsstaaten bzw. weiteren Kriterien sollte bei der Jungenförderung allgemein differenziert werden?

13

Welche Maßnahmen werden Bund und Länder angesichts dessen einleiten bzw. ausbauen, dass Jungen bereits vor dem Kindergartenalter geringere Sprachkompetenzen aufweisen und durchschnittlich weniger Leseförderung erhalten als Mädchen (BMBF a. a. O., S. 16 m. w. N.)?

14

Inwieweit findet eine Auseinandersetzung mit Fragen der speziellen Förderung von Mädchen und Jungen im Rahmen der pädagogischen Ausbildung der Erzieherinnen und Erzieher (auch an der Fachhochschule) bzw. der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern in den einzelnen Bundesländern Berücksichtigung?

15

Welche Bereiche (Partnerschaft, Probleme in der Peer Group u. a.) und welche Methoden sollte eine geschlechtsbezogene Pädagogik mit Jungen umfassen, und welche Modelle existieren, um Jungen in einem geeigneten Orientierungsrahmen zu stärken?

16

Inwieweit liegen Erkenntnisse über die unterschiedlichen Leistungsmotive von Mädchen und Jungen vor, und in welchem Umfang sollten bei einer zielgenauen Förderung von Jungen und Mädchen dieselben Grundsätze angewandt oder aber nach dem Geschlecht differenziert werden?

17

Wie müssten Unterrichtsformen ausgestaltet sein, um Jungen verstärkt für die Bildungsinhalte zu begeistern?

18

Inwieweit wird nach Kenntnis der Bundesregierung in den einzelnen Bundesländern fachlicher Unterricht wie etwa Physikunterricht in einer Fremdsprache (z. B. Englisch) angeboten, und welche Erkenntnisse liegen über die Auswirkungen auf die schulischen Leistungen von Mädchen und Jungen vor?

19

Wie und in welchem Umfang wirken sich Faktoren wie etwa niedriger sozialer Status, Migrationshintergrund, Gesundheit u. a. auf die schulischen Leistungen von Jungen aus?

20

Wie beurteilt die Bundesregierung Vorschläge, die Koedukation ganz oder teilweise bei bestimmten Fächern aufzuheben, und welche Folgen ergäben sich hieraus für die Bildungserfolge und Persönlichkeitsentwicklung von Mädchen und Jungen?

21

An welchen Standorten und staatlichen Einrichtungen bzw. solchen in freier Trägerschaft werden ergänzend zu den Unterrichtsstunden spezielle Jungenkurse angeboten, welches sind deren Hauptinhalte, und wie stellt sich die Evaluierung dieser Projekte dar?

22

Welche Erfolge konnten mit Blick auf die schulischen Leistungen von Jungen durch die Initiative „Coole Schule“, das Programm „Schulverweigerung – Die zweite Chance“ und das Projekt „Netzwerk Prävention von Schulmüdigkeit und Schulverweigerung“ erzielt werden?

23

Inwieweit haben sich Lehrinhalte und Schulmaterialien während der letzten Jahrzehnte im Hinblick auf die Genderthematik verändert, und inwiefern sind sie mit welchem Ergebnis unter dem Aspekt untersucht worden, ob sie den Interessen von Jungen und Mädchen gleichermaßen gerecht werden?

24

Inwieweit werden Lehrkräfte im Rahmen der Ausbildung darauf vorbereitet, schlechte Leistungen bei Jungen bzw. Mädchen nicht anhand stereotyper Zuschreibungen wie mangelndem Willen bzw. mangelnden Fähigkeiten zu beurteilen und zu vermeiden, Mädchen meist nach Wiederholungen und Zusammenfassungen, Jungen hingegen eher nach neuen Sachverhalten und Ideen zu fragen?

25

Wie würde sich ein weiterer Ausbau der Kindertagesstätten, der Ganztagsschulen bzw. einer besseren Durchlässigkeit der einzelnen Schulzweige auf die Leistungen von Jungen auswirken?

26

Welche Auswirkungen hat die Verkürzung der Gymnasialzeit (G 8) in den einzelnen Bundesländern auf die Bildungserfolge von Jungen?

27

Welche Studien liegen mittlerweile vor bzw. sind angesichts der Feststellung in Arbeit, dass es „an empirischen Studien, die Jungen und Schule systematisch aufeinander beziehen sowie eine Verknüpfung von Theorie, Empirie und Praxis vorsehen“, fehlt (BMBF a. a. O., S. 6)?

28

Inwieweit haben bzw. werden sich Untersuchungen mit Bereichen befassen, in denen laut BMBF Forschungsbedarf besteht, d. h. hinsichtlich

der Erforschung der Leistungsunterschiede zwischen Jungen und Mädchen bei weiterer Unterrichtsfächern wie weiterer Fremdsprachen, Schulsport oder bei sozialwissenschaftlichen und künstlerisch-musischen Fächern;

der Motivation für eine geschlechtsstereotype Berufsorientierung bei Jungen;

der Zusammenhänge der sozialen Dimension von Männlichkeit und Bildungs(miss)erfolg in Bezug auf deren Ursachen;

der Situation von Jungen mit Migrationshintergrund im Bildungssystem;

der Relevanz männlicher Lehrkräfte für den schulischen Erfolg?

29

Wie viele gewalttätige Auseinandersetzungen und wie viele strafrechtlich relevante Vorkommnisse in welchen Schulformen wurden in den vergangenen fünf Jahren aktenkundig, und in wie vielen Fällen davon waren Mädchen bzw. Jungen Täter?

30

Welche Maßnahmen zur Gewaltprävention an Schulen für welche Schulformen und welche Jahrgangsstufen werden mit welchem Erfolg durchgeführt, und inwiefern wird hierbei ein besonderes Augenmerk auf Jungen gelegt?

31

Wie viele Kinder versäumten in den letzten fünf Jahren aufgrund von „Schulschwänzerei“ Unterricht, und wie hoch ist der Anteil an Jungen unter den „Schulschwänzern“?

32

Inwieweit liegen Studien darüber vor, dass sich die Berufsbezeichnung auf die Berufswahl von Jungen auswirkt, und, falls dem so sein sollte, wie können gerade im sozialen Bereich Berufsbezeichnungen so gewählt werden, dass Berufe gleichermaßen für Jungen und Mädchen attraktiv sind, und wie müssen Lerninhalte verändert werden, damit Berufe auch für Jungen attraktiv werden?

33

Welche Erkenntnisse gibt es darüber, wie sich Wehr- bzw. Zivildienst im Übergang von Schule zu Ausbildung bei Jungen insbesondere mit Blick auf deren Entwicklung und Berufswahl auswirken?

34

Wie hat sich das bundesweite Projekt „Neue Wege für Jungs“ mit Blick auf das Berufswahlverhalten von Jugendlichen ausgewirkt?

35

Welche Fachtagungen zur Entwicklung und Förderung von Jungen und besonders erfolgreiche Projekte wurden während dieser Legislaturperiode mit Unterstützung des BMFSFJ bzw. mit Unterstützung der jeweiligen Bildungs- und Jugendministerien auf Landesebene durchgeführt, und inwieweit wurden ggf. Schlussfolgerungen bereits durch den Bund oder die Länder implementiert?

36

Welche Erfahrungen aus den Ländern gibt es mit einem „Boys’ Day“, und in welchen Bundesländern werden in welchem Umfang auch außerhalb eines „Boys’ Day“ erfolgreich schulische Projekte bzw. Praktika angeboten, um Jungen an soziale Berufe heranzuführen?

37

Welche neueren Erkenntnisse und, daraus abgeleitet, Empfehlungen für eine gezielte Jungenförderung an der Schnittstelle Beruf-Arbeitswelt sind zurzeit verfügbar?

38

Welche Strategien verfolgen die Fachhochschulen und Hochschulen mit Studienangeboten, die überwiegend von Frauen in Anspruch genommen werden, um den Männeranteil auf ein vergleichbares Maß zu erhöhen, und wie wird dies über die landesrechtliche Rahmensetzung (z. B. Hochschulrecht, Zielvereinbarungen, leistungsabhängige Mittelvergabe) unterstützt?

39

Inwieweit liegen Erkenntnisse darüber vor, wie sich die verstärkte Inanspruchnahme der Elternzeit durch Väter auf die Entwicklung von Jungen und Mädchen und das Bild des „Alleinernährer-Modells“ bei Jungen und Mädchen auswirken wird?

40

Welche Forschungsprojekte zu der veränderten Rolle von Vätern wurden in den letzten Jahren durch die Bundesregierung oder die Deutsche Forschungsgemeinschaft u. a. unterstützt, und welches sind die Kernaussagen dieser Forschungsarbeiten?

41

Welche Erfahrungen mit speziellen Projekten für Jungen bzw. einer auf Jungen ausgerichteten Pädagogik gibt es im Ausland, insbesondere in den Ländern die Gegenstand der PISA-Studie waren, und inwieweit lassen sich dortige Erkenntnisse auf die Bundesrepublik Deutschland übertragen?

42

Wie beabsichtigt die Bundesregierung angesichts dessen, dass nach Angaben des Statistischen Bundesamtes vom 22. Juli 2008 zwei Drittel der Männer zwei Monate lang Elterngeld erhalten, stärker für die Inanspruchnahme von Elternzeit durch Väter zu werben, dies insbesondere angesichts der großen regionalen Unterschiede, wenn bei einem Bundesdurchschnitt von 12 Prozent etwa im Saarland nur 6 Prozent der Väter Elterngeld erhalten?

43

Welche Maßnahmen wurden nach Kenntnis der Bundesregierung auf Länderebene seitens der Schulen etwa in Zusammenarbeit mit den Landeszentralen für politische Bildung, mit Bibliotheken oder Verlagen erfolgreich ergriffen, um die Lesebereitschaft von Jungen zu fördern?

44

Wie beurteilt die Bundesregierung die Tatsache, dass Mädchen zwar die besseren Bildungsabschlüsse erzielen, aber im nachschulischen Bildungsbereich wie auch im Berufsleben geringere Erfolgschancen als Jungen haben?

Berlin, den 12. November 2008

Dr. Guido Westerwelle und Fraktion

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