Sprachförderung von Kindern
der Abgeordneten Miriam Gruß, Patrick Meinhardt, Ina Lenke, Sibylle Laurischk, Jens Ackermann, Dr. Karl Addicks, Christian Ahrendt, Uwe Barth, Rainer Brüderle, Angelika Brunkhorst, Ernst Burgbacher, Patrick Döring, Jörg van Essen, Otto Fricke, Horst Friedrich (Bayreuth), Hans-Michael Goldmann, Dr. Christel Happach-Kasan, Elke Hoff, Birgit Homburger, Dr. Werner Hoyer, Hellmut Königshaus, Dr. Heinrich L. Kolb, Gudrun Kopp, Jürgen Koppelin, Heinz Lanfermann, Harald Leibrecht, Michael Link (Heilbronn), Markus Löning, Horst Meierhofer, Jan Mücke, Burkhardt Müller-Sönksen, Dirk Niebel, Hans-Joachim Otto (Frankfurt), Detlef Parr, Cornelia Pieper, Marina Schuster, Carl-Ludwig Thiele, Florian Toncar, Dr. Daniel Volk, Christoph Waitz, Dr. Claudia Winterstein, Dr. Volker Wissing, Hartfrid Wolff (Rems-Murr), Dr. Guido Westerwelle und der Fraktion der FDP
Vorbemerkung
Die Ergebnisse der aktuellen Entwicklungsforschung verdeutlichen die Relevanz der ersten Lebensjahre für die weitere körperliche, geistige und kognitive Entwicklung bei Menschen. Kognitive Entwicklungsstörungen und damit verbundene Lernschwierigkeiten von Kindern werden jedoch oftmals erst wahrgenommen, wenn die Kinder in die Schule gehen. Dementsprechend werden die Ursachen von Entwicklungsproblemen von Kindern häufig erst spät erkannt und wirken sich wiederum negativ auf andere Bereiche aus. Werden dagegen die Schwierigkeiten der Kinder rechtzeitig erkannt, können diese häufig durch geeignete Fördermaßnahmen ausgeglichen und behoben werden.
Um eine gesunde Entwicklung der Kinder zu gewährleisten, sind neben der Stärkung der Erziehungs- und Bildungskompetenz der Eltern und des Bildungsauftrages der Kindertagesstätten vor allem wissenschaftlich fundierte Verfahren zur Prävention, Früherkennung und Intervention bei Störungen der kindlichen Entwicklung erforderlich, um Kindern gute Startchancen auf ihrem Bildungsweg und damit eine berufliche Perspektive zu geben. Das Projekt des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) „Sprachliche Förderung in der Kindertageseinrichtung“ ist gezielt um Möglichkeiten erweitert worden, um die sprachliche Förderung von mehrsprachigen Kindern zu verbessern. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) wird Forschung zu Sprachdiagnostik und Sprachförderung unterstützen, in deren Rahmen es u. a. möglich sein soll, sowohl vorhandene Instrumentarien zur Sprachstandsfeststellung weiterzuentwickeln, als auch ggf. neue Ansätze für insbesondere individuelle Sprachförderung zu entwickeln. Ziel soll es sein, mit der Forschung die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die diagnostische Kompetenz der Erzieherinnen und Erzieher gestärkt und tatsächlich individuelle Sprachdiagnostik und -förderung realisierbar wird (Lebenslagen in Deutschland – Dritter Armuts- und Reichtumsbericht, Bundestagsdrucksache 16/9915, S. 129).
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen24
Welche Studien im Bereich der Grundlagenforschung mit welchen wesentlichen Erkenntnissen liegen der Bundesregierung vor oder sind in Planung über
a) die Art und Häufigkeit des Auftretens von Entwicklungsstörungen bei Kindern sowie deren Ursache;
b) die frühe Entwicklung des Lernens, d. h. was Kinder wann und wie lernen;
c) Zusammenhang und Zusammenwirken unterschiedlicher Lernstörungen, so z. B. Sprachentwicklungsstörung, Lese-Rechtschreibschwäche und Dyskalkulie;
d) die Früherkennung, insbesondere von sprachlichen Lernschwierigkeiten wie spezifischen Sprachentwicklungsstörungen und der Lese-Rechtschreibschwäche?
Welche Studien zum Lernen und vor allem zu sprachlichen Lernschwierigkeiten gibt es im deutschsprachigen Raum, und inwieweit erfolgt im Rahmen dieser Studien eine Zusammenarbeit zwischen Entwicklungspsychologinnen und -psychologen, Psycholinguistinnen und -linguisten, Sprachwissenschaftlerinnen und Sprachwissenschaftlern, Neurowissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern sowie Bildungsforscherinnen und -forschern?
Wie wird diese Forschungstätigkeit koordiniert etwa zwischen dem BMBF, dem BMFSFJ, dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG), den Ländern und Hochschulen, der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), der Leibniz-Gemeinschaft sowie der Max-Planck-Gesellschaft (MPG)?
Welches sind die wesentlichen Erkenntnisse aus Comenius-Projekten MOPED (Module einer pädagogischen Diagnostik zur Förderung von Lernprozessen), LTE (Learning and Teaching foreign languages efficiently on the basis of innovative methods an ICT) und PRO-CLIL (Providing guidelines for CKIL implementation in Primary and Pre-Primary Education)?
Welche Studien zur Förderung, insbesondere bei sprachlichen Lernschwierigkeiten sowie zum Erfolg und zur Nachhaltigkeit von Förderprogrammen, gibt es im deutschsprachigen Raum?
Welche Methoden werden in den einzelnen Bundesländern zur Überprüfung von Basiskompetenzen herangezogen, um möglichst frühzeitig Fördermaßnahmen einleiten zu können?
Welche Erkenntnisse sind daraus zu ziehen?
Welche Erkenntnisse liegen darüber vor, wann Kinder erste Kenntnisse der Erstsprache erwerben und welchen Einfluss der frühe Erwerb einer Fremdsprache auf den noch nicht abgeschlossenen Erwerb der Muttersprache hat?
Welche Methoden im vorschulischen Bereich zur Förderung der Voraussetzungen für das Erlernen des Lesens und Schreibens haben sich als besonders erfolgreich erwiesen, und inwieweit unterscheiden sich die Ansätze in den einzelnen Bundesländern?
Inwieweit sind Maßnahmen der Sprachförderung Gegenstand der Bildungsprogramme für den Kindertagesstättenbereich in den Bundesländern, und inwieweit wird das Einhalten der Bildungspläne überprüft?
Inwieweit wurden spracherwerbstheoretische Überlegungen bei der Entwicklung von Förderprogrammen in Kindertagesstätten insbesondere bei Kindern mit Migrationshintergrund berücksichtigt?
Wie garantieren die jeweiligen Bundesländer eine Überprüfung der Bildungspläne und damit die Qualitätssicherung?
Wie werden in den einzelnen Bundesländern Erzieherinnen und Erzieher für Auffälligkeiten von Kindern geschult und sensibilisiert?
Welche Herangehensweisen an eine Sprachförderung im Kindesalter sind angesichts der benötigten Zeit- und Personalressourcen besonders zielführend, und inwieweit werden Kindertagesstätten und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hierüber informiert und ggf. speziell geschult?
Wie beurteilt die Bundesregierung eine Ausweitung der so genannten U-Untersuchungen mit Blick auf Lernschwierigkeiten insbesondere im sprachlichen Bereich?
Welche Kooperationsprojekte sind der Bundesregierung hinsichtlich einer Förderung von Kindern durch die Zusammenarbeit von Eltern, Erzieherinnen und Erziehern sowie Kinderärztinnen und -ärzten mit welchen Ergebnissen bekannt?
Welche Schlussfolgerungen ergeben sich hieraus für die Sprachstandserhebungen von monolingualen deutschlernenden Kindern, von Kindern mit Migrationshintergrund sowie für die Empfehlungen in Kindertageseinrichtungen für einen Zweitspracherwerb im Vorschulalter, und gibt es Gründe wie etwa Auffälligkeiten beim Erwerb der Muttersprache, die im Einzelfall ggf. gegen einen frühen Zweitspracherwerb sprechen?
Welche Schlussfolgerungen ergeben sich für die Entwicklung von Methoden zum Erwerb einer Fremdsprache, d. h. inwieweit müsste aufgrund neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse beim Erwerb einer Zweitsprache danach differenziert werden, ob es sich um eine Sprache der gleichen Sprachfamilie handelt oder um eine Sprache, die einer anderen Sprachfamilie angehört?
Inwieweit lassen sich aus den Erkenntnissen über den Erwerb der Erstsprache Schlussfolgerungen für den Einsatz von Muttersprachlern in Kindertagesstätten ableiten?
Inwieweit sind Erkenntnisse über die Sprachentwicklung und Lernschwierigkeiten von Kindern Gegenstand der Ausbildung aller mit der Entwicklung von Kindern befassten Berufsgruppen?
Welchen Stellenwert nimmt die Sprecherziehung in der Aus- und Weiterbildung von Lehrerinnen und Lehrern in den einzelnen Bundesländern ein?
In welchem Umfang befasste bzw. befasst sich die Kultusministerkonferenz mit Fragen der Sprachentwicklung?
Welche Möglichkeiten sieht das BMFSFJ-Projekt „Sprachliche Förderung in der Kindertageseinrichtung“ vor, um die sprachliche Förderung von mehrsprachigen Kindern zu gestalten?
In welcher Form und in welchem Umfang unterstützen das BMBF und das BMFSFJ etwa über Projekte die Fortbildung von Erzieherinnen und Erziehern im Rahmen der Diagnostik und Sprachförderung?
Wann wird das Forum Frühkindliche Bildung (zuvor Qualitätsoffensive frühkindliche Bildung und Erziehung), das im Einzelplan 17 in Höhe von 4 Mio. Euro von 2008 bis 2010 gefördert werden soll, zu welchen Bereichen der Qualität von Kindertagesbetreuung konkrete Vorschläge vorlegen?