Einführung von Building Information Modeling im Hoch- und Infrastrukturbau
der Abgeordneten Daniel Föst, Frank Sitta, Grigorios Aggelidis, Jens Beeck, Nicola Beer, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Carl-Julius Cronenberg, Britta Katharina Dassler, Dr. Marcus Faber, Otto Fricke, Katrin Helling-Plahr, Markus Herbrand, Torsten Herbst, Katja Hessel, Reinhard Houben, Olaf in der Beek, Dr. Christian Jung, Dr. Marcel Klinge, Daniela Kluckert, Dr. Lukas Köhler, Carina Konrad, Ulrich Lechte, Till Mansmann, Hagen Reinhold, Bernd Reuther, Matthias Seestern-Pauly, Bettina Stark-Watzinger, Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Benjamin Strasser, Katja Suding, Stephan Thomae und der Fraktion der FDP
Vorbemerkung
Ende 2015 hat das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) den „Stufenplan Digitales Planen und Bauen“ veröffentlicht, wonach bis Ende 2020 alle neu zu planenden Projekte im Zuständigkeitsbereich des BMVI nach einem konkret definierten Leistungsniveau mit der Methode Building Information Modeling (BIM) geplant und gebaut werden sollen. Mithilfe der konsequenten Anwendung von BIM in allen Phasen des Lebenszyklusses eines Bauwerks sollen die Planungsgenauigkeit erhöht, Kostenrisiken minimiert und die Gesamtkosten eines Bauwerks von der Planung über den Bau bis zum Betrieb bzw. der Instandhaltung optimiert werden.
Mitte 2018 ist die Hälfte der selbst gesetzten Frist zur breiten Implementierung von BIM vorüber. Es stellt sich die Frage, wie weit die Vorbereitungen fortgeschritten sind, wie die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Ressorts organisiert ist und inwieweit die Bundesregierung auch beim Bundeshochbau der Kernforderung der Reformkommission Bau von Großprojekten – der Implementierung von BIM – nachkommt und welche konkreten Maßnahmen zur breiten Implementierung der Methode auch im Hochbau durchgeführt werden.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen33
Bekennt sich die Bundesregierung weiterhin zur Einführung der Methode BIM im Bundeshochbau und Bundesinfrastrukturbau?
Wie hoch sind nach Kenntnis der Bundesregierung in Deutschland die Umsätze im Planungs- und Baugewerbe insgesamt, und in welcher Größenordnung werden Effizienzgewinne nach einer umfassenden Implementierung von BIM in Deutschland erwartet?
Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung von teilweise bereits realisierten Effizienzgewinnen in anderen Ländern, in denen die Implementierung von BIM bereits weiter fortgeschritten ist (z. B. Vereinigtes Königreich, skandinavische Länder)?
Welche Maßnahmen im Rahmen des 2015 vorgelegten Stufenplan Digitales Planen und Bauen über die bereits beauftragten Projekte hinaus sind konkret geplant, und inwieweit ist heute absehbar, dass bis Ende 2020 tatsächlich alle neu zu planenden Projekte in der Zuständigkeit des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) mit BIM geplant und gebaut werden können?
Welches sind die größten Herausforderungen, um dieses Ziel zu erreichen?
Ab wann sollen Planung, Bau, Betrieb und Erhalt der Autobahnen in Deutschland durch die Infrastrukturgesellschaft für Autobahnen und andere Bundesfernstraßen (IGA) erfolgen?
Wie stellt die Bundesregierung sicher, dass beim Aufbau der IGA bereits die im Rahmen der Anwendung von BIM notwendigen Abläufe und Strukturen in der Gesellschaft abgebildet werden und die IGA von Anfang an die Methode BIM anwendet?
Wie hoch sind die bisherigen Ausgaben der Deutschen Bahn AG zur Einführung von BIM, wie untergliedern sich diese Ausgaben (Schulungen, Durchführung bzw. Begleitung Pilotprojekte etc.), und wie hoch ist dabei jeweils die Beteiligung des Bundes?
Wie sieht der konkrete, detaillierte Zeitplan seit 2015 bis zur geplanten breiten Einführung von BIM bei der Deutschen Bahn AG aus?
Bei welchen Projekten wird die Deutsche Bahn AG jeweils ab wann BIM anwenden?
Welche prognostizierten mittel- und langfristigen Einsparungen und Effizienzgewinne durch die konsequente Anwendung von BIM hat die Deutsche Bahn AG im Rahmen der Einwerbung von Bundesmitteln wann geltend gemacht?
Auf welcher Grundlage basieren diese Prognosen, gibt es seitens der Deutschen Bahn AG inzwischen weiterführende oder genauere Prognosen, und wie sehen diese ggf. aus?
Welche internen Schulungen finden im Rahmen der Zuständigkeit des BMVI statt, die sicherstellen, dass der Bund bzw. die Bundesländer im Rahmen der Auftragsverwaltung als Auftraggeber ab Ende 2020 in der Lage sein werden, beim Bau von Straßen und Wasserstraßen mit BIM auszuschreiben bzw. BIM anzuwenden?
Welche Pilotprojekte hat die Bundesregierung im Rahmen der Einführung von BIM bereits durchgeführt, angestoßen bzw. geplant (bitte nach Ressortzuständigkeit gliedern und nach Art der Maßnahme, Umsetzungszeitraum und tatsächlichen bzw. geplanten Ausgaben aufschlüsseln)?
Welche weiteren konkreten Maßnahmen hat die Bundesregierung im Rahmen der Einführung von BIM seit 2015 bereits durchgeführt, angestoßen bzw. geplant (bitte nach Ressortzuständigkeit gliedern und nach Art der Maßnahme, Umsetzungszeitraum und tatsächlichen bzw. geplanten Ausgaben aufschlüsseln)?
Inwieweit plant die Bundesregierung, einen eigenen Plan zur verbindlichen oder empfohlenen Anwendung von BIM für den Hochbau zu entwickeln oder den bestehenden Stufenplan Digitales Planen und Bauen auch auf den Hochbau auszuweiten?
Wie sieht die weitere Strategie des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat zur Einführung von BIM im Hochbau aus?
Wie viele zivile Neu-, Um- und Erweiterungsbauvorhaben wurden auf Grundlage des Erlasses des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit zur Prüfung der Anwendung von BIM vom 16. Januar 2017 hinsichtlich der Anwendung von Elementen digitaler Unterstützung geprüft, bei welchen konkreten Projekten fiel die Prüfung positiv aus, und bei welchen dieser Projekte wird BIM bereits angewendet?
Was hat die in diesem Erlass angekündigte Klärung mit dem Bundesministerium der Verteidigung bzw. dem Auswärtigen Amt bezüglich der Frage ergeben, inwieweit die Regelungen des Erlasses auch auf die Baumaßnahmen der Bundeswehr bzw. den Auslandsbau übertragen werden können?
Was hat die in diesem Erlass angekündigte Diskussion im Allgemeinen Fachaufsichtsgespräch bezüglich einer zentralen Beratungsstelle bei einer Bauverwaltung ergeben? Ist eine solche Beratungsstelle geplant oder bereits implementiert? Handelt es sich hierbei ggf. um das in Frage 21 angesprochene Kompetenzzentrum? Falls nicht, welchen Umfang (bitte nach tatsächlichen bzw. geplanten Ausgaben und Mannstunden aufschlüsseln) und welche konkreten Aufgaben hat diese Beratungsstelle bzw. soll diese Beratungsstelle ggf. haben?
Welchen Umfang (bitte nach tatsächlichen bzw. geplanten Ausgaben und Mannstunden aufschlüsseln) und welches konkrete Aufgabenspektrum und welche Zielgruppen hat das im Auftrag des Bundes beim Amt für Bundesbau gegründete BIM-Kompetenzzentrum? Beschränkt sich der Zuständigkeitsbereich dieses Kompetenzzentrums ausschließlich auf den Hochbau, und falls ja, wäre es nicht sinnvoll, die gewonnenen Erkenntnisse auch auf den Infrastrukturbau zu übertragen?
Welchen Umfang (bitte nach geplanten Ausgaben und Mannstunden aufschlüsseln) und welches konkrete Aufgabenspektrum und welche Zielgruppen hat das vom BMVI angekündigte BIM-Kompetenzzentrum? Beschränkt sich der Zuständigkeitsbereich dieses Kompetenzzentrums ausschließlich auf den Infrastrukturbau, und falls ja, wäre es nicht sinnvoll, die gewonnenen Erkenntnisse auch auf den Hochbau zu übertragen?
Welchen Umfang (bitte nach ungefähr geplanten Ausgaben und Mannstunden aufschlüsseln) und welche konkreten Aufgaben hat das vom BMWi am 1. November 2017 gestartete „Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Planen und Bauen“ (bitte gesamtes Aufgabenspektrum und die Zielgruppen ausführlich beschreiben)? Beschränkt sich der Zuständigkeitsbereich dieses Kompetenzzentrums ausschließlich auf den Hochbau, und falls ja, wäre es nicht sinnvoll, die gewonnenen Erkenntnisse auch auf den Infrastrukturbau zu übertragen?
Wie oft und wann haben Koordinierungsrunden zum Thema BIM zwischen den beteiligten Ressorts in der 18. und 19. Legislaturperiode getagt, ist eine weitere Koordinierungsrunde geplant, und soll dieses Format beibehalten werden?
Plant die Bundesregierung in Zukunft gemeinsame Gipfelveranstaltungen der beteiligten Ressorts zum Thema BIM, oder soll es weiterhin getrennte Gipfelveranstaltungen geben?
Übernimmt Staatsministerin Dorothee Bär oder eine andere Stelle im Bundeskanzleramt eine Koordinierungsfunktion bezüglich des weiteren Vorgehens bei der Einführung von BIM innerhalb der verschiedenen beteiligten Ressorts, und wie sieht diese Koordinierungsfunktion ggf. aus?
War die Digitalisierung des Planens und Bauens bereits Thema des Kabinettsausschusses für Digitalisierung? Ist eine Befassung des Kabinettsausschusses für Digitalisierung mit diesem Thema geplant?
Welche anderen Stellen innerhalb der Bundesregierung koordinieren ggf. Fragen bezüglich des Digitalen Bauens?
Welche Empfehlungen wurden der Bundesregierung im Rahmen des Innovationsdialogs zwischen Bundesregierung und Wirtschaft und Wissenschaft zur Digitalisierung des Bauens wann unterbreitet, und wie wurden diese Empfehlungen begründet?
Hat die Bundesregierung vor, die „Policy Papers“, die der Bundesregierung seit 2010 regelmäßig im Rahmen dieses Innovationsdialogs zur Verfügung gestellt werden, bzw. die Ergebnisse 2010 bis 2013 („Erfolgsfaktoren moderner Innovationspolitik“) oder die Ergebnisse 2014 bis 2017 („Zukunft innovativ gestalten“), ganz oder teilweise zu veröffentlichen und/oder Abgeordneten des Deutschen Bundestages zur Verfügung zu stellen? Wie begründet die Bundesregierung ihre Entscheidung?
Sieht die Bundesregierung weiteren Handlungsbedarf, um die Digitalisierung des Hochbaus in den betroffenen Branchen zu unterstützen, und welche konkreten weiteren Maßnahmen sind hierzu in Planung?
Welche konkreten Maßnahmen hat die Bundesregierung ergriffen bzw. plant die Bundesregierung, um ein weiterführendes Zielniveau – wie im Ausblick des Stufenplans Digitales Planen und Bauen beschrieben – zu konkretisieren? Falls noch keine konkreten Maßnahmen geplant sind, wann gedenkt die Bundesregierung dies zu tun?
Beabsichtigt die Bundesregierung, ein gemeinsames weiterführendes Zielniveau für den Bundeshochbau und Bundesinfrastrukturbau zu erarbeiten?