Wald und Holz in der Klimabilanz 2019
der Abgeordneten Karlheinz Busen, Frank Sitta, Dr. Gero Clemens Hocker, Carina Konrad, Nicole Bauer, Dr. Christoph Hoffmann, Grigorios Aggelidis, Renata Alt, Jens Beeck, Dr. Marco Buschmann, Carl-Julius Cronenberg, Dr. Marcus Faber, Otto Fricke, Reginald Hanke, Peter Heidt, Katrin Helling-Plahr, Markus Herbrand, Katja Hessel, Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Olaf in der Beek, Pascal Kober, Ulrich Lechte, Till Mansmann, Alexander Müller, Bernd Reuther, Dr. Stefan Ruppert, Matthias Seestern-Pauly, Dr. Hermann Otto Solms, Bettina Stark-Watzinger, Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Katja Suding, Gerald Ullrich und der Fraktion der FDP
Vorbemerkung
Am 16. März 2020 stellte die Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit Svenja Schulze die Klimabilanz 2019 vor (https://www.tagesschau.de/inland/klimabilanz-103.html). Die Reduktion der Emissionen im Jahr 2019 wird als Erfolg verschiedenster energiepolitischer Ansätze interpretiert. Zu diesen Ansätzen zählen in erster Linie der Ausbau der erneuerbaren Energien, die Abschaltung von Kohlekraftwerken oder die Verwendung von Biokraftstoffen. Dem Beitrag des Waldes mit seiner CO2-Speicherfunktion (CO2 = Kohlendioxid) wird dabei kaum Beachtung geschenkt, obwohl der Sektor Forst und Holz durch Waldbewirtschaftung und Holzverarbeitung tagtäglich dazu beiträgt, die CO2-Emissionen zu mindern. Ohne aktive Waldwirtschaft hätte Deutschland derzeit schon jährlich rund 127 Millionen Tonnen mehr an CO2 emittiert, das entspricht 14 Prozent des jährlichen CO2-Ausstoßes (https://www.waldeigentuemer.de/wp-content/uploads/2019/08/Klimapapier_AGDW_FabLF_Final.pdf). Die Funktionen der Wälder und Produkte aus Holz können einen erheblichen Teil dazu leisten, die Treibhausgasemissionen langfristig weiter zu reduzieren.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen9
Inwieweit wurde die Speicherung von Kohlendioxid durch die Sektoren „Forst“ und „Holz“ in der Klimabilanz 2019 nach Kenntnis der Bundesregierung erfasst und berücksichtigt?
a) Inwieweit wurde die Absorption von Kohlendioxid durch bewirtschaftete Wälder berücksichtigt, und wie hoch ist der entsprechende Anteil?
b) Inwieweit wurden Holzprodukte als langfristige Speicher für Kohlendioxid berücksichtigt, und wie hoch ist der entsprechende Anteil?
c) Inwieweit wurde Holz als erneuerbarer Energieträger berücksichtigt, und wie hoch ist der entsprechende Anteil?
Welche absorbierenden Wirtschaftssektoren sind der Bundesregierung gegenüber den emittierenden Wirtschaftssektoren im Zuge der Ermittlung der Klimabilanzen bekannt?
a) Welche absorbierenden Sektoren wurden in der Klimabilanz erfasst und bilanziert, und wie hoch ist der entsprechende Anteil?
b) Welche emittierenden Sektoren wurden in der Klimabilanz erfasst und bilanziert, und wie hoch ist der entsprechende Anteil?
Welchen Beitrag liefern nach Ansicht der Bundesregierung die bekannten Ökosystemleistungen des Sektors „Forst“ zur Entwicklung der Klimabilanzen und zur Reduktion von CO2-Emissionen, und wie hoch waren die entsprechenden Anteile seit 1990?
Welche anderen als die vorgenannten Ökosystemleistungen, die einer Reduktion von Treibhausgasemissionen dienen können, werden nach Kenntnis der Bundesregierung in der Erstellung der Klimabilanz berücksichtigt?
Inwieweit plant die Bundesregierung die CO2-bindenden Sektoren „Forst“ und „Holz“ in den zukünftigen Klimabilanzen explizit zu berücksichtigen?
Wie werden die Entwaldung und der Rückgang von Waldfläche durch Sturmereignisse und Schaderreger in Deutschland in der Klimabilanz 2019 nach Kenntnis der Bundesregierung berücksichtigt, wenn seit 2018 zu verfolgen ist, dass ein signifikanter Teil an Waldsubstanz durch Sturmschäden oder Forstschädlinge zerstört wurde (https://www.bmel.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/2020/040-waldschaeden-aktuelle-zahlen-2020.html)?
In welchem Umfang haben die Entwaldung und der Rückgang von Waldfläche durch Sturmereignisse und Schaderreger in Deutschland Einfluss auf die Klimabilanz seit 1990 gehabt?
Welche anderen Maßnahmen als die Maßnahmen des Förderbereichs 5 F der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) sind nach Ansicht der Bundesregierung erforderlich, um die Senkenleistung der Wälder langfristig zu erhalten und auszubauen und dadurch den Klimaschutz zu verbessern?
Inwieweit kann nach Kenntnis der Bundesregierung die Vermeidung von Treibhausgasemissionen durch die thermische Nutzung von Holz gesteigert werden?