Fort- und Weiterbildungen für Fachkräfte in der frühkindlichen Bildung
der Abgeordneten Matthias Seestern-Pauly, Katja Suding, Nicole Bauer, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Christine Aschenberg-Dugnus, Mario Brandenburg (Südpfalz), Dr. Marco Buschmann, Hartmut Ebbing, Dr. Marcus Faber, Reginald Hanke, Katrin Helling-Plahr, Markus Herbrand, Reinhard Houben, Dr. Christian Jung, Dr. Marcel Klinge, Pascal Kober, Konstantin Kuhle, Oliver Luksic, Dr. Jürgen Martens, Frank Müller-Rosentritt, Dr. h. c. Thomas Sattelberger, Dr. Wieland Schinnenburg, Dr. Hermann Otto Solms, Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Benjamin Strasser, Dr. Andrew Ullmann, Gerald Ullrich und der Fraktion der FDP
Vorbemerkung
Fachkräfte in Einrichtungen der Kindertagesbetreuung sind nach Ansicht der Fragestellerinnen und Fragesteller unerlässlich für eine qualitativ hochwertige frühe Bildung. Um das Berufsfeld attraktiver zu gestalten, hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) am 18. Dezember 2018 eine Fachkräfteoffensive gestartet (https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/fachkraefteoffensive-fuer-erzieherinnen-und-erzieher-vorgestellt/131402).
Die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Dr. Franziska Giffey bezog sich bei der Vorstellung der Fachkräfteoffensive auf die Personallücke in der frühkindlichen Bildung: „Nach aktuellen Berechnungen wird die Personallücke in der frühen Bildung bis zum Jahr 2025 bei bis zu 191 000 Erzieherinnen und Erziehern liegen.“ (vgl. ebd.).
Wichtige Bausteine für ein attraktives Berufsbild sind dabei die Perspektiven zur Fort- und Weiterbildung von Fachkräften. Sozialpädagogische Fachkräfte haben nach dem Bildungsurlaubsgesetz (BFQG) einen Rechtsanspruch auf jährlich fünf Tage Bildungsurlaub. Neben Fort- und Weiterbildungsangeboten gibt es auch die Möglichkeit, an einer berufsbegleitenden zertifizierten Zusatzqualifikation teilzunehmen. Fachkräfte mit (Fach-) Hochschulreife haben ferner die Möglichkeit, eine ergänzende Berufsausbildung zu absolvieren, beispielsweise zur Heilerzieherin oder Sozialpädagogin. Darüber hinaus gibt es frühpädagogische Studiengänge für Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen, um vertieftes Wissen zur frühen Kindheit, Bildung oder Sozialmanagement zu vermitteln.
Die Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WIFF) ist eine gemeinsame Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und der Robert Bosch Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Jugendinstitut (DJI), welche im Jahr 2008 ins Leben gerufen wurde. Eines der Ziele der WIFF ist die Analyse der Professionalisierung in der frühkindlichen Bildung als Schlüssel zur Weiterentwicklung der Qualität der pädagogischen Arbeit (https://www.weiterbildungsinitiative.de/ueber-wiff/ziele/beirat/). Seit dem Jahr 2008 fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung zudem die Bildungsinitiative „Haus der kleinen Forscher“, die pädagogische Fach- und Lehrkräfte fortlaufend dabei unterstützt, Kinder im Kita- und Grundschulalter qualifiziert beim Entdecken, Forschen und Lernen zu begleiten und entsprechende Fortbildungen im MINT-Bereich anbietet (https://www.haus-der-kleinen-forscher.de/de/ueberuns/die-stiftung). Im Zuge der Kita- und Schulschließungen, um die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen, wurde die „Online-Plattform für Fachkräfte in der Kindertagesbetreuung“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend für Erzieherinnen und Erziehern eingerichtet, um auch während der Schließzeiten Weiterbildungen für Fachkräfte im Bereich Praxisanleitung zu ermöglichen.
Aufgrund der weiterhin angespannten Fachkräftesituation und der Bedeutung von Fort- und Weiterbildungen für die Professionalisierung und Attraktivitätssteigerung des Berufsfeldes besteht aus Sicht der Fragestellerinnen und Fragesteller Informationsbedarf über die (Flächen-) Wirkung der bestehenden Angebote.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen15
Welches sind nach Kenntnis der Bundesregierung die Haupthindernisse bei der Inanspruchnahme von Fort- und Weiterbildungsangeboten in der frühkindlichen Bildung?
Welche zertifizierten Zusatzqualifikationen werden nach Kenntnis der Bundesregierung für Fachkräfte der frühkindlichen Bildung angeboten?
Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Teilnehmerzahl dieser zertifizierten Zusatzqualifikationen entwickelt?
Wie viele Fachkräfte in der frühkindlichen Bildung haben nach Kenntnis der Bundesregierung eine (Fach-) Hochschulreife?
Welche frühpädagogischen Studiengänge gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung?
Wie viele (Fach-) Hochschulen bieten nach Kenntnis der Bundesregierung frühpädagogische Studiengänge an (bitte nach Bundesländern aufschlüsseln)?
Wie viele Studierende sind in diesen Studiengängen eingeschrieben (bitte nach Bundesländern aufschlüsseln)?
Wie viele Träger der Weiterbildung in der frühkindlichen Bildung gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung (aufschlüsseln nach allgemeinen, betrieblichen, politischen, konfessionellen und privaten Weiterbildungsinstitutionen aufschlüsseln)?
Wie viele Träger von Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen in der frühkindlichen Bildung sind nach Kenntnis der Bundesregierung gleichzeitig Träger von Einrichtungen der frühkindlichen Bildung?
Wie viele Träger von Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen in der frühkindlichen Bildung sind nach Kenntnis der Bundesregierung nach der Anerkennungs- und Zulassungsverordnung Weiterbildung (AZWV) anerkannt?
Wie viele Anträge auf Kostenübernahme für Fort- und Weiterbildungen in der frühkindlichen Bildung von nach der AZWV anerkannten Trägern wurden bei der Bundesagentur für Arbeit eingereicht?
Wie viele dieser Anträge wurden bewilligt?
Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung durch Analyseergebnisse der WIFF zur Professionalisierung in der frühkindlichen Bildung seit dem Jahr 2013 gewonnen?
Welche Maßnahmen zur Förderung der Qualität der Weiterbildungsinhalte und Weiterbildungsstrukturen wurden nach Kenntnis der Bundesregierung von der WIFF in den letzten fünf Jahren umgesetzt?
Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Quote der Fachkräfte in der frühkindlichen Bildung, die Zugang zu den Angeboten auf der „Online-Plattform für Fachkräfte in der Kindertagesbetreuung“ des BMFSFJ (die Entwicklung der Zahlen bitte nach Monaten aufschlüsseln und in absoluten Zahlen sowie vom Hundert angeben)?
Wie hoch ist die durchschnittliche tägliche Zugriffrate?
Wie hat sich die Zahl der Fortbildungsanbieter im Rahmen der Bildungsinitiative „Haus der kleinen Forscher“ in den Bundesländern nach Kenntnis der Bundesregierung seit dem Jahr 2008 entwickelt?
Wie viele Kitas, Horte und Grundschulen haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung seit dem Jahr 2008 als „Haus der kleinen Forscher“ zertifiziert?
Wie hat sich die Zahl der jährlichen Neuzertifizierungen seit dem Jahr 2008 entwickelt (bitte nach Kitas, Horten und Grundschulen aufschlüsseln)?
Wie hat sich die Quote der Folgezertifizierungen seit dem Jahr 2010 entwickelt (bitte nach Kitas, Horten und Grundschulen aufschlüsseln)?
Wie viele Pädagoginnen und Pädagogen wurden nach Kenntnis der Bundesregierung seit 2008 mit Fortbildungen des „Haus der kleinen Forscher“ erreicht (bitte nach Fachkräften der frühkindlichen Bildung und des Primarbereichs aufschlüsseln)?
Wie hat sich die Teilnehmendenzahl an Fortbildungen des „Haus der kleinen Forscher“ nach Kenntnis der Bundesregierung seit dem Jahr 2008 entwickelt?
Wie hat sich die Quote der erfolgreich abgeschlossenen Fortbildungen seit dem Jahr 2008 nach Kenntnis der Bundesregierung entwickelt?