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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

Freie Bildungsressourcen für Alle - die OER-Strategie der Bundesregierung

(insgesamt 19 Einzelfragen)

Fraktion

FDP

Ressort

Bundesministerium für Bildung und Forschung

Datum

15.09.2020

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 19/2200101.09.2020

Freie Bildungsressourcen für Alle – die OER-Strategie der Bundesregierung

der Abgeordneten Katja Suding, Jens Beeck, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Mario Brandenburg (Südpfalz), Dr. Marco Buschmann, Britta Katharina Dassler, Hartmut Ebbing, Dr. Marcus Faber, Reginald Hanke, Peter Heidt, Katrin Helling-Plahr, Markus Herbrand, Manuel Höferlin, Reinhard Houben, Olaf in der Beek, Dr. Christian Jung, Dr. Marcel Klinge, Pascal Kober, Oliver Luksic, Alexander Müller, Bernd Reuther, Dr. h. c. Thomas Sattelberger, Matthias Seestern-Pauly, Dr. Hermann Otto Solms, Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Gerald Ullrich und der Fraktion der FDP

Vorbemerkung

Das Ende der 19. Legislaturperiode des Deutschen Bundestages ist abzusehen und noch immer warten Initiativen und gemeinnützige Vereine wie Wikimedia oder das Bündnis Freie Bildung auf die von der Bundesregierung versprochene „umfassende Open Educational Resources-Strategie“ (https://blog.wikimedia.de/2020/03/02/forderungen-fuer-eine-schnellere-umsetzung-der-oer-strategie/). Ebenso wurde auf der Webseite des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) eine Studie zu digitalen Bildungsinfrastrukturen und ein Projekt mit OER-Workshops angekündigt: „Um die Kenntnislage zu offenen Bildungsformaten zu verbreitern und konkrete Ansatzpunkte darüber zu gewinnen, wie sich die Vorteile von OER noch besser entfalten bzw. wie diese in einen Handlungsrahmen für Bildungsakteure einfließen könnten, fördert das BMBF überdies eine Studie zu digitalen Bildungsinfrastrukturen und ein Projekt mit Workshops zu OER-relevanten Themen.“ (https://www.bmbf.de/de/digitale-medien-in-der-bildung-1380.html).

In der Corona-Krise wurde deutlich, wie wichtig freie Lernmaterialien (Open Educational Resources – OER) für den Unterricht von zu Hause sind. Denn das Erstellen eigener Lehr- und Lerninhalte war in der Kürze der Zeit, in der die Schulschließungen beschlossen wurden, unmöglich.

Eine der ersten beschlossenen Maßnahmen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zu Beginn der Corona-Krise war die Förderung des Auf- und Ausbaus von Lernplattformen. Dafür wurden 100 Mio. Euro aus dem DigitalPakt Schule freigegeben. Auf Nachfrage (Schriftliche Frage 104 auf Bundestagsdrucksache 19/18770, S. 73) der Abgeordneten Katja Suding und der Fraktion der FDP wurde nach Ansicht der Fragesteller deutlich, dass die Finanzierung von Bildungsinhalten und der Zugriff darauf für alle Schulen erst einmal keine Priorität hatte: „Bildungsinhalte sind daher nur dann förderfähig, wenn diese auf über den DigitalPakt geförderten Infrastrukturen laufen und somit eine unmittelbare Verbundenheit zu diesen Investitionen besteht. Diese Verbindung bedingt, dass so beschaffte Bildungsinhalte auf Landessystemen oder Landesplattformen bzw. über die Server der Landesinfrastrukturen betrieben werden müssen. Ein reiner Lizenzerwerb auf Schulebene ohne Verbindung zu einer geförderten Landesinfrastruktur ist nicht förderfähig.“

Allerdings wurde in einer weiteren Maßnahme beschlossen, die Hasso-Plattner-Institut (HPI) Schul-Cloud zeitlich befristet und für alle Schulen zu öffnen, die bisher keine eigene digitale Lerninfrastruktur besitzen. Hier ist die Möglichkeit zur Einbindung zumindest von freien Bildungsinhalten (Open Educational Resources) direkt gegeben: „Mit der Einbindung offener Bildungsinhalte – Open Educational Resources (OER) – soll auch der Zugriff auf Lerninhalte verbessert werden. Daher sind das Bündnis Freie Bildung und das edu-sharing Network Teil des Projekts.“ (https://www.bmbf.de/files/2020-03-27_037%20PM%20Schulcloud.pdf).

Im Sofortausstattungsprogramm der Bundesregierung, das vor allem benachteiligten Kindern die Möglichkeit geben soll, auch von zu Hause am Unterricht teilzuhaben, werden auch Investitionen in die notwendige Technik gefördert, damit Lehrkräfte selbstständig Inhalte erstellen können. Diese sollen „soweit möglich“ als offene Lernmaterialien (OER) zur Verfügung gestellt werden (https://www.bmbf.de/foerderungen/bekanntmachung-3089.html).

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen19

1

Auf welchem Stand befindet sich die Open-Educational-Resources-Strategie der Bundesregierung?

a) Welche Summe wurde für die Erstellung der Strategie vereinbart?

b) Wie ist der Ablaufplan zur Erstellung einer Strategie? Wurden Meilensteine vereinbart? Wenn ja, welche?

c) Gibt es ein Gremium, das die Strategie erarbeiten wird? Wenn ja, aus welchen Mitgliedern bzw. Organisationen setzt sich das Gremium zusammen? Wenn nein, inwiefern wird die Strategie auf andere Weise erarbeitet? Warum hat sich die Bundesregierung gegen ein Gremium entschieden?

2

Sind die Studie zu digitalen Bildungsinfrastrukturen und das Projekt mit Workshops zu OER-relevanten Themen noch in Planung? Gibt es schon einen Zwischenstand oder finale Ergebnisse?

a) Wenn ja, wo sind diese zu finden, und wie wurden die Ergebnisse kommuniziert?

b) Wenn nein, wann gedenkt die Bundesregierung, diese Versprechen umzusetzen?

3

Ist es nach Kenntnis der Bundesregierung möglich, die Mittel für den Auf- und Ausbau der Lernplattformen auch für die Erstellung und Weiterentwicklung von frei lizenzierten Bildungsinhalten zu verwenden, die schon auf den jeweiligen Lernplattformen der Länder erstellt wurden und werden?

a) Wenn nein, wieso nicht?

b) Wenn nein, inwiefern behindert das die Schulen, die schon in den letzten Jahren für eine gute Ausstattung gesorgt haben, für die Erstellung und Weiterentwicklung von Bildungsinhalten aber keine finanziellen Ressourcen zur Verfügung haben?

4

Wie viele Anträge für den Auf- und Ausbau von Online-Lernplattformen wurden bisher gestellt?

5

Wie viele Mittel wurden bisher freigegeben?

6

Wie viele der freigegebenen Mittel für den Auf- und Ausbau von Online-Lernplattformen und für Bildungsinhalte sind bereits geflossen (bitte nach Bundesländern aufschlüsseln)?

7

Wozu wurde die Förderung am meisten genutzt, für den Auf- und Ausbau von Lernplattformen oder für digitales Lernmaterial (bitte nach Anzahl der Anträge und nach der jeweiligen Förderungsmaßnahme aufschlüsseln)?

8

Inwiefern können Inhalte, die unter einer freien Lizenz wie im digital.learning.lab in Hamburg, die den Blick auf die Bedarfe der Lehrerinnen und Lehrer richten, erstellt und gefördert werden?

9

Plant die Bundesregierung eine Förderung zur Erstellung, Kuratierung und Qualitätssicherung von freien Lerninhalten (Open Educational Resources) zur Einbindung in die Landessysteme oder Landesplattformen?

a) Falls ja, auf wen oder welche Initiativen geht die Bundesregierung zu, um dies zu ermöglichen?

b) Falls nein, aus welchem Grund nicht?

10

Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung getroffen, um offene Lernmaterialien (OER) möglichst zugänglich für die Schulen zu machen?

11

Welche Relevanz hat die Bundesregierung dem Lernmaterial (frei zugänglich, kommerziell und selbst erstellt) in der Zeit der Schulschließungen beigemessen?

12

Hielt die Bundesregierung es für sinnvoll, dass Lehrkräfte sich nun damit beschäftigen, eigene Lernmaterialien zu erstellen (im Sofortausstattungsprogramm)?

a) Erkennt die Bundesregierung, dass die Zeit zur Erstellung eigener Inhalte besser in die Kommunikation zwischen Schülerinnen und Schülern und Lehrkraft gesteckt werden sollte?

b) Aus welchem Grund ist das Erstellen neuer Inhalte effektiver als das Nutzen von qualitativ hochwertigen Unterrichtsmaterialien unter freier Lizenz?

13

Welche Schritte hat die Bundesregierung unternommen, um den Schulen den Unterricht schnell und unkompliziert von zu Hause mit Online-Lernmaterialien zu ermöglichen?

14

Inwiefern hat die Bundesregierung neue Maßnahmen beschlossen, um den Unterricht in den Schulen und von zu Hause aus digitaler zu gestalten?

15

Welche Schritte erwägt die Bundesregierung, um die Aus- und Fortbildung im Bereich Urheberrecht und freie Bildungsressourcen von Lehrerinnen und Lehrern bundesweit zu unterstützen?

16

Wie schätzt die Bundesregierung den Mehrwert offener Bildungsressourcen für die Unterrichtspraxis ein, und sind entsprechende Fördermaßnahmen zur Erstellung von offenen Bildungsressourcen ggf. in Zusammenarbeit mit den Bundesländern geplant?

17

Welche Schritte unternimmt die Bundesregierung, um den Aufbau von Kapazitäten und die Entwicklung des politischen Dialogs zum Thema freie Bildungsressourcen zu gewährleisten? Inwieweit wird die OER-Informationsstelle dabei eine Rolle spielen?

18

Wie kann die Auffindbarkeit von frei verfügbaren Bildungsressourcen für alle Lehrerinnen und Lehrer in Deutschland unabhängig von den Landes-Bildungsservern gewährleistet werden?

19

Wie stellt die Bundesregierung sicher, dass aus Bundesmitteln geförderte Angebote allen Lehrerinnen und Lehrern in Deutschland zugutekommen?

Berlin, den 26. August 2020

Christian Lindner und Fraktion

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