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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

Hintergründe zur Finanzierung der Entwicklung neuer Therapeutika gegen SARS-CoV-2

(insgesamt 8 Einzelfragen)

Fraktion

FDP

Ressort

Bundesministerium für Bildung und Forschung

Datum

21.04.2021

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 19/2815331.03.2021

Hintergründe zur Finanzierung der Entwicklung neuer Therapeutika gegen SARS-CoV-2

der Abgeordneten Christian Dürr, Otto Fricke, Ulla Ihnen, Karsten Klein, Christoph Meyer, Bettina Stark-Watzinger, Grigorios Aggelidis, Renata Alt, Nicole Bauer, Jens Beeck, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Mario Brandenburg (Südpfalz), Dr. Marco Buschmann, Britta Katharina Dassler, Dr. Marcus Faber, Daniel Föst, Thomas Hacker, Reginald Hanke, Peter Heidt, Markus Herbrand, Torsten Herbst, Katja Hessel, Dr. Gero Clemens Hocker, Reinhard Houben, Olaf in der Beek, Pascal Kober, Konstantin Kuhle, Ulrich Lechte, Frank Schäffler, Frank Sitta, Dr. Hermann Otto Solms, Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Benjamin Strasser, Stephan Thomae, Manfred Todtenhausen, Gerald Ullrich, Nicole Westig und der Fraktion der FDP

Vorbemerkung

Die anhaltende COVID-19-Pandemie in Deutschland mit wieder steigenden Infektionszahlen stellt die Gesellschaft, Wirtschaft sowie unser Gesundheitswesen weiter vor große Herausforderungen. Da die Beschaffung, Distribution und Verimpfung der effektiven Vakzine langsamer voranschreitet als zunächst erhofft, stellen Therapeutika gegen SARS-CoV-2 nach Ansicht der Fragesteller einen zweiten sehr wichtigen Baustein für die Vermeidung von lebensbedrohlichen Krankheitsverläufen und Todesfällen durch COVID-19 dar. Stand heute ist die Zahl der zur Verfügung stehenden Therapeutika jedoch stark begrenzt. Die Fraktion der FDP hat dabei in der Vergangenheit immer wieder darauf hingewiesen, dass der Erforschung und Entwicklung effektiver Therapeutika gegen SARS-CoV-2 mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden müsse. Bisher sind vonseiten der Bundesregierung lediglich zwei Programme für die COVID-19-Medikamentenforschung auf den Weg gebracht worden.

Mit der ersten Förderbekanntmachung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) vom 3. März 2020, die neben Projekten zum Verständnis der Verbreitung und Diagnostik des COVID-19-Virus auch therapeutische Ansätze umfasst hat, wurden 45 Mio. Euro bereitgestellt. Der zweite Förderaufruf des BMBF für die Entwicklung von Therapeutika zur Behandlung von COVID-19 wurde erst knapp zehn Monate später am 6. Januar 2021 veröffentlicht und umfasst zunächst ein Volumen von 50 Mio. Euro. Beide Programme zur Unterstützung der Entwicklung von COVID-19-Medikamenten bleiben dabei zusammengenommen weit hinter den 750 Mio. Euro an Förderung zurück, die die Bundesregierung für die Entwicklung von Impfstoffen durch ihr Sonderprogramm Impfstoffforschung vom 11. Juni 2020 zur Verfügung gestellt hat.

Die Priorität, die die Bundesregierung der Unterstützung deutscher Forscherinnen und Forscher bei der Entwicklung eines Therapeutikums gegen SARS-CoV-2 beimisst, zeigt sich darüber hinaus in zwei Nachrichten, die uns in den vergangenen Wochen erreichten.

  • Erstens gab der Bundesminister für Gesundheit Jens Spahn Ende Januar an, für 400 Mio. Euro knapp 200 000 Dosen eines auf monoklonalen Antikörpern basierenden COVID-19-Therapeutikums von zwei US-amerikanischen Herstellern gekauft zu haben (vgl. Deutsche Apotheker Zeitung, 25. Januar 2021, https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2021/01/25/bund-kauft-antikoerper-arzneimittel-fuer-400-millionen-euro). Während dieser Schritt im Interesse der Vermeidung schwerer Krankheitsverläufe grundsätzlich zu begrüßen ist, steht er jedoch nach Ansicht der Fragesteller im deutlichen Kontrast zu der sehr geringen Förderung der Bundesregierung für die Entwicklung von Therapeutika in Deutschland.

Die NBank des Landes Niedersachsen sowie drei Braunschweiger Einzelinvestoren haben sich in den zwei bisherigen Finanzierungsrunden insgesamt mit einem hohen einstelligen Millionenbetrag an CORAT Therapeutics beteiligt, um die weitere Forschung an dem Medikament zu gewährleisten (vgl. Braunschweiger Zeitung). Um das Therapeutikum bis zu einer möglichen bedingten Zulassung weiterzuentwickeln, benötigt CORAT Therapeutics jedoch kurzfristig weitere 55 Mio. Euro, für die sich auch nach längerer Investorensuche, abgesehen von den chinesischen und vietnamesischen Interessenten, keine weiteren Geldgeber finden lassen (vgl. RegionalHeute, 12. März 2021, https://regionalheute.de/braunschwieger-covid-medikament-warum-zoegert-berlin-braunschweig-gifhorn-goslar-helmstedt-peine-salzgitter-wolfenbuettel-wolfsburg-1615544932/).

Um die fehlenden 55 Mio. Euro zu erhalten, hat sich CORAT Therapeutics bei dem zweiten Förderaufruf des BMBF vom 6. Januar 2021 beworben, rechnet aber selber damit, maximal 2 Mio. Euro ausgezahlt zu bekommen (vgl. Braunschweiger Zeitung). Darüber hinaus haben niedersächsische Landespolitiker wie Ministerpräsident Stephan Weil und Landeswirtschaftsminister Dr. Bernd Althusmann bei Bundespolitikern wie dem Chef des Bundeskanzleramts Helge Braun, dem Bundesminister für Wirtschaft und Energie Peter Altmaier, Bundesminister für Gesundheit Jens Spahn und der Bundesministerin für Bildung und Forschung Anja Karliczek um Hilfe gebeten, jedoch bisher ohne Erfolg (vgl. Braunschweiger Zeitung).

Im Angesicht der weiterhin bestehenden Finanzierungsprobleme bei ihrer wichtigen Forschung zu SARS-CoV-2-Therapeutika könnte sich CORAT Therapeutics daher gezwungen sehen, das chinesische oder vietnamesische Übernahmeangebot anzunehmen, was nach Ansicht der Fragesteller zu einem Verlust wertvollen Know-hows am Forschungsstandort Deutschland führen könnte.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen8

1

Weshalb fallen die Förderprogramme der Bundesregierung für Therapeutika gegen SARS-CoV-2 im Vergleich zu Förderprogrammen für Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 deutlich kleiner aus?

2

Welche Bundesministerien oder nachgelagerten Behörden wurden wann von den Finanzierungsproblemen von CORAT Therapeutics bei der Entwicklung ihres COVID-19-Medikaments in Kenntnis gesetzt (nach Bundesministerium bzw. Behörde und Datum des ersten Kontakts aufschlüsseln)?

3

Welche Bundesministerinnen und Bundesminister wurden wann von den Finanzierungsproblemen von CORAT Therapeutics bei der Entwicklung ihres COVID-19-Medikaments in Kenntnis gesetzt (nach Bundesminister und Datum des ersten Kontakts aufschlüsseln)?

4

Warum ist die Bundesregierung trotz mehrfacher Hinweise durch unterschiedliche politische Entscheidungsträger nicht bereit, die CORAT Therapeutics finanziell bei der weiteren Entwicklung ihres nach Ansicht der Fragesteller vielversprechenden COVID-19-Therapeutikums zu unterstützen?

5

Warum ist die Bundesregierung willens, 400 Mio. Euro für ein US-amerikanisches Therapeutikum auszugeben, während sie gleichzeitig einem nach Ansicht der Fragesteller vielversprechenden deutschen Therapeutikum die für die Weiterentwicklung entscheidende und im Vergleich relativ niedrige Förderung von 55 Mio. Euro verweigert?

6

Wie schätzt die Bundesregierung die potenziell entstehende Situation ein, dass das Braunschweiger Unternehmen CORAT Therapeutics wegen einer fehlenden finanziellen Unterstützung des Bundes ein Übernahmeangebot aus China oder Vietnam annehmen muss?

7

Wie gedenkt die Bundesregierung, im konkreten Fall von CORAT Therapeutics weiter vorzugehen?

8

Plant die Bundesregierung, im Angesicht der vermehrten Zahl von COVID-19-Mutationen sowie der Probleme mit dem AstraZeneca-Impfstoff die Entwickler von SARS-CoV-2-Therapeutika stärker zu fördern?

Berlin, den 24. März 2021

Christian Lindner und Fraktion

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