Senioren in der Corona-Falle: Medien- und Digitalkompetenz im Alter
der Abgeordneten Thomas Hacker, Katja Suding, Grigorios Aggelidis, Renata Alt, Jens Beeck, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Mario Brandenburg (Südpfalz), Dr. Marco Buschmann, Carl-Julius Cronenberg, Hartmut Ebbing, Dr. Marcus Faber, Daniel Föst, Otto Fricke, Reginald Hanke, Peter Heidt, Dr. Gero Clemens Hocker, Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Olaf in der Beek, Daniela Kluckert, Pascal Kober, Carina Konrad, Konstantin Kuhle, Ulrich Lechte, Dr. Wieland Schinnenburg, Matthias Seestern-Pauly, Frank Sitta, Judith Skudelny, Dr. Hermann Otto Solms, Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Linda Teuteberg, Stephan Thomae, Gerald Ullrich, Sandra Weeser, Nicole Westig und der Fraktion der FDP
Vorbemerkung
Die Corona-Pandemie hat nach Ansicht der Fragesteller deutlich gezeigt, dass in Krisenzeiten Fake News besonders schnell entstehen und Verbreitung finden. Der Lockdown und die eingeschränkten Kontaktmöglichkeiten befördern dies umso mehr, denn der persönliche Austausch mit anderen auf dem Weg zur Arbeit, bei der Arbeit, in Clubs, Bars, Restaurants oder in Kultureinrichtungen bleibt aus. Virtuelle Blasen, sogenannte Filterblasen und Echokammern, treffen seit nunmehr einem Jahr auf reale Blasen in Form von häuslicher Isolation.
Besonders betroffen sind diejenigen, die den Austausch und die Kommunikation auf digitalem Wege noch nicht verinnerlicht haben. Der Kreislauf der Isolation nimmt zu und der unbedarfte Blick ins offene Netz findet häufig unreflektiert statt. Oft entstehen auch dadurch aus Falschmeldungen hartnäckige Verschwörungsmythen. Menschen im Alter „65 plus“ dürfen in ihrer Isolation nicht allein gelassen werden. Jede Person für die das Internet Neuland ist und die sich aufgrund neuer inhaltlicher und technischer Herausforderungen unsicher oder unbehaglich fühlt, braucht Unterstützung und verdient Unterstützung. Wir müssen daher alle Menschen – unabhängig vom Alter – dazu befähigen, die aktuell und in Zukunft dringend benötigte Medien- und Digitalkompetenz zu erwerben, um Fake News, Fake Shops, Spam, Phishing sowie sonstige virtuelle Angriffe auf die eigene Person oder die eigenen Daten besser erkennen und einordnen sowie sich bewusster davor schützen zu können. Doch nicht nur das – Medien- und Digitalkompetenz für Senioren bedeutet Wissen, Austausch und digitale Souveränität –, erst Recht in der Pandemie (so auch https://www.br.de/nachrichten/wissen/medienkompetenz-im-alter-senioren-in-der-corona-falle,SMwW2Mv).
Diese Unsicherheit aufgrund fehlender Internetkompetenz spiegelt sich nach Ansicht der Fragesteller auch in Zahlen wider. Auf die Frage hin, wie gut sie Fake News erkennen, gibt im Durchschnitt in Deutschland nur jeder zehnte Befragte an, sich bei der Identifikation von Fake News sicher zu sein (Stichprobengröße 2 000, Grundgesamtheit: deutsche Bevölkerung ab 16 Jahren, siehe: Bundestagsdrucksache 19/20908, S. 7, Frage 9a). Die über 50-Jährigen geben an, Desinformation noch schlechter zu erkennen.
Die Fragesteller beziehen sich hauptsächlich auf die Ergebnisse der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage „Medienkompetenz“ der Fraktion der FDP auf Bundestagsdrucksache 19/3649.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen16
Welche Aktivitäten hat die Bundesregierung unternommen, um insbesondere die Medien- und Digitalkompetenz älterer Menschen – jenseits des 65. Lebensjahres – in der Corona-Pandemie zu stärken (bitte nach Bundesministerien, Staatsministerien und untergeordneten Behörden aufschlüsseln)?
Hat die Bundesregierung die Aktivitäten der „AG Bildung im und für das Alter“ (AG Bildung) des vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) in der 18. Wahlperiode (WP) gegründeten „Runden Tisches Aktives Altern – Übergänge gestalten“ („RTTA“) in der 19. Legislaturperiode fortgeführt, um Handlungsempfehlungen für die Bereiche Bildung und Digitalisierung in Bezug auf Menschen ab dem 65. Lebensjahr zu geben?
a) Wenn ja, wie?
b) Welche Ergebnisse wurden erzielt, und wie wurden diese nach Kenntnis der Bundesregierung in die Tat umgesetzt?
c) Wenn nein, warum nicht?
Hat die Bundesregierung an der Stärkung der digitalen Kompetenzen und Souveränität älterer Menschen – die auch Gegenstand zweier Workshops des BMFSFJ auf den IT-bzw. Digital-Gipfeln der Bundesregierung 2016 und 2018 waren – in der 19. Legislaturperiode weitergearbeitet?
a) Wenn ja, wie?
b) Wenn nein, warum nicht?
Fördert die Bundesregierung die Servicestelle „Digitalisierung und Bildung für ältere Menschen“, die bei der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen e. V. (BAGSO) als Projektträger eingerichtet wurde, auch weiterhin? Wie gut wird nach Kenntnis der Bundesregierung das Online-Portal angenommen?
Wie erfolgreich arbeitet nach Informationen der Bundesregierung der Fachbeirat „Digitalisierung und Bildung für ältere Menschen“ beim BMFSFJ hinsichtlich der Verbesserung der digitalen Kompetenz älterer Menschen? Wird die Arbeit des Fachbeirates – der bis zum Ende der 19. Wahlperiode berufen wurde – verlängert?
Hat die Bundesregierung neben der Broschüre „Nie zu alt fürs Internet“ zur Förderung der digitalen (Medien-)Kompetenz älterer Menschen, die in Zusammenarbeit mit der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz erstellt und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit des BMFSFJ vertrieben wird, weitere Publikationen in der 19. Wahlperiode entwickelt? Wie wird die Broschüre nach Kenntnis der Bundesregierung von der Zielgruppe angenommen (bitte die Zugriffe pro Jahr für die Jahre 2018, 2019 und 2020 angeben)?
Welche konkreten Maßnahmen meinte die Bundesregierung in ihrer Antwort in Anlage 1 auf Bundestagsdrucksache 19/3649 (S. 22, Zeile 3 der Tabelle) mit „Maßnahme zur Vermittlung digitaler (Medien-)Kompetenz älterer Menschen“, gefördert vom BMFSFJ seit 2018?
Welche Medienformate und Verbreitungskanäle nutzen nach Kenntnis der Bundesregierung vor allem ältere Menschen ab dem 65. Lebensjahr (bitte anders als bei Bundestagsdrucksache 19/20908, Frage 4b, ältere Menschen ab dem 65. Lebensjahr – und nicht ab dem 50. Lebensjahr – definieren)?
Welche Angebote offeriert und finanziert die Bundesregierung beim Thema Medienkompetenz der Personen jenseits des 65. Lebensjahres (bitte nach Ressort bzw. nachgeordneter Behörde; Initiative, Maßnahme, Gutachten zu Medienkompetenz; Zielgruppe der Initiative; Start; Zeitraum; Finanzierung 19. WP, analog zu Anlage 1 auf Bundestagsdrucksache 19/3649)?
Welche Angebote gibt es von Seiten der Bundesregierung für ältere Menschen, um mehr über Desinformationen und Fake News im Internet zu lernen sowie Maßnahmen an die Hand zu bekommen, um diese zu identifizieren und mit ihnen umgehen zu können (Beispiel: „Get Your Facts Straight!“; die Integration der Antwort in die Tabelle zu Frage 9 wird bevorzugt)?
Welche Studien sind mithilfe der Bundesregierung zustande gekommen, die sich mit dem Stand der Nachrichtenkompetenz der Bevölkerung und insbesondere von Personen jenseits des 65. Lebensjahres beschäftigen, und welche Studien zu diesem Thema liegen ihr darüber hinaus vor (z. B. Studie der „Stiftung Neue Verantwortung“)?
Hat die Bundesregierung neben dem vom BMFSFJ geförderten Bundesprogramm „Demokratie leben!“ weitere Projekte gefördert bzw. Programme aufgelegt, um für den Umgang mit Desinformation zu sensibilisieren? Hat die Bundesregierung dies insbesondere für Personen jenseits des 65. Lebensjahres vorgenommen? Welche der in der Antwort zu den Fragen 9b und 9c auf Bundestagsdrucksache 19/20908 genannten Projekte wurden explizit für ältere Personen aufgelegt?
Welche speziellen Angebote zur Sensibilisierung und Aufklärung von Älteren über den Umgang mit Social Media, Datenschutz, Fake News, Hate Speech und Cybermobbing hat die Bundeszentrale für Digitale Aufklärung wann gemacht (bitte Projekt, Projektträger, dafür vorgesehene Mittel im Haushalt und verausgabte Haushaltsmittel angeben)?
Hat die Bundesregierung Kenntnis über die Akzeptanz und Nutzung verschiedener Verbreitungswege von Medieninhalten bei Menschen ab dem 50. Lebensjahr und ab dem 65. Lebensjahr?
a) Falls Kenntnisse vorhanden sind, welche Rückschlüsse zieht die Bundesregierung daraus allgemein und konkret in Bezug auf die Medien- und Digitalkompetenzangebote des Bundes?
b) Falls Kenntnisse vorhanden sind, inwiefern hat sich nach Ansicht der Bundesregierung die Corona-Pandemie auf die Akzeptanz und Nutzung verschiedener Verbreitungswege bei Menschen ab dem 50. Lebensjahr und ab dem 65. Lebensjahr ausgewirkt?
c) Falls nein, warum nicht?
Hat die Bundesregierung Kenntnis über die Akzeptanz und Nutzung von bestimmten Medien- und Informationsangeboten bei Menschen ab dem 50. Lebensjahr und ab dem 65. Lebensjahr?
a) Falls Kenntnisse vorhanden sind, welche Rückschlüsse zieht die Bundesregierung daraus allgemein und konkret in Bezug auf die Medien- und Digitalkompetenzangebote des Bundes?
b) Falls Kenntnisse vorhanden sind, inwiefern hat sich nach Ansicht der Bundesregierung die Corona-Pandemie auf die Akzeptanz und Nutzung von bestimmten Medien- und Informationsangeboten bei Menschen ab dem 50. Lebensjahr und ab dem 65. Lebensjahr ausgewirkt?
c) Falls nein, warum nicht?
Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, ob sich die Ergebnisse zu den Fragen 14 und 15 bei Menschen mit Migrationshintergrund anders gestalten?
a) Falls Kenntnisse vorhanden sind, welche Rückschlüsse zieht die Bundesregierung daraus allgemein und konkret in Bezug auf die Presse- und Medienvielfalt sowie auf die Medien- und Digitalkompetenzangebote des Bundes?
b) Falls Kenntnisse vorhanden sind, welchen Stellenwert haben ausländische private und ausländische staatliche Medien- und Informationsangebote auf Presse- und Medienvielfalt, auf Fake News und gezielte Desinformation sowie auf die Medien- und Digitalkompetenzangebote des Bundes?
c) Falls nein, warum nicht?