Einsatz „natürlicher“ Pflanzenschutzmittel im ökologischen Landbau
der Abgeordneten Dr. Christel Happach-Kasan, Hans-Michael Goldmann, Gudrun Kopp, Marita Sehn, Daniel Bahr (Münster), Angelika Brunkhorst, Ernst Burgbacher, Helga Daub, Jörg van Essen, Ulrike Flach, Otto Fricke, Horst Friedrich (Bayreuth), Joachim Günther (Plauen), Dr. Karlheinz Guttmacher, Klaus Haupt, Ulrich Heinrich, Birgit Homburger, Dr. Werner Hoyer, Dr. Heinrich L. Kolb, Jürgen Koppelin, Sibylle Laurischk, Dirk Niebel, Günther Friedrich Nolting, Eberhard Otto (Godern), Cornelia Pieper, Gisela Piltz, Dr. Hermann Otto Solms, Dr. Max Stadler, Carl-Ludwig Thiele, Jürgen Türk, Dr. Claudia Winterstein, Dr. Wolfgang Gerhardt und der Fraktion der FDP
Vorbemerkung
Der ökologische Landbau weckt hohe Erwartungen beim deutschen Verbraucher. Ökoprodukte vermitteln den Eindruck, sie seien gesünder als herkömmlich produzierte Landwirtschaftsprodukte. Der ökologische Anbau nimmt für sich in Anspruch, besonders schonend für die Umwelt zu sein.
Speziell am Kartoffelanbau lässt sich aufzeigen, dass die ökologischen Anbaumethoden kritisch beurteilt werden müssen. Die Kraut- und Knollenfäule, verursacht durch den Pilz Phytophthora infestans, kann beim frühen und starken Befall große Ertrags-, Qualitäts- und Lagerverluste bei Kartoffeln nach sich ziehen. Im 19. Jahrhundert führte Phytophthora infestans in Irland zu erheblichen Einbußen bei der Kartoffelernte. Diese Verluste im Kartoffelanbau bedingten eine große Hungersnot, die eine massive Auswanderungswelle der irischen Bevölkerung in die USA nach sich zog.
Da beim Ökolandbau auf den Einsatz von herkömmlichen Pflanzenschutzmitteln verzichtet werden muss, werden beim Biokartoffelanbau „natürliche“ Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Bei diesen Mitteln handelt es sich um unterschiedliche Kupferverbindungen. Die mehrjährige Anwendung solcher Kupfer-Kontaktfungizide führt auf vielen Böden zu einer problematischen Anreicherung des praktisch nicht abbaubaren Schwermetalls Kupfer.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen11
Welche vergleichenden Untersuchungen gibt es über die von Bioanbauverbänden produzierten Kartoffeln, über die nach „herkömmlicher Guter Praxis“ angebauten Kartoffeln und solche, die mit dem Gütesiegel der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein ausgezeichnet sind? Welche Ergebnisse haben diese Untersuchungen erbracht?
In welchem Umfang wurden in den vergangenen fünf Jahren Kartoffeln im biologischen Landbau angebaut, und wie groß waren die Ertragsausfälle auf Grund von Infektionen durch Phytophthora infestans?
Welche chemischen Dünge- und Spritzmittel sind derzeit für den deutschen Bio-Kartoffelanbau zugelassen, und welche enthalten Kupfer und in welchen Mengen/Dosierungen?
Ist es richtig, dass zur Bekämpfung der Kraut- und Knollenfäule bei Bio-Kartoffeln vorbeugend wirkende Kupfer-Kontaktfungizide eingesetzt werden (Verbindungen wie z. B.: Cu-hydroxid, Cu-oxichlorid, Cu-Sulfat und Cu-oxid)?
Wenn ja, in welcher Dosierung wird das Kupfer-Fungizid im Biolandbau eingesetzt?
Welchen absoluten Kupfereintrag bedeutet das für den Einzel-Hektar im Jahr?
Reichert sich das Schwermetall Kupfer dieser Kontaktfungizide im Boden an?
Über welchen Zeitraum hinweg wurden Kupfer-Kontaktfungizide bereits im deutschen Biolandbau eingesetzt?
Existieren wissenschaftliche Untersuchungen zur Kupferanreicherung der Böden durch Kupfer-Kontaktfungizide im deutschen Bio-Kartoffelanbau?
Welche Kenntnisse über die Auswaschung von Kupfer im Boden liegen der Bundesregierung vor?
Lässt sich abschätzen, wie lange die durch Kupfer-Kontaktfungizide verunreinigten Böden belastet sein werden?
Welche Wirkung haben Kupfer-Kontaktfungizide auf die Bodenbiologie und speziell auf Bodenorganismen wie Regenwürmer und Raubmilben?
Welche Substanzen werden derzeit neben Kupfer-Kontaktfungiziden zur Bekämpfung der Kraut- und Knollenfäule bei Bio-Kartoffeln eingesetzt, und welche Kosten verursachen die Mittel pro Hektar?