Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag Drucksache 15/1629
15. Wahlperiode 24. 09. 2003
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Jürgen Türk, Hans-Michael Goldmann, Horst Friedrich
(Bayreuth), Rainer Brüderle, Angelika Brunkhorst, Ernst Burgbacher, Jörg
van Essen, Otto Fricke, Joachim Günther (Plauen), Dr. Christel Happach-Kasan,
Birgit Homburger, Dr. Werner Hoyer, Dr. Heinrich L. Kolb, Gudrun Kopp, Jürgen
Koppelin, Sibylle Laurischk, Harald Leibrecht, Günther Friedrich Nolting, Eberhard
Otto (Godern), Cornelia Pieper, Gisela Piltz, Dr. Günter Rexrodt, Marita Sehn,
Dr. Wolfgang Gerhardt und der Fraktion der FDP
Havelausbau im Bereich Sacrow-Paretzer-Kanal über Havel, Wannsee
und Spree-Oder-Wasserstraße
Der im Verkehrsprojekt Deutsche Einheit (VDE) 17 geplante Ausbau der
Unteren Havel-Wasserstraße im Bereich Sacrow-Paretzer-Kanal über Havel,
Wannsee und Spree-Oder-Wasserstraße zum Westhafen in Berlin ist als
Vordringlicher Bedarf im Bundesverkehrswegeplan ausgewiesen. Das Projekt wird von
vielen Experten – ohne es grundsätzlich in Frage zu stellen – nicht als optimale
Wegführung zum Westhafen gesehen. Auf dieser Strecke wird eine starke
Überlagerung mit weiteren Verkehrsteilnehmern (Segler, Motorboote, Ruderer
und andere) befürchtet. In der anhaltenden Diskussion über dieses
Ausbauprojekt liegt bisher keine Stellungnahme der Bundesregierung vor.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Hat die Bundesregierung die Auswirkung des Projekts auf die Entwicklung
des Grundwasserstandes in den Prüfungsprozess einbezogen, und wenn ja,
mit welchem Ergebnis?
2. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung vor im Hinblick auf die
Haltung der UNESCO zur Frage des Havelausbaus vor dem Hintergrund
einer möglichen erneuten Gefährdung des Status von Potsdam als
Weltkulturerbe?
3. Wie würde sich eine Zieländerung (nur noch Erreichen des Westhafens) auf
die Wirtschaftlichkeitsberechnung der Bundesregierung auswirken?
4. Liegen der Bundesregierung gegenüber dem Stand von 1992 neue
Prognosen über die Verkehrsentwicklung vor, die eine erneute Abwägung
erforderlich machen, und wenn ja, welche Konsequenzen zieht die Bundesregierung
daraus?
5. Liegen der Bundesregierung gegenüber 1992 neue Prognosen über die
Bevölkerungsentwicklung und die wirtschaftliche Entwicklung der Region
Berlin-Brandenburg vor, die eine erneute Abwägung erforderlich machen,
und wenn ja, welche Konsequenzen zieht die Bundesregierung daraus?
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ISSN 0722-8333
6. Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse über die zu erwartenden
Transitgütermengen auf den Wasserstraßen in Zusammenhang mit dem EU-
Beitritt Polens vor, und welche Konsequenzen sind daraus im Hinblick auf den
Ausbau der Wasserstraßen in Berlin-Brandenburg zu ziehen?
7. Wäre der Ausbau des Havelkanals über Wustermark zur Havel-Oder-
Wasserstraße und zum Westhafen aus Sicht der Bundesregierung eine
realistische Alternative, und wie steht die Bundesregierung zur Einschätzung
einiger Experten, die diese Variante als die effektivere Lösung ansehen?
8. Welche Auswirkungen hätte die in Frage 7 angeführte Alternative
Havelkanal auf die Anbindung Polens an das deutsche Wasserstraßennetz?
9. Welche Auswirkungen hätte es nach Ansicht der Bundesregierung, wenn
der Sacrow-Paretzer-Kanal „nur“ saniert würde?
10. Welche Verknüpfungen (Umladestationen) zu anderen Verkehrsträgern
(Schiene/Bahn, Straße/LKW und kleinere Schiffe) sind im Einzelnen
vorgesehen?
11. Wird die Bundesregierung ein Gesamtkonzept unter Einbeziehung der
anderen Verkehrsträger vorlegen, und wenn ja, wann?
12. Ist in der Planung der volkswirtschaftliche Aspekt betrachtet worden,
Arbeitsplätze im Verkehrsgewerbe, besonders in der Binnenschifffahrt, zu
erhalten bzw. neu zu schaffen, und wenn ja, inwiefern?
13. Gibt es zeitliche Vorstellungen, die eine Anpassung des
Wasserstraßennetzes über Berlin hinaus nach erhöhten Ausbaukriterien erforderlich machen,
und in welchem Umfang sind die EU-Beitrittskandidaten davon betroffen?
14. Welche Ausbaukonzepte für die Oder bestehen auf deutscher und
polnischer Seite?
15. Findet eine gegenseitige Abstimmung zu den Ausbaukonzepten zwischen
Polen und Deutschland statt, und wenn nein, warum nicht?
Berlin, den 15. September 2003
Jürgen Türk
Hans-Michael Goldmann
Horst Friedrich (Bayreuth)
Rainer Brüderle
Ernst Burgbacher
Angelika Brunkhorst
Jörg van Essen
Otto Fricke
Joachim Günther (Plauen)
Dr. Christel Happach-Kasan
Birgit Homburger
Dr. Werner Hoyer
Dr. Heinrich L. Kolb
Gudrun Kopp
Jürgen Koppelin
Sibylle Laurischk
Harald Leibrecht
Günther Friedrich Nolting
Eberhard Otto (Godern)
Cornelia Pieper
Gisela Piltz
Dr. Günter Rexrodt
Marita Sehn
Dr. Wolfgang Gerhardt und Fraktion]