Schäden in der deutschen Forstwirtschaft nach der Hitzewelle 2003 durch Dürre und Borkenkäferbefall
der Abgeordneten Dr. Christel Happach-Kasan, Hans-Michael Goldmann, Rainer Brüderle, Angelika Brunkhorst, Ernst Burgbacher, Jörg van Essen, Otto Fricke, Birgit Homburger, Dr. Werner Hoyer, Dr. Heinrich L. Kolb, Gudrun Kopp, Jürgen Koppelin, Sibylle Laurischk, Harald Leibrecht, Dirk Niebel, Günther Friedrich Nolting, Hans-Joachim Otto (Frankfurt), Eberhard Otto (Godern), Cornelia Pieper, Gisela Piltz, Marita Sehn, Dr. Wolfgang Gerhardt und der Fraktion der FDP
Vorbemerkung
Die extreme Trockenheit in diesem Sommer hat zu dramatischen Dürreschäden im Bereich der Landwirtschaft geführt. Dies gilt in ähnlicher Weise auch für die Forstwirtschaft. Allerdings werden sich die Schäden an den Wäldern erst mittel- bis langfristig zeigen. Trockenheit und Borkenkäferbefall belasten Fichtenwälder zusätzlich, die bereits durch die Bodenversauerung infolge der Schademissionen der vergangenen Jahrzehnte geschädigt sind. Einen ersten Eindruck von den Vitalitätseinbußen der Wälder wird die Waldzustandserhebung in diesem Herbst ergeben. Die Aussage von Bundesministerin für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft, Renate Künast, von diesem Frühjahr, dass der Zustand der Wälder dank grüner Umweltpolitik heute unkritisch sei, trifft nicht zu.
Die Dürre hat nicht nur zu direkten Trockenschäden an den Waldökosystemen geführt; sie verursachte vor allem das Absterben ganzer Kulturen und Jungbestände. Außerdem hat die lang anhaltende Hitzewelle eine Massenvermehrung der Borkenkäfer verursacht, so dass jetzt in großem Ausmaß Folgeschäden auftreten. Wirtschaftlich bedeutsam sind vor allen Dingen Schäden, die durch den Buchdrucker-Borkenkäfer (Ips typographus) und den Kupferstecher (Pityogenes chalcographus) an Fichten hervorgerufen werden.
Die Sturmschäden in den Jahren 1990 und 1999 sowie die seit Jahren angespannte Lage auf dem Holzmarkt führen dazu, dass sich vor allem private und kommunale Forstbetriebe in einer betriebswirtschaftlich kritischen Situation befinden. Die bislang aufgetretenen Borkenkäferschäden führen besonders beim Fichten-Rundholz zu drastischen Preiseinbrüchen für die Verkäufer. Die negativen Auswirkungen auf dem Holzmarkt durch ein Überangebot von Holz, das zur Verhinderung der weiteren Ausbreitung der Käfer eingeschlagen werden musste, bringen viele Waldbesitzer und Forstbetriebe aus einer wirtschaftlich angespannten Situation in die Existenzgefährdung.
Derzeit liegen aus fast allen Bundesländern Meldungen über äußerst bedrohliche Borkenkäfer-Kalamitäten vor. Besonders schwere Einbußen am Fichtenbestand werden aus Teilen Bayerns, Baden-Württembergs und aus Niedersachsen gemeldet. Nach Angaben der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft in Braunschweig wird es in nahezu allen Nadelwaldgebieten Deutschlands zu großen Fichtenborkenkäfer-Problemen kommen. Das Aufstellen von Pheromonfallen in Fichtenwäldern hilft bei der frühzeitigen Erkennung eines Befalls. In Regionen mit sehr massiver Vermehrung der Borkenkäfer wird zur Verhinderung weiterer Borkenkäferschäden der Einsatz von Insektiziden erwogen.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen13
Plant die Bundesregierung aufgrund der Dürreschäden im Wald ein Soforthilfeprogramm für private und kommunale Waldbesitzer, um die wirtschaftlichen Schäden in den Betrieben aufzufangen?
Wenn ja, wie wird dieses ausgestattet sein?
Wird die Bundesregierung den betroffenen privaten und kommunalen Waldbesitzern einen finanziellen Zuschuss zur maschinellen Entrindung, zum Abtransport und zur Zwischenlagerung des vom Borkenkäfer befallenen Rundholzes gewähren, um sicherzustellen, dass die weitere Verbreitung der Borkenkäfer gestoppt wird und die erforderlichen Maßnahmen nicht aus Geldmangel unterbleiben?
Wird die Bundesregierung ihre bisherige Praxis fortsetzen und bei flächigem Ausfall von Kulturen und Jungbeständen, deren Anlage mit Mitteln des Bundes gefördert wurde, auf die Rückzahlung der Fördermittel verzichten?
Werden die Waldbesitzer die Möglichkeit haben, für die Ausbesserung bzw. Neuanlage von durch die Trockenheit geschädigten Kulturen ein weiteres Mal Fördermittel zu beantragen, wie dies z. B. das Land Bayern bereits entschieden hat?
Wie bewertet die Bundesregierung Forderungen des Naturschutzes im Zusammenhang mit der so genannten „Guten fachlichen Praxis in der deutschen Forstwirtschaft“ in Anbetracht der Waldbrand- und Käfergefahr, den Anteil an stehendem und liegendem Totholz zu erhöhen?
Wird die Bundesregierung für den Fall, dass ein bestimmter Totholzanteil ordnungsrechtlich festgeschrieben wird, die privaten und kommunalen Waldbesitzer von der Verkehrssicherungspflicht entbinden?
Welche nach Forest Stewartship Council (FSC) oder Naturland zertifizierten Forstbetriebe haben nach Kenntnis der Bundesregierung Ausnahmegenehmigungen für den Einsatz von Insektiziden gegen den Borkenkäfer eingeholt?
Wie bewertet die Bundesregierung die Tatsache, dass der FSC-zertifizierte Staatswald in Schleswig-Holstein bereits vorsorglich eine Ausnahmegenehmigung für den Insektizideinsatz gegen den Borkenkäfer eingeholt hat?
Wie bewertet die Bundesregierung die Eignung von Pheromonfallen zur Bekämpfung von Borkenkäfern insbesondere unter den Witterungsbedingungen dieses Sommers?
In welchem Umfang fördert die Bundesregierung die Pheromonforschung zur Bekämpfung von Borkenkäfern, um über die Entwicklung pheromonaler Ablenkstoffe ein giftfreies Borkenkäfermanagement zu ermöglichen und den Beifang anderer Arten zu vermindern?
Gewährt die Bundesregierung Zuschüsse für eine insektizidfreie Borkenkäferbekämpfung mit Pheromonfallen?
Beabsichtigt die Bundesregierung ein Borkenkäfermonitoring in gefährdeten Waldgebieten zu fördern?
In welchem Umfang sind Flächen des Bundes bzw. der Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG) von der Borkenkäferkalamität betroffen, welcher Wertverlust ist zu befürchten und welche Bekämpfungsmaßnahmen sind von den zuständigen Forstbetrieben eingeleitet worden?