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Kleine AnfrageWahlperiode 15Beantwortet

Bioenergie als ein Forschungsfeld für die Sicherung des Energieaufkommens aus erneuerbaren Energien (G-SIG: 15010927)

Potenzial der Biomasse für die Herstellung von Wärme, elektrischer Energie sowie festen und flüssigen Brennstoffen, Marktentwicklung, Stand der Techniken, Forschungsbedarf, -vorhaben und -förderung, Energiepflanzen, Förderprogramme und -instrumente, Beitrag zur Beschäftigungssicherung, synthetische Biokraftstoffe, Steuerbefreiung, Marktchancen, Minderungspotenziale für den CO2-Ausstoß

Fraktion

FDP

Ressort

Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft

Datum

18.05.2004

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 15/301828. 04. 2004

Bioenergie als ein Forschungsfeld für die Sicherung des Energieaufkommens aus erneuerbaren Energien

der Abgeordneten Ulrike Flach, Cornelia Pieper, Christoph Hartmann (Homburg), Rainer Brüderle, Angelika Brunkhorst, Ernst Burgbacher, Jörg van Essen, Otto Fricke, Horst Friedrich (Bayreuth), Rainer Funke, Hans-Michael Goldmann, Dr. Christel Happach-Kasan, Klaus Haupt, Ulrich Heinrich, Birgit Homburger, Dr. Werner Hoyer, Michael Kauch, Jürgen Koppelin, Sibylle Laurischk, Harald Leibrecht, Dirk Niebel, Günther Friedrich Nolting, Hans-Joachim Otto (Frankfurt), Eberhard Otto (Godern), Detlef Parr, Gisela Piltz, Dr. Günter Rexrodt, Dr. Max Stadler, Dr. Rainer Stinner, Carl-Ludwig Thiele, Jürgen Türk, Dr. Claudia Winterstein, Dr. Volker Wissing, Dr. Wolfgang Gerhardt und der Fraktion der FDP

Vorbemerkung

Heute noch sind weltweit fossile Rohstoffe die zentralen Energieträger. Auf Grund der Endlichkeit ihrer Vorkommen und Nutzbarkeit sowie der daraus resultierenden Notwendigkeit einer Ressourcenschonung muss das Potenzial der erneuerbaren Energien umfassend erschlossen werden. Innerhalb des Segments der erneuerbaren Energien stellt die Biomasse einen wichtigen Energieträger dar, der unter bestimmten Voraussetzungen sicher verfügbar ist. In ihren Umwandlungsformen kann sie als Wärme, elektrischer Strom sowie als fester und flüssiger Brennstoff bei entsprechend ausgebauter Infrastruktur bereitgestellt werden. Darüber hinaus finden ihre prozessbedingten Nebenprodukte vielerlei Anwendungen, sei es als Dünger oder Futter in der Landwirtschaft. Aus der Wirtschaft gibt es deutliche Hinweise darauf, dass deutsche Automobilhersteller verstärkt auf synthetische Kraftstoffe aus Biomasse in ihren Motorentwicklungen setzen wollen. Für den Verkehrssektor ergeben sich daher erhebliche Chancen für nachhaltige Mobilität und ein hohes CO2-Minderungspotenzial.

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) orientiert sich bisher ausschließlich an der Förderung der Stromerzeugung, während andere Verwendungszwecke keine Rolle spielen.

Das EU-Ratsdokument 51140/98 „Energie für die Zukunft: Erneuerbare Energieträger – Weißbuch für eine Gemeinschaftsstrategie und Aktionsplan“ sieht bis zum Jahr 2010 den Anteil der erneuerbaren Energien am europäischen Primärenergieverbrauch bei 12 %. Für die Bioenergie wird ein Anteil von 56,7 % prognostiziert.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen15

1

Welches Potenzial misst die Bundesregierung der Biomasse für die Herstellung von Wärme, elektrischer Energie sowie festen und flüssigen Brennstoffen in Deutschland zu?

2

Wie beurteilt die Bundesregierung die Entwicklung der einzelnen Bioenergiemärkte (Wärme, Strom, feste und flüssige Biobrennstoffe) und welche Biomassepotenziale stehen dafür jeweils zur Verfügung?

3

Welche Techniken stehen für die Herstellung von Wärme, elektrischem Strom sowie festen und flüssigen Brennstoffen aus Biomasse zur Verfügung und wie bewertet die Bundesregierung den derzeitigen Stand dieser Techniken?

4

Welchen Forschungsbedarf sieht die Bundesregierung für die Neuausrichtung der land- und forst- und wasserwirtschaftlichen Produktion und Verarbeitung auf die Biomasse?

5

Ist die Bundesregierung bereit, die Forschung und Entwicklung für die Umwandlung von Biomasse in technisch nutzbare Energien zu einem Schwerpunkt ihrer Forschungsförderung zu machen?

6

Wie ist der derzeitige Stand der Entwicklung von land- und forst- und wasserwirtschaftlich nutzbaren Energiepflanzen und wie bewertet die Bundesregierung deren Potenziale auf den unterschiedlichen Böden bzw. auch in bestimmten Gewässern?

7

Welche Forschungsvorhaben fördert die Bundesregierung für den Anbau von energiereichen Wasserpflanzen, die gleichzeitig der Sanierung bestimmter belasteter Gewässer (Braunkohlenrestlöchern und altlastenbeladene Seen) dienen?

8

Welche Förderprogramme mit welchen Förderbeträgen werden dafür zur Verfügung gestellt?

9

In welcher Form beabsichtigt die Bundesregierung, den Anbau der für die synthetischen Biokraftstoffe notwendigen Energiepflanzen in ihrer Förderung zu berücksichtigen?

10

Sieht die Bundesregierung in dem gezielten Energiepflanzenanbau einen Beitrag zur Beschäftigungssicherung in der deutschen und europäischen Landwirtschaft?

11

Beabsichtigt die Bundesregierung, auf eine Besteuerung für Biokraftstoffe über das Jahr 2009 hinaus zu verzichten?

12

Welche Förderinstrumente wird die Bundesregierung darüber hinaus für zukunftsfähige Bioenergien nutzbar machen?

13

Welche Chancen sieht die Bundesregierung für die von mehreren deutschen Automobilherstellern geplanten synthetischen Kraftstoffe aus Biomasse auf dem Kraftstoffmarkt?

14

Ist die Bundesregierung bereit, sich dafür einzusetzen, dass die synthetischen Kraftstoffe aus Biomasse auf europäischer Ebene gefördert werden?

15

Welche Minderungspotenziale für den CO2-Ausstoß räumt die Bundesregierung dem verstärkten Einsatz von Biokraftstoffen ein?

Berlin, den 23. April 2004

Dr. Wolfgang Gerhardt und Fraktion

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