Gesundheitsforschung in Deutschland – Epidemiologie
der Abgeordneten Ulrike Flach, Cornelia Pieper, Hellmut Königshaus, Angelika Brunkhorst, Horst Friedrich (Bayreuth), Dr. Wolfgang Gerhardt und der Fraktion der FDP
Vorbemerkung
Noch immer bilden Infektionskrankheiten eine Bedrohung für die Menschen in weiten Teilen der Welt. Weltweit sind Infektionskrankheiten, neben den Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die häufigste Todesursache. Noch stellen Krankheiten (Hepatitis, Tuberkulose, HIV/AIDS) sowie neu auftretende Erreger und Erregerformen (SARS, EBOLA und LASSA) eine ständige Bedrohung für die Gesundheit der Menschen dar. Im Zuge der ökonomischen Globalisierung wird zugleich eine Ausbreitung von Infektionskrankheiten rund um den Globus festgestellt.
Eine zunehmende Impfmüdigkeit bei Fernreisen und eine gestiegene Antibiotikaresistenz von Bakterien fördern diese Entwicklung. Die Gefahr von Epidemien und sogar Pandemien ist groß.
In der modernen Gesundheitsforschung erlangt die Epidemiologie eine immer größere Bedeutung, da die moderne medizinische Forschung, will sie Krankheiten erfolgreich bekämpfen und überwinden über genaue Kenntnisse zur Häufigkeit (deskriptive Epidemiologie) und Verbreitung von Krankheiten (analytische Epidemiologie) verfügen muss.
Die Epidemiologie ist jedoch noch ein relativ junges Fach an den deutschen Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Doch bereits Anfang des 20. Jahrhunderts machten deutsche Wissenschaftler, wie Robert Koch, Paul Ehrlich und Emil von Behring auf dem Gebiet der Infektions- und Impfstoffforschung bahnbrechende Entdeckungen und deutsche Unternehmer, wie Karl August Lingner (Odol), förderten Volksaufklärung und Infektionsforschung.
Der medizinische Fortschritt hängt wesentlich davon ab, wie eine engere Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft gestaltet und weiter entwickelt wird.
Die medizinische Forschung wird im Großen und Ganzen in Deutschland durch die klinische Forschung an den Hochschulen bestritten. Gemeinsam mit den 36 Hochschulkliniken tragen die Hochschulen eine große Verantwortung in der Gesundheitsversorgung, für die Forschung sowie Aus- und Weiterbildung von Ärzten und Angehörigen anderer medizinischer Berufe.
Die medizinische Forschung wird ergänzt durch die von Bund und Ländern gemeinsam finanzierten Einrichtungen der außeruniversitären Forschung. Das sind heute 14 Max-Planck-Institute, 11 Helmholtz-Zentren, 13 Institute der Leibnizgemeinschaft und vier Fraunhofer-Institute. Hinzu kommen die Ressortforschungseinrichtungen des Bundes und der Länder, wie z. B. das Robert Koch-Institut.
Wir fragen daher die Bundesregierung:
Fragen28
Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung seit 1998 unternommen, um die Infektionsepidemiologie als Forschungszweig in Deutschland weiter zu stärken, und inwieweit ist die epidemiologische Forschungsförderung heute in alle medizinischen Forschungsfelder integriert?
Welche epidemiologischen Forschungen wurden und werden von der Bundesregierung seit 1989 mit welcher Finanzausstattung gefördert?
Wie hoch sind die eingesetzten finanziellen Mittel für die direkte epidemiologische Forschungsförderung und darüber hinaus für die Ausgestaltung anderer Forschungsprogramme zur Untersuchung epidemiologischer Relevanz?
Welche Forschungen und damit verbunden welche Forschungseinrichtungen werden von der Bundesregierung zur Erforschung lebensmittelbedingter Infektionen, Atemwegsinfektionen bei Kindern und nosokomiale Infektionen (Infektionen in Krankenhäusern) gefördert?
Welche Rolle misst die Bundesregierung der Erforschung genetisch bedingter Krankheiten innerhalb der Epidemiologie zu?
Welche Rolle spielen die krankheitsorientierten Genomnetze des Nationalen Genomforschungsnetzes für die Epidemiologie?
Wie viele genetisch-epidemiologische Methodenzentren (GEMs) wurden in der ersten Förderphase des Nationalen Genomforschungsnetzes – NGFN (2001 bis 2004) durch die Bundesregierung mit welchem finanziellen Mittelansatz gefördert? (Bitte gesonderte Aufstellung nach Zentren)
Wie verhält es sich in der zweiten Förderphase des NGFN (2004 bis 2007), und wie viele GEMs werden in diesem Zeitraum in welcher Höhe gefördert? (Bitte gesonderte Aufstellung nach Zentren)
Welchen Einfluss hatten Programme der Bundesregierung auf die Entwicklung des Personalbestandes an Epidemiologen an den Hochschulen und außeruniversitären Forschungsbereichen seit dem Jahr 1998, und ist der Bundesregierung bekannt, wie viele Lehrstühle bzw. Professorenstellen für die klinische Infektiologie an deutschen Hochschulen seit 1998 eingerichtet wurden?
An welchen deutschen Hochschulen fördert die Bundesregierung seit 1998 die Einrichtung von epidemiologischen Ausbildungsstudiengängen?
Welches Ziel verfolgt die epidemiologische Forschungsförderung der Bundesregierung, insbesondere zu HIV/AIDS, SARS, EBOLA und LASSA?
Welche finanziellen Mittel stellt die Bundesregierung der HIV/AIDS-, SARS-, EBOLA- und LASSA-Forschung jährlich seit 1998 bereit? (Bitte Auflistung nach einzelnen Bundesministerien)
Welche Institute der von Bund und Ländern gemeinsam geförderten Forschung sind in die HIV/AIDS-, SARS-, EBOLA- und LASSA-Forschung einbezogen?
Beabsichtigt die Bundesregierung, das Kompetenznetz HIV/AIDS, das seit dem Frühjahr 2002 gefördert wird, auch über 2005 hinaus weiter zu fördern und welche Mittel wurden hierfür bereits eingesetzt bzw. werden weiterhin jährlich eingesetzt?
Mit welchen Maßnahmen unterstützt die Bundesregierung den Aufbau einer klinisch-infektiologischen Forschung an den Universitätskliniken?
Welche Erfolge wurden bei der Umstrukturierung des Robert Koch- Institutes in Berlin (RKI) nach dem Vorbild des US-amerikanischen Centers for Disease Control (CDC) für die Neugestaltung der Infektionsepidemiologie in Deutschland erzielt?
Welche Ergebnisse brachte die Impfstoff-Initiative der Bundesregierung für den schnellen Transfer von Ergebnissen der Grundlagenforschung zur industriellen Produktion neuer Impfstoffe?
Über welche ersten Erkenntnisse aus der neu eingeführten Managementstruktur verfügt die Bundesregierung für die gezielte produktorientierte Weiterentwicklung vorhandener Impfstoffkandidaten?
Welche Forschungsvorhaben unterstützt derzeit die Bundesregierung im Zuge der Bekämpfung der Transmissiblen (übertragbaren) Spongioformen Enzephalopathien (TSE), zu denen auch BSE und die neue Variante der Creutzfeld-Jakob-Erkrankung zählen?
Welche neuen verbesserte Diagnosemethoden und Therapiemöglichkeiten von TSE, BSE und der neuen Variante der Creutzfeld-Jakob-Erkrankung werden im Rahmen des nationalen TSE-Forschungskonzepts besonders gefördert?
Wurde in den letzten Jahren ein nationales Forschungsinformationssystem zur Unterstützung von Präventionsmaßnahmen, Diagnostik, Pathogenese, Arbeitsschutz, Umwelt und Landwirtschaft sowie Kontaktadressen und Ansprechpartner in Wissenschaft und Verwaltung aufgebaut, und wie ist es allen Forschern und hoheitsrechtlichen Verantwortungsträgern zugänglich?
Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über die Koordination aller nationalen Forschungsaktivitäten durch die bundesweite TSE-Forschungsplattform vor?
Wie gestaltet sich die Arbeit an der Forschungsstelle auf der Halbinsel Riems in Mecklenburg-Vorpommern?
Führt die Bundesregierung die Förderung des Netzwerks lebensmittelbedingter Infektionen (Salmonellen, enterohämorrhagischen E. coli – EHEC –), in dem Epidemiologen, Laborwissenschaftlern und Tierärzten koordiniert zusammenarbeiten fort?
Wird das Netzwerk „Infektionen der Atemwege bei Kindern“, im Rahmen dessen u. a. Impfstrategien bei Keuchhusten die Ausbreitung bestimmter Erreger-Subtypen verhindern, weiterhin mit Bundesmitteln unterstützt?
Im Rahmen welcher Programme unterstützt die Bundesregierung infektionsepidemiologische Forschungen zur Ausbreitung von nosokomialen Infektionen und von resistenten Erregern in der Intensivmedizin?
Auf welche Erfolge können die Forschungskompetenznetzwerke Erforschung der Hepatitis und der Pneumonie verweisen?
Ist es angesichts gestiegener Zahlen von Hepatitis-Erkrankungen aus der Sicht der Bundesregierung notwendig, diese Forschungsnetze auch über den Förderungszeitraum hinaus zu fördern oder sind sie durch ihre gebildete Struktur dann selbst in der Lage, ihre Arbeit fortzusetzen?